Benzin, Diesel und Co.

Deutschland könnte fossile Kraftstoffe im Straßenverkehr komplett ersetzen

 Robert Klatt

Kraftstoff aus biogenen Rohstoffen )moc.sotohptisopedsnoitcudorP_adyS(Foto: © 

Die Europäische Union (EU) importiert einen Großteil ihrer fossilen Kraftstoffe. Nun wurde belegt, dass sie zeitnah den gesamten Kraftstoffbedarf des Straßenverkehrs selbst decken kann, indem sie mehr Kraftstoff aus biogenen Rohstoffen wie pflanzlichen Reststoffen produziert.

Karlsruhe (Deutschland). In Deutschland stammt ein Großteil der eingesetzten Energie im Straßenverkehr aus fossilen Kraftstoffen (95 %), vor allem aus Diesel und Benzin. Diese Kraftstoffe sorgen nicht nur für hohe CO₂-Emissionen, sondern machen die Bundesrepublik auch abhängig von Importen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben deshalb untersucht, ob die Europäische Union (EU) ihren gesamten Kraftstoffbedarf für den Straßenverkehr aus erneuerbaren Quellen decken könnte, also aus biogenen Rohstoffen wie altem Speiseöl, pflanzlichen Reststoffen und Bioabfällen, die sich in Biokraftstoffe umwandeln lassen.

Die Wissenschaftler haben, für die im Auftrag der BMW AG durchgeführte Studie, mehrere Methoden zur Produktion von Kraftstoffen aus Biomasse analysiert, darunter das HVO-Verfahren, bei dem ein Dieselersatz aus ölhaltigen Reststoffen gewonnen wird, sowie methanolbasierte Verfahren, bei denen aus pflanzlichen Reststoffen zunächst ein Gas gewonnen wird, das anschließend zu einem Benzin- oder Dieselersatz verarbeitet wird.

„Mit diesen Verfahren können wir aus sehr unterschiedlichen Reststoffen hochwertige Kraftstoffe herstellen. Das ist wichtig, weil Europa über eine breite Palette an Biomassen verfügt. Die Technologien funktionieren auch dann, wenn der Rohstoffmix sich ändert.“

Ausreichend Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen

Die Studie zeigt, dass die EU über ausreichend Rest- und Abfallstoffe verfügt, um bis 2040 den gesamten Kraftstoffbedarf des Straßenverkehrs mit klimaneutralen Kraftstoffen versorgen zu können. 2030 könnten diese Kraftstoffe bereits die Hälfte des Kraftstoffbedarfs decken.

„Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles Öl mobil zu sein. Angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten ist das eine gute Nachricht. Wenn wir Rest- und Abfallstoffe effizient nutzen, können wir den Straßenverkehr unabhängiger von Energieimporten machen und gleichzeitig CO₂-Emissionen senken.“

Laut der Studie liegen die großen Vorteile der EU und der analysierten Produktionsverfahren darin, dass die Region über eine große Menge an Rest- und Abfallstoffen verfügt, die mit den unterschiedlichen Methoden in flüssige Kraftstoffe für den Straßenverkehr umgewandelt werden können. Die Rohstoffbasis wäre somit stabil und die Region wäre nicht von einem einzelnen Verfahren oder einem einzelnen Rohstoff abhängig.

„Viele glauben, dass Alt-Speiseöl die zentrale Quelle für erneuerbare Kraftstoffe ist. Tatsächlich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoffportfolios aus. Die wirklich großen Potenziale liegen beispielsweise in Pflanzenresten und Holzfasern. Diese Stoffe fallen ohnehin an – und können ausreichend klimafreundliche Kraftstoffe liefern. Das kann aber nur gelingen, wenn der Herstellung von fortschrittlichen reFuels-Biokraftstoffen von Politik und Gesellschaft die notwendige Priorität eingeräumt wird.“

Es wird somit deutlich, dass die EU, trotz der fortschreitenden Elektrifizierung im Straßenverkehr, das hohe Potenzial der selbstproduzierten Kraftstoffe nutzen sollte, um die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren und die Klimaziele zu erreichen.

„Viele Fahrzeuge bleiben noch lange im Einsatz. Für diese Bestandsflotte bieten erneuerbare Kraftstoffe eine direkte Möglichkeit, CO₂-Emissionen zu vermeiden.“

Quellen:

Publikation des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)

Pressemitteilung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)

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