Neue Akku-Technik

Erstes Serienauto fährt mit Natrium-Ionen-Batterie statt Lithium

 Dennis Lenz

Erstes Serienauto fährt mit Natrium-Ionen-Batterie statt Lithium
(Symbolbild) Natrium-Ionen-Zellen nutzen statt des knappen Lithiums das nahezu unbegrenzt verfügbare Natrium als Ladungsträger. In der Massenfertigung sinken dadurch die Materialkosten deutlich, während die Zellen auch bei starker Kälte einen Großteil ihrer Kapazität behalten. Der erste Einsatz in einem Serienfahrzeug gilt als Wendepunkt für die Technik. (Foto: © Forschung und Wissen)

In China ist das erste in Großserie gebaute Auto auf dem Markt, dessen Antriebsakku vollständig ohne Lithium auskommt. Das Herzstück ist eine Natrium-Ionen-Batterie, die den knappen und teuren Rohstoff durch reichlich vorhandenes Natrium ersetzt. Der Verkaufsstart holt eine seit Jahren angekündigte Alternative erstmals aus dem Labor in den Alltag. Damit beginnt für die Speichertechnik eine neue Phase.

Den Anfang macht ein kompaktes Elektroauto des Herstellers Changan, das seit Anfang 2026 in China ausgeliefert wird und als weltweit erstes Serienmodell mit einer Natrium-Ionen-Batterie fährt. Die verbaute Zellgeneration erreicht eine Energiedichte von rund 175 Wattstunden pro Kilogramm und arbeitet in einem Temperaturbereich von etwa minus 40 bis plus 70 Grad. Der chinesische Weltmarktführer CATL hat nach eigenen Angaben die zentralen Fertigungshürden gelöst und fährt die Produktion 2026 in mehreren Anwendungsfeldern hoch, von Personenwagen über Nutzfahrzeuge bis zu großen Stromspeichern. Bemerkenswert ist vor allem der Preis: Die Zellen sollen rund 30 Prozent günstiger sein als die heute verbreiteten Lithium-Eisenphosphat-Akkus, weil Natrium praktisch überall vorkommt und kein Lithium, Kobalt oder Nickel benötigt wird.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Rohstoffbasis. Natrium lässt sich aus Meersalz und aus vielen Mineralen gewinnen und ist um Größenordnungen häufiger als Lithium, dessen Förderung an wenige Regionen gebunden und stark von Preisschwankungen geprägt ist. Hinzu kommt die gute Kälteleistung, denn während klassische Lithiumzellen bei Frost stark an Reichweite verlieren, halten Natriumzellen einen erheblichen Teil ihrer Kapazität. Als weiterer Pluspunkt gilt die höhere Toleranz gegenüber Tiefentladung und mechanischer Belastung. Diese Eigenschaften machen die Technik besonders für günstige Stadtautos, Nutzfahrzeuge und stationäre Speicher interessant. Fachleute betonen jedoch, dass die neue Zelle das Lithium nicht verdrängt, sondern ergänzt, da ihre Energiedichte weiterhin unter der leistungsstärkster Lithiumakkus liegt.

Was die Natrium-Ionen-Batterie im Alltag leisten kann

Für Kurz- und Mittelstrecken ist die Reichweite bereits konkurrenzfähig, für schwere Langstreckenfahrzeuge mit maximaler Reichweite bleibt Lithium vorerst gesetzt. CATL verfolgt deshalb ausdrücklich eine Doppelstrategie und entwickelt beide Chemien parallel weiter. Die geringere Energiedichte bedeutet bei gleicher Kapazität ein etwas höheres Gewicht, was bei kompakten Fahrzeugen und bei fest installierten Speichern kaum ins Gewicht fällt. Wer die technischen Hintergründe vertiefen möchte, findet weitere Grundlagen zur Batterietechnik in der thematischen Übersicht.

Kälte, Kosten und die Grenzen der neuen Zellen

Neben dem Straßenverkehr richtet sich das Interesse auf große Stromspeicher, die Wind- und Solarstrom zwischenspeichern. Hier zählen Kosten, Sicherheit und Temperaturfestigkeit mehr als das Gewicht, weshalb Natriumzellen als besonders passend gelten. Nach Branchenangaben wurde bereits ein Liefervertrag über 60 Gigawattstunden Natrium-Speicher geschlossen. Details zur Serienfertigung und zu den Zelldaten hat der Hersteller in seinem offiziellen Nachrichtenbereich veröffentlicht.

Wo die Technik zuerst zum Einsatz kommt

Der Markteintritt über ein günstiges Elektroauto ist strategisch gewählt, denn gerade im preissensiblen Segment entscheidet der Batteriepreis über den Erfolg. Ob sich die Natrium-Technik breit durchsetzt, hängt davon ab, wie schnell die Energiedichte weiter steigt und wie stabil zugleich die Lithiumpreise bleiben. Klar ist, dass ein zweiter, unabhängiger Rohstoffpfad die Lieferketten insgesamt widerstandsfähiger macht. Einen Überblick über weitere Entwicklungen rund um das Elektroauto bietet die entsprechende Themenseite.

Spannend & Interessant
VGWortpixel