Robert Klatt
Der Klimawandel gehört zu den größten Problemen der Menschheit. Trotzdem werden kollektive Klimaschutzaktionen, etwa Demonstrationen oder Petitionen, noch immer von vielen Personen ignoriert. Eine Umfrage mit über 31.000 Teilnehmern zeigt nun, wie untätige Menschen dazu motiviert werden können, mehr für den Klimaschutz zu tun.
New York City (U.S.A.). Der Klimawandel schreitet immer schneller voran und sorgt in vielen Regionen für offensichtliche Probleme, etwa zunehmende Dürren und Hitzewellen, die auch in Deutschland immer intensiver werden. Obwohl der Klimawandel somit zweifelsohne zu den größten Herausforderungen der Menschheit gehört, werden Klimaschutzmaßnahmen noch immer in vielen Ländern nicht ausreichend durch die Politik umgesetzt.
Forscher der New York University (NYU) haben deshalb untersucht, mit welchen Methoden Klimaaktivisten Menschen dazu motivieren können, an kollektiven Aktionen für den Klimaschutz teilzunehmen, also etwa an Demonstrationen, Petitionen oder Briefen an einzelne Politiker.
„Strukturelle Veränderungen sind wirklich notwendig, aber damit es dazu kommt, müssen die Menschen solche Veränderungen einfordern.“
Die Wissenschaftler haben dazu eine Umfrage mit mehr als 31.000 Menschen in den U.S.A. durchgeführt. Die Teilnehmer haben unterschiedliche Inhalte gesehen, die sich einer spezifischen psychologischen Intervention zuordnen lassen. Anschließend haben sie beantwortet, wie hoch ihre Bereitschaft ist, an kollektiven Aktionen zum Klimaschutz, also Maßnahmen, die über das individuelle Verhalten hinausreichen, teilzunehmen.
Die Probanden konnten dabei zwischen drei Arten von Engagement unterscheiden. Die erste Art waren Maßnahmen, die das öffentliche Bewusstsein für den Klimawandel erhöhen, etwa das Teilen entsprechender Beiträge in den sozialen Medien oder die aktive Teilnahme an einer Demonstration für mehr Klimaschutz. Die zweite Art waren Briefe an einen Politiker oder das Unterschreiben einer Petition für mehr Klimaschutz und die dritte Art war finanzielle Unterstützung, etwa durch Spenden an eine Klimaschutzorganisation oder durch den Verzicht auf Investitionen in klimaschädliche Unternehmen.
Die Antworten der Probanden zeigen, dass vor allem frühere Interventionen, durch die die Politik tatsächlich beeinflusst wurde, dazu führen, dass Menschen sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen möchten.
„Menschen engagieren sich wirklich für kollektive Aktionen, wenn ihnen vermittelt wird, dass diese wichtig sind, dass sie Wirkung zeigen und strukturelle Veränderungen bewirken, während sie gleichzeitig auch ihnen persönlich zugutekommen.“
Die Motivation der Menschen wird zudem dadurch erhöht, dass die Chance hoch ist, dass sie bei Klimaschutzaktionen neue Freunde kennenlernen oder eine positive Energie spüren können. Eine Kombination aus erfolgreichen Klimaschutzaktionen und ein starkes Gemeinschaftsgefühl führt somit dazu, dass Menschen sich öfter an Maßnahmen beteiligen, die das öffentliche Interesse am Klimawandel erhöhen (+ 30 %) und an politischen Maßnahmen (+ 14 %).
Psychologische Interventionen, deren Basis negative Emotionen wie Schuld und Furcht sind, sind hingegen deutlich weniger wirksam, ähnlich wie Interventionen, die die Vorteile von Klimaschutzmaßnahmen, etwa für die Gesundheit des Menschen, hervorheben.
„Es erscheint intuitiv, dass positive Nebeneffekte die Menschen motivieren sollten – warum sollten wir das Problem des Klimawandels nicht lösen, wenn dadurch auch Probleme im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft gelöst werden? Aber wir haben bei dieser Strategie in allen Kategorien keine Ergebnisse festgestellt.“
Die Wissenschaftler erklären, dass die Ergebnisse in Zukunft dabei helfen sollen, bisher untätige Menschen stärker zur Teilnahme an kollektiven Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass einfache, kostengünstige Botschaften dazu beitragen können, die öffentliche Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen in großem Maßstab zu mobilisieren. Damit können sie Politikern, Aktivisten und der Zivilgesellschaft als Grundlage für die Gestaltung ihrer Öffentlichkeitsarbeit dienen.“
Quellen:
Studie im Fachmagazin PNAS Nexus, doi: 10.1093/pnasnexus/pgaf400