Umwelt- und Klimaschutz

Mit Rindertoiletten gegen den Klimawandel

Robert Klatt

Die Rinderhaltung setzt große Mengen Methan, Distickstoffmonoxid und Nitrat frei. Eine Kuhtoilette kann diese Umwelt- und Klimabelastung deutlich reduzieren.

Dummerstorf (Deutschland). Die Rinderhaltung gilt als klimaschädlich, weil die Wiederkäuer große Mengen Methan in die Umwelt abgeben. Das potente Treibhausgas besitzt eine etwa 20- bis 30-mal größere Klimawirkung als CO2 und ist zu etwa einem Drittel für den Klimawandel auf der Erde verantwortlich. Außerdem ist der Urin der Rinder problematisch, weil dieser das ebenfalls potente Treibhausgas Distickstoffmonoxid (Lachgas) freisetzt und hohe Mengen Nitrat in Gewässer und Böden einbringt.

Wissenschaftler vom University of Auckland haben deshalb eine Kuhtoilette entwickelt, die dafür sorgen soll, dass bei der Rinderhaltung weniger Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Erprobt wurde die Toilette am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Deutschland.

16 Kälber trainiert

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Current Biology trainierte das Team um Lindsay Matthews und Douglas Elliffe 16 Kälber darauf, einen Latrinenstall zu nutzen. Dies geschah mithilfe von Halsbändern, die vibrierten, wenn die Kälber außerhalb der Kuhtoilette urinieren wollten. Gingen die Tiere dann in den Latrinenstall, wurden sie mit Futter belohnt.

„Manche Leute trainieren ihre Kinder auf diese Weise – sie setzen sie auf die Toilette, warten, bis sie pinkeln, und belohnen sie dann, wenn sie es tun. Es hat sich herausgestellt, dass das auch bei Kälbern funktioniert“, erklären die Forscher. Die Kälber verstanden bereits nach kurzer Zeit den Zusammenhang zwischen der Belohnung und ihrem Verhalten. Nach dem nur 15-tägigen Training gaben drei Viertel (75 %) der Tiere drei Viertel (75 %) ihres Urins auf der Toilette ab.

Reduzierte Treibhausgasemissionen

Dies sorgt dafür, dass der im Urin enthaltene Stickstoff aufgefangen werden kann, bevor er ins Wasser gelangt oder in langlebiges Treibhausgas umgewandelt wird.

Entstanden ist die Idee ursprünglich aus einem Witz. „Die Reaktion der Leute ist natürlich verrückte Wissenschaftler. Wenn wir zehn oder 20 Prozent der Urinausscheidungen auffangen, könnten wir den Ausstoß von Treibhausgasen und die Nitratauswaschung erheblich reduzieren“, erklärt Elliffe.

Konzept für große Herden

Die Ergebnisse belegen laut Elliffe, dass Rinder zum Toilettentraining geeignet sind. Nun wollen die Wissenschaftler ein Konzept entwickeln, mit dem sich große Herden an die Toilettennutzung gewöhnen lassen.

Current Biology, doi:  10.1016/j.cub.2021.07.011

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