Strömungsturbinen

Japan erprobt Stromproduktion in der Tiefsee

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Japan hat kaum Potenzial für Solar- und Windkraftanlagen. Die bisherige Stromproduktion in Atomkraftwerken ist seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima jedoch umstritten
  • Helfen sollen Strömungsturbinen, die in der Tiefsee Strom erzeugen
  • Ein kleiner 100-Kilowatt-Generator läuft seit 2017 ohne Probleme. Nun sollen größere Anlagen folgen

In Japan produzieren Atomkraftwerke bisher einen Großteil des Stroms. Weil das Land nur wenig Potenzial für Solar- und Windkraftanlagen besitzt, soll die Stromproduktion in Zukunft in der Tiefsee stattfinden.

Tokio (Japan). Der Anteil erneuerbarer Energien ist in Japan im globalen Vergleich noch relativ gering. Bisher hat das Land seine dicht besiedelten Städte wie Tokio oder Yokohama vor allem mit Atomkraftwerken versorgt. Seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 ist die Nutzung der Kernenergie aber auch im Land der aufgehenden Sonne umstritten. Japan sucht deshalb nach neuen Möglichkeiten, die die Energieunabhängigkeit sichern sollen.

Untersuchungen bestätigen Japan jedoch nur ein unterdurchschnittliches Solarpotenzial. Auch der Ausbau von Windkraftwerken ist aufgrund der geografischen Begebenheiten problematisch. Japan besitzt als Inselstaat jedoch die sechstgrößten Hoheitsgewässer der Welt. Alternative Energiequellen im Meer bieten sich deshalb an. Gezeitengeneratoren, die etwa vor der Küste Schottlands bereits installiert wurden, sind vor Japan angesichts des hohen Schiffsverkehrs jedoch ebenfalls problematisch.

Strömungsturbinen in der Tiefsee

Die New Energy and Industrial Technology Development Organization (Nedo) und das Unternehmen IHI (PDF) versuchen deshalb die Strömungen in der Tiefsee zur Stromproduktion zu nutzen. Konkret geht es dabei um die Kuroshio-Meeresströmung, die auch als Schwarze Strömung oder Japanstrom bekannt ist und sich östlich der japanischen Inseln erstreckt. An einigen Stellen ist diese Meeresströmung bis zu 100 Kilometer breit. Sie bewegt an ihrem stärksten Punkt, an der Südostspitze des Landes, 65 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

100-Kilowatt-Generator seit 2017 im Einsatz

IHI und Nedo arbeiten bereits seit 2011 an einem Projekt zur Gewinnung von Strom über Meeresströmungsturbinen in der Tiefsee. 2017 wurde ein kleiner 100-Kilowatt-Generator installiert. Dieser läuft seit dreieinhalb Jahren ohne Probleme. Die Kooperationspartner haben sich deshalb dazu entschieden, bis 2030 eine deutlich größere und effizientere Version der Strömungsturbine im Meer zu installieren. Sollte auch dieses Experiment erfolgreich verlaufen, könnten Meeresströmungsturbinen eine zuverlässige grüne Energiequelle für Japan werden.

Der Jahresnutzungsgrad der Meeresströmungsenergie liegt bei etwa 70 Prozent. Er wird errechnet aus den Messwerten eines Jahres, geteilt durch die enthaltene Energiemenge der Brenn- oder Rohstoffe. Onshore-Windkraftanlagen erreichen einen Jahresnutzungsgrad von etwa 40 Prozent und Solaranlagen von etwa 15 Prozent.

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