Robert Klatt
Obwohl die Fleischproduktion hohe Umwelt- und Klimaschäden verursacht, unterliegt das Lebensmittel in vielen EU-Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, einem reduzierten Mehrwertsteuersatz. Wenn stattdessen die normale Mehrwertsteuer anfallen würde, würde dies die Umweltbelastung besser in die Produkte einpreisen und die Umweltschäden deutlich reduzieren.
Potsdam (Deutschland). Die Produktion von tierischen Lebensmitteln beschleunigt durch die hohen CO₂- und Methanemissionen den Klimawandel und verursacht große Umweltschäden. Besonders klimaschädlich sind laut einer Studie des Bard College Rinder, deren Fleisch bis zu 40-mal CO₂-intensiver als andere Proteinquellen ist. Der ökologische Fußabdruck der Ernährung ist somit groß und hat in der Europäischen Union einen signifikanten Anteil an den Treibhausgasemissionen, dem Wasser- und Landverbrauch und der Gefährdung der Biodiversität der privaten Haushalte.
In 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten wurde Fleisch 2023 trotzdem mit einer reduzierten Mehrwertsteuer (MwSt.) besteuert, darunter auch Deutschland, wo der Mehrwertsteuersatz auf Fleisch bei lediglich 7 statt 19 Prozent lag. Der Fleischkonsum ist also steuerlich stark bevorteilt, obwohl er nachweislich umwelt- und klimaschädlich ist.
Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung e. V. (PIK) haben nun eine Studie publiziert, die auf repräsentativen Daten der Privathaushalte der EU-Mitgliedsstaaten und einem Input-Output-Modell basiert. Das Input-Output-Modell bildet die gesamte Wertschöpfungskette der Produkte ab und zeigt, wie stark diese die Umwelt und das Klima belasten. Die Wissenschaftler haben die Ergebnisse verwendet, um potenzielle politische Maßnahmen zu entwickeln, mit denen die Umweltbelastung besser in die Produkte eingepreist werden kann.
„Aus ökonomischer Perspektive sollte man je nach Produkt die Umweltkosten, die bei der Herstellung entstehen, auf den Preis aufschlagen. Das hieße, es wird umso teurer, je mehr CO₂ ausgestoßen wird. Eine solche Staffelung für die ungeheure Vielzahl von Nahrungsmitteln umzusetzen, ist sehr komplex und daher zumindest kurzfristig nicht praktikabel. Deshalb haben wir zunächst eine einfache und aktuell politisch diskutierte Variante untersucht: die Steuervergünstigungen auf Fleischprodukte aufzuheben.“
Laut der Modellrechnung würden die Haushalte in den EU-Mitgliedsstaaten deutlich weniger Fleisch kaufen, wenn dies dem normalen Mehrwertsteuersatz unterliegt. Die Umweltschäden durch Ernährung würden dadurch je nach Schadenskategorie um bis zu 5,7 Prozent fallen. Die Ernährungsausgaben der Haushalte würden im Mittel um rund 109 Euro pro steigen und die Steuermehreinnahmen um 83 Euro. Wenn die Staaten mit den Steuermehreinnahmen eine Pro-Kopf-Zahlung ausschütten würden, würden die Netto-Kosten der Ernährung nur um 26 pro Haushalt steigen.
Die Wissenschaftler haben zudem berechnet, wie sich eine differenzierte Umweltsteuer auf Lebensmittel, die sich an den Emissionen der Produktion orientiert, auswirken würde. Demnach würde ein pauschaler Preisaufschlag von etwa 52 Euro je Tonne CO₂-Emissionen die Emissionen der Ernährung im selben Maße reduzieren wie das Ende der reduzierten Mehrwertsteuer.
„Ein derart umfassendes Preissignal würde die übrigen Umweltbelastungen, jenseits der Treibhausgase, noch etwas stärker reduzieren als das selektive Mehrwertsteuer-Preissignal bei Fleisch. Und vor allem lässt sich das umfassende Preissignal im Laufe der Zeit so verstärken, dass die Politik den Problemen, etwa der Klima- und Biodiversitätskrise, wirklich gerecht wird. Flankiert werden muss das natürlich über einen entsprechend starken sozialen Ausgleich durch Rückerstattung der Einnahmen. Die Netto-Kosten einer solchen differenzierten Umweltsteuer fallen dann auf 12 Euro pro Haushalt und Jahr. Das wird ein schwieriges, langfristiges Projekt, deshalb beschreibt unsere Studie auch die Option für einen schnellen ersten Schritt.“
Quellen:
Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung e. V. (PIK)
Studie im Fachmagazin Nature Food, doi: 10.1038/s43016-025-01284-y