CO2-Emissionen

Internet und Computer klimaschädlicher als Flugverkehr

Robert Klatt

Das Internet, Rechenzentren und private Computer sind gemeinsam für mehr CO2-Emissionen als der globale Flugverkehr verantwortlich. In Zukunft könnte der CO2-Fußabdruck der IT nochmals steigen.

Lancaster (England). Im Kampf gegen Klimawandel steht oft der globale Flugverkehr im Fokus. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat deshalb kürzlich die Einführung einer progressiven Steuer für Vielflieger gefordert. Wissenschaftler der Universität Lancaster haben nun ermittelt, dass das Internet, die Rechenzentren der Unternehmen und die Computer zusammen eine mindestens genauso starke Auswirkung auf das Klima haben. Zuvor hatte die Wissenschaft diese Effekte kaum untersucht.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Patterns berücksichtigen die Forscher nicht nur, wie viel CO2 bei der Erzeugung des für den Betrieb benötigten Stroms emittiert werden, sondern auch den Kohlenstoffausstoß bei der Gewinnung der Rohstoffe, der Produktion der Hardware und der Verschrottung am Ende der Lebensdauer.

1,8 bis 3,9 Prozent der Treibhausgasemissionen

Laut der Berechnung sind das Internet und Computer für 1,8 bis 2,8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bereinigt um die Kürzung von Lieferkettenpfaden liegt der Anteil sogar bei 2,1 bis 3,9 Prozent. Damit wären das Internet und die Server sowie Privatcomputer klimaschädlicher als der Flugverkehr, der im Jahr 2018 einen Anteil von 3,01 Prozent an den globalen CO2-Emissionen hatte.

Höhere CO2-Emissionen in der IT

In Zukunft könnte der CO2-Fußabdruck der IT laut den Autoren weiter steigen. Verantwortlich dafür sind die fehlenden Zusagen der Branche zu mehr Klimaschutz und die mangelnden Mechanismen der Politik zur Durchsetzung der Klimaziele. Ohne große industrielle und große Anstrengungen wird die IT also sehr wahrscheinlich in den kommenden Jahren einen noch größeren Anteil an den CO2-Emissionen haben.

„Mit Blick auf die Zukunft sind wir besorgt, dass sich dieses Emissionswachstum zu einer Zeit fortsetzen wird, in der die Emissionen sinken müssen. Alle in diesem Bericht geprüften Analysen stimmen darin überein, dass die IKT nicht auf dem Weg ist, Emissionen im Einklang mit den Empfehlungen der Klimawissenschaft zu reduzieren, es sei denn, die Branche oder der Gesetzgeber ergreifen zusätzliche Maßnahmen, um dies sicherzustellen“, so die Autoren der Studie.

Patterns, doi: 10.1016/j.patter.2021.100340

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