Robert Klatt
Eine Kombination aus Offshore-Windkraft und Solaranlagen erreicht in einem gekoppelten Energiesystem deutlich geringere systembasierte Stromgestehungskosten als Atomkraftwerke.
Aalborg (Dänemark). In der Europäischen Union (EU) wird immer mehr Strom von Wind- und Solaranlagen produziert. Kritiker der Energiewende behaupten jedoch oft, dass diese CO₂‑neutralen Kraftwerke ineffizient sind und die Staaten stattdessen wieder mehr Atomkraftwerke bauen sollten. Forscher der Aalborg University (AAU) haben nun eine Studie publiziert, die am Beispiel von Dänemark berechnet hat, ob in einem zukünftigen klimaneutralen Energiesystem eine Kombination aus Offshore-Wind und Solarenergie oder Atomkraftwerke günstigeren Strom liefern können.
Die Wissenschaftler haben dazu die sogenannte systembasierte Stromgestehungskostenmetrik (SLCOE) entwickelt, eine neue Kennzahl, die alle entstehenden Kosten für die Integration einer Technik in das gesamte Energiesystem berücksichtigt. Zuvor hat die Forschung bei der Berechnung von Stromgestehungskosten (LCOE) lediglich die Kosten für die Erzeugung einer Einheit Strom mit einem bestimmten Kraftwerk verwendet.
„Während die LCOE eine Funktion der Technologie selbst ist, ist die SLCOE eine Funktion sowohl der Technologie als auch des Energiesystemkontexts, in dem sie eingesetzt wird.“
Die Studie hat sowohl das heutige Stromnetz Dänemarks als auch das geplante, klimaneutrale Energiesystem untersucht. Die Ergebnisse sind deshalb sehr spezifisch für Dänemark, wo die Strominfrastruktur aufgrund des hohen Windkraftanteils bereits sehr flexibel ist. Im heutigen Stromsystem liegt die SLCOE im günstigsten Szenario, bei der Kombination aus Offshore-Wind, Solarenergie und Gaskraftwerken, bei 66 Euro pro Megawattstunde (MWh), während Atomstrom 141 Euro/MWh kostet.
Im kommenden klimaneutralen Stromsystem liegen die SLCOE der Kernenergie bei etwa 100 Euro /MWh. Offshore-Windwerke (106 Euro /MWh) sind geringfügig günstiger und Solaranlagen (178 Euro /MWh) deutlich teurer. Eine Kombination aus Offshore-Windkraftwerken und Solaranlagen kann durch die Sektorkopplung aber den mit Abstand günstigsten Strom liefern (46 Euro /MWh). Die Stromgestehungskosten sind also deutlich günstiger (53 %) als bei einem Atomkraftwerk.
„Wir dokumentieren, wie entscheidend es ist, das gesamte Energiesystem in die Suche nach kostengünstigsten Lösungen einzubeziehen,“
Wie die Forscher erklären, basiert die Sektorkopplung auf einer Wasserstoffspeicherung durch Elektrolyse, der flexiblen Nutzung von Wärmepumpen, dem intelligenten Laden von Elektroautos und der thermischen Energiespeicherung, also Optionen, die in einem reinen Stromsystem nicht bestehen.
Quellen:
Studie im Fachmagazin Energy, doi: 10.1016/j.energy.2026.140880