Mehr Gewalt

Klimawandel erhöht das Risiko für bewaffnete Konflikte

 Robert Klatt

Dürren führen zu mehr Gewalt )moc.sotohptisopediM_elA(Foto: © 

Der Klimawandel führt immer öfter zu Extremwetter, etwa Dürren und Hitzewellen. Die bisher umfassendste Analyse zeigt, dass es dadurch in vielen Regionen öfter zu bewaffneten Konflikten kommt.

Houston (U.S.A.). In vielen Regionen kommt es durch den Klimawandel öfter zu Wetterextremen wie Hitzewellen und Dürren. Forscher der Universität Hamburg haben bereits im Januar 2025 eine Studie publiziert, laut der es dadurch in ärmeren Ländern vermehrt zu Hungersnöten, Migration und Konflikten kommen wird. Der Klimawandel ist demnach aber nur in Ausnahmefällen der alleinige Auslöser von Konflikten, Gewalt und Flüchtlingen, sondern verstärkt lediglich das Risiko, das auf Faktoren wie eine hohe soziale Ungleichheit und schwache staatliche Organisationen zurückgeht.

Nun haben Wissenschaftler der Rice University eine weitere Studie veröffentlicht, die detailliert untersucht hat, ob Klimaschwankungen das Risiko für Gewalt, vor allem für bewaffnete Konflikte, beeinflussen. Sie haben dazu ein Modell entwickelt, das Daten zu großräumigen Klimamustern mit dem Risiko von Bürgerkriegen und bewaffneten Konflikten verknüpft.

„Wir wollten verstehen, ob das Risiko bewaffneter Konflikte mit diesen Klimamustern verbunden ist und ob das lokale Konfliktrisiko davon abhängt, wie stark diese Muster das Wetter vor Ort beeinflussen. Dadurch konnten wir Regionen identifizieren, die besonders anfällig für klimabedingte politische oder soziale Instabilität sind.“

El-Niño-Southern-Oscillation und Indian Ocean Dipole

Die Studie hat sich auf die El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO und den Indian Ocean Dipole (IOD) konzentriert, also Systeme, die durch Temperaturanomalien in den Ozeanen entstehen und die globalen Wetterverhältnisse beeinflussen.

„Entscheidend für unsere Studie ist die Tatsache, dass die extremen Phasen von ENSO und IOD jeweils mit unterschiedlichen und häufig gegensätzlichen lokalen Klimaauswirkungen verbunden sind. ENSO schwankt beispielsweise zwischen zwei Phasen – La Niña und El Niño – und jede davon ist weltweit mit bestimmten Wetterauswirkungen verbunden. Durch die Nutzung dieser unterschiedlichen Auswirkungen fanden wir statistische Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt und Ort bewaffneter Konflikte sowie der Frage, ob ENSO sich in einer El-Niño- oder La-Niña-Phase befand und ob Gesellschaften trockene oder feuchte ENSO-Auswirkungen erlebten.“

Wie die Forscher erklären, haben Studien bereits zuvor Hinweise darauf entdeckt, dass das Risiko für gewaltsame Konflikte durch den El Niño zunehmen könnte. Die aktuelle Studie hat jedoch eine deutlich höhere Auflösung verwendet und einen Datensatz mit 500 Konflikten aus dem Zeitraum 1950 bis 2023 analysiert. Dank der exakten räumlichen und zeitlichen Erfassung der Konflikte konnten lokale Zusammenhänge zwischen dem Wetter und den Konflikten genauer untersucht werden als zuvor.

„Ein Datensatz mit einem derart hohen räumlichen Detailgrad über einen so langen Zeitraum existierte bisher praktisch nicht. Dadurch konnten wir untersuchen, wie Klimaschwankungen das Konfliktrisiko über Jahrzehnte hinweg auf lokaler Ebene beeinflussen.“

Nachrichtenberichte und Co. als Datenquelle

Laut den Wissenschaftlern war die Erstellung des Datensatzes sehr arbeitsintensiv. Um die Konflikte möglichst lückenlos zu erfassen, haben die Forscher Primärquellen und Nachrichtenberichte in mehreren Sprachen verwendet. Die Analyse der dabei gewonnenen Daten zeigt, dass Klimaveränderungen das Risiko für bewaffnete Konflikte erhöhen können. Die Zusammenhänge sind aber deutlich komplexer, als die Wissenschaft bisher angenommen hat, und unterscheiden sich lokal stark.

"Ähnlich wie frühere Studien fanden wir heraus, dass das globale Risiko bewaffneter Konflikte während El Niño höher ist als während La Niña. Gleichzeitig stellten wir fest, dass das erhöhte Konfliktrisiko während El Niño vor allem mit Regionen verbunden ist, die trockenere Bedingungen erleben. In Gebieten, in denen El Niño mit feuchteren Bedingungen verbunden ist, fanden wir keinen glaubwürdigen Zusammenhang.“

Die Daten zeigen eine deutliche Ursachenketten zwischen dem Klima und Gewaltkonflikten. Gewaltkonflikte nehmen demnach vor allem durch Dürren zu, die eine Wasserknappheit auslösen. Das Konfliktrisiko steigt jedoch nicht unbegrenzt an, sondern erreicht in Regionen mit starken Dürren einen Schwellenwert.

Anpassungen an Klimaschwankungen

Wie die Forscher erklären, sind Klimaschwankungen ein sogenannter „Bedrohungsmultiplikator“, durch den sich bereits bestehende soziale und ökonomische Spannungen verstärken. Weil die Auslöser der Klimaschwankungen, ENSO und IOD, sich mehrere Monate im Voraus prognostizieren lassen, könnten die betroffenen Länder durch eine frühzeitige Vorbereitung das Risiko zudem minimieren.

„Diese Klimamuster sind auf saisonalen bis jährlichen Zeitskalen vorhersagbar. Das bedeutet, dass die Informationen künftig Bestandteil von Frühwarnsystemen sein könnten.“

Die Forscher sind der Ansicht, dass die Politik und Hilfsorganisationen die Ergebnisse in Zukunft nutzen sollten, um potenzielle Konfliktregionen früher zu erkennen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten.

„Wir können nicht eindeutig sagen, dass das Klima Konflikte verursacht. Aber wir können sagen, dass bestimmte Klimamuster die Wahrscheinlichkeit von Konflikten verändern. Und das Verständnis dieser Risikoverschiebungen ist wertvoll für Planung und Prävention.“

Quellen:

Pressemitteilung der Rice University

Studie im Fachmagazin PNAS, doi: 10.1073/pnas.2532935123

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