Robert Klatt
Kohle- und Gaskraftwerke sollen durch CO₂‑ärmere Alternativen ersetzt werden. Eine neue Analyse zeigt nun, dass Wind- und Solaranlagen dabei deutliche Vorteile gegenüber Atomkraftwerken haben, die über den geringeren Strompreis hinaus gehen.
Dessau-Roßlau (Deutschland). In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wird noch immer viel Strom mit fossilen Energien erzeugt. In Anbetracht der schnell zunehmenden CO₂-Konzentration, die kürzlich den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht hat, sollen diese Kraftwerke durch CO₂‑ärmere Alternativen ersetzt werden. Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat deshalb untersucht, ob Atomkraftwerke oder Wind- und Solaranlagen die wirtschaftlich bessere Alternative sind.
Die Analyse offenbart, dass die CO₂-Emissionen pro Kilowattstunde (kWh) Strom bei Atomkraftwerken und Wind- und Solaranlagen auf demselben Niveau liegen. Die Stromerzeugung mit Atomkraftwerken ist aber deutlich teurer. Die Kosten pro eingespeister kWh liegen in Europa bei 15 bis 19 Cent, während die Wind- und Solarenergie Strom für unter 10 Cent pro kWh liefern können. Den günstigsten Strom liefern laut der Studie Windkraftanlagen an Land, die nur 3,6 Cent pro kWh kosten. Eine Studie der Aalborg University (AAU), die die systembasierte Stromgestehungskostenmetrik (SLCOE) untersucht hat, kam kürzlich ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die erneuerbaren Energiequellen deutlich günstiger als Atomstrom sind.
Laut der Analyse müsste der jährliche Zubau bei Atomkraftwerken im Rahmen der Energiewende jährlich bei mindestens 30 Gigawatt (GW) Leistung liegen, also bei rund 25 bis 30 größeren Anlagen. Es wurden aber nur zehn GW Leistung pro Jahr in den letzten Jahrzehnten neu installiert, also nur ausreichend Kapazität, um alte, nicht mehr betriebene Atomkraftwerke zu kompensieren. Eine entsprechende Erhöhung des Ausbaus ist laut dem UBA nicht zeitnah möglich. Hinzukommt, dass die Bauzeit der Atomkraftwerke bei bis zu 20 Jahren liegt. Ein Großteil der benötigten Atomkraftwerke wäre also erst gegen 2050 fertiggestellt, selbst wenn heute ausreichend Kapazitäten für deren Bau existieren würden.
In Anbetracht dieser Nachteile gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Atomkraftwerke 2050 nur noch einen geringen Anteil an der globalen Stromproduktion haben werden (3 %). Wenn die Kapazitäten für den Neubau in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden, könnte der Anteil der Atomkraftwerke 2050 bei neun Prozent liegen. 1996 hatten sie noch einen Anteil von 17 Prozent an der Stromproduktion.
Quellen:
Studie des Umweltbundesamts (UBA)