Robert Klatt
Insektenbasiertes Eiweiß ist deutlich umwelt- und klimafreundlicher als herkömmliches Fleisch. Nun wurde untersucht, ob das Umweltbewusstsein dazu ausreicht, Menschen vom Verzehr von Insekten zu überzeugen, oder ob der Ekel überwiegt.
Alberta (Kanada). Die industrielle Fleischproduktion ist für große Umwelt- und Klimaschäden verantwortlich, besonders die von Rindfleisch, das laut einer Studie des Bard College bis zu 40-mal CO₂-intensiver als andere Proteinquellen ist. Forscher des National Research Institute for Agriculture, Food and Environment (INRAE) haben deshalb kürzlich analysiert, wie stark die CO₂-Emissionen der Ernährung sinken würden, wenn Menschen stattdessen insektenbasiertes Eiweiß essen.
Wissenschaftler der University of Alberta (U of A) haben nun untersucht, ob die bekannten Umwelt- und Gesundheitsargumente ausreichen, um Verbraucher von Insekten als Lebensmittel zu überzeugen, oder ob der bei vielen Menschen bestehende Ekel überwiegt. Dazu haben sie eine Umfrage mit 548 US-Amerikanern durchgeführt, in der es darum ging, einen Snack auf Basis von Grillen zu probieren.
„Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass Verbraucher nachhaltige Lebensmittel wollen. Doch obwohl wir diese Information bereitgestellt haben, war sie weder wichtig noch attraktiv für die Teilnehmenden. Man würde denken, das sei eine gute Nachricht für die Konsumenten – tatsächlich aber war es eher ein Abturner. Das ist wirklich eine große Herausforderung für den Verkauf nachhaltiger Produkte, die etwa aus Insekten, Kaffeesatz oder anderen wiederverwerteten Lebensmitteln bestehen.“
Laut der Publikation im Fachmagazin Sustainability haben die Forscher untersucht, welche Snacks Verbraucher in den U.S.A. bevorzugen, darunter ganze, geröstete Grillen und Grillenchips. Zudem haben sie weitere Akzeptanzfaktoren wie den Geschmack, die Textur und die Gestaltung der Verpackung untersucht. Die Verpackungen enthielten unterschiedliche Angaben wie „bio-zertifiziert“, „nachhaltige Nahrungsquelle“ oder „leckere Zwischenmahlzeit“.
In den Tests haben die verarbeiteten Grillenchips, bei denen man die Insekten nicht mehr erkennen konnte, am besten abgeschnitten. Die Umfrage zeigt, dass aufgedruckte Vorteile wie Nachhaltigkeit keinen signifikanten Einfluss auf die Entscheidungen der Teilnehmer hatten und die Bilder entscheidend waren. Bilder mit einem Chip haben die Bereitschaft dazu, das Lebensmittel zu probieren, deutlich erhöht, während Bilder einer ganzen, gerösteten Grille eher für Ekel gesorgt haben.
„Visuelle Reize sind entscheidend. Wenn uns das Aussehen von Insekten nicht gefällt, spielt es keine Rolle, wie nachhaltig oder schmackhaft sie sind – wir lehnen das Produkt ab.“
Die Studie zeigt zudem, dass die persönlichen Einstellungen gegenüber dem Konsum von Insekten entscheidend für die Akzeptanz sind. Personen, die bereits Erfahrungen mit solchen Lebensmitteln gemacht hatten, waren deutlich offener gegenüber den insektenbasierten Snacks. Auch Faktoren wie Auslandsreisen oder ein kulturell vielfältiger Hintergrund haben die Akzeptanz erhöht.
„Wenn nachhaltige Ernährungsinitiativen erfolgreich sein sollen, müssen wir uns von dem verabschieden, was wir gewohnt sind.“
Sustainability, doi: 10.3390/su17072910