Robert Klatt
In vielen Regionen, darunter auch Deutschland, treten durch den Klimawandel öfter Dürren auf, obwohl die jährlichen Regenmengen insgesamt zunehmen.
Reading (England). Der Klimawandel sorgt dafür, dass der globale Wasserkreislauf zunehmend instabil wird und die Niederschlagsmengen immer mehr schwanken. In manchen Regionen kommt es dadurch zu mehr Starkregen, während in anderen Regionen Hitzewellen mit langen Dürreperioden zunehmen. Forscher der University of Reading haben nun eine Studie publiziert, laut der Zentral- und Westeuropa besonders dürregefährdet sind, obwohl die dortigen Niederschlagsmengen ebenfalls zunehmen.
„Der Klimawandel erhitzt die Luft, wodurch mehr Wasser aus dem Boden und den Pflanzen verdunstet. Dadurch trocknen die Felder aus, selbst wenn mehr Regen fällt, insbesondere im Frühjahr in Europa und Nordamerika.“
Wie die Wissenschaftler erklären, haben sich Studien bisher auf die Niederschlagsmuster konzentriert, während sie vor allem die Bodenfeuchtigkeit betrachtet haben. In Regionen mit stark unterschiedlichen Jahreszeiten wie Deutschland ist dabei nicht der jährliche Durchschnitt entscheidend, sondern die Bodenfeuchtigkeit in der Wachstumsphase, in der die Landwirtschaft ihre wichtigsten Nahrungspflanzen anbaut. In den Wintermonaten muss sich die Feuchtigkeitsreserve der Böden auffüllen, damit die Pflanzen im Frühling wachsen können. Zudem muss ausreichend Regen in den Sommermonaten fallen, damit die Pflanzen die Hitze ertragen können.
In der Geowissenschaft ist es bereits seit Langem bekannt, dass die Bodenfeuchtigkeit zu Beginn der Vegetationsperiode ein entscheidender Faktor dafür ist, ob es im Sommer zu Dürren kommt. Hohe Regenmengen im Frühling reichen nicht allein aus, weil die steigenden Temperaturen auch die Verdunstung erhöhen und damit die Böden austrocknen, wenn diese in den Wintermonaten zuvor nicht ausreichend Wasser aufgenommen haben. Die dadurch entstehende Dürre hält bis in den Sommer an und schadet dem Pflanzenwachstum stark. Beispiele dafür waren schwere Dürren in Europa in den Jahren 2003, 2010 und 2018, die entstanden sind, nachdem es im Frühling oder Frühsommer nur wenig Regen gab.
Um Regionen mit einem hohen Dürrerisiko zu identifizieren, haben die Forscher Klimadaten mit einem komplexen Computermodell analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko in West- und Mitteleuropa, aber auch im westlichen Nordamerika, im Süden Afrikas und in den nördlichen Gebieten von Südamerika am höchsten ist.
„Da sich der Planet weiter erwärmt, könnten landwirtschaftliche Dürren in diesem Jahrhundert in Regionen, in denen ein Großteil der weltweiten Nahrungsmittel angebaut wird, viel häufiger auftreten. Landwirtinnen und Landwirte werden Pflanzen benötigen, die Dürren überstehen können, sowie bessere Methoden zur Wasserbewirtschaftung.“
Quellen:
Pressemitteilung der University of Reading
Studie im Fachmagazin Nature Geoscience, doi: 10.1038/s41561-025-01898-8