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Millennials befragt

Reduzierter Konsum wirkt positiv auf die Psyche

Konsumverzicht sorgt nicht nur dafür, dass die Ressourcen der Erde geschont werden, sondern erhöht laut einer Umfrage unter Studenten auch das psychologische Wohlbefinden.

Tuscon (U.S.A.). Der vor allem in Industrieländern vorherrschende übermäßige Konsum, der durch die Globalisierung der letzten Jahrzehnte ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen hat, sorgt dafür, dass der Mensch mehr natürliche Ressourcen verbraucht als die Erde nachproduzieren kann. Neben klassischen Konsumgütern wie Kleidung oder Elektronikprodukten ist dabei auch die Verschwendung von Lebensmitteln eine der treibenden Faktoren, die zur Zerstörung der Natur und zur Beschleunigung des Klimawandels beitragen.

Wissenschaftler des University of Arizona haben aus diesem Grund untersucht, wie eine Veränderung des Konsumverhalten zu mehr Nachhaltigkeit den Menschen beeinflusst. Laut Sabrina Helm, Autorin der im Fachmagazin Young Consumers publizierten Studie, „erfahren wir von Kindheit an, dass es für alle unsere Wünsche ein Produkt gibt und dass es OK ist, Dinge zu kaufen, weil das sei nun mal die Art ist, auf die unsere Wirtschaft funktioniere.“ Aufgrund der bereits frühkindlichen Prägung ist es laut der Wissenschaftlerin „extrem schwer sein Verhalten zu verändern.“

Junge Erwachsene besonders stark betroffen

Besonders sogenannte Millennials, also junge Erwachsene die häufig mit Wohlstand und guter Bildung aufgewachsen sind gelten als sehr konsumfreudig. Ihre Stellung als digital Natives und das damit verbundene Onlineshopping sorgt bei dieser Bevölkerungsgruppe im Vergleich zum Durchschnitt für noch mehr Konsum. Allein in Deutschland sorgte dies dafür, dass im Jahr 2018 insgesamt 280 Millionen Onlinebestellungen zu Retouren wurden, die 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e) erzeugt haben.

Laut Helm gibt zwei Möglichkeiten seinen Konsum umweltverträglicher zu gestalten. Dies kann entweder dadurch erfolgen, dass anstatt billiger und oft kurzlebiger Massenware auf nachhaltig produzierte Artikel zurückgegriffen wird oder dadurch, dass Konsumverzicht erfolgt, bei dem weniger unnötige Artikel erworben werden und defekte Produkte anstatt sie zu ersetzen repariert werden. Zur Analyse des Konsumverhaltens befragten die Wissenschaftler anschließend 1.000 Collegestudenten im Alter von 18 bis 26. Der Fragenkatalog umfasste auch Punkte zur Selbsteinschätzung der Probanden, darüber wie materialistisch sie sich einschätzen sowie zu ihrem psychologischen Wohlbefinden.

Konsumverzicht erhöht Zufriedenheit

Laut den Ergebnissen der Befragung können sich auch viele materialistisch eingestellte Millennials vorstellen vermehrt nachhaltige Produkte zu erwerben, ein Konsumverzicht scheidet hingegen für diese Gruppe fast vollständig aus. Laut Helm liegt dies daran, dass „wenn man umweltfreundlichere Produkte kauft trotzdem noch seine materialistischen Wünsche ausleben kann.“ Ein vermehrtes Angebot nachhaltiger Produkte könnte laut den Wissenschaftlern dafür sorgen, dass auch konsumorientierte Menschen weniger Ressourcen verbrauchen als aktuell.

Eine Steigerung des psychologischen Wohlbefindens konnten die Wissenschaftler entgegen ihrer Erwartungen hingegen ausschließlich beim Konsumverzicht und nicht beim Wechsel auf nachhaltige Produkte erkennen. Laut Helm „erhöht der reduzierte Konsum das Wohlbefinden und senkt die psychische Belastung.“ Als Ursache dafür sehen die Wissenschaftler den geringeren Aufwand für „den Erhalt, die Organisation und den Schutz des Besitzes.“ Helm konstatiert, dass „Eigentum eine Menge an Belastungen erzeugt, die wenn sie wegfallen, dafür sorgen, dass Menschen sich freier und besser fühlen.“ Der Verzicht auf nutzlose Produkte ist also nicht nur Umweltschutzgründen sinnvoll, sondern sorgt auch beim Konsumenten ein erhöhtes inneres Wohlbefinden.

Young Consumers, doi: 10.1108/YC-10-2018-0867

1 Kommentar

Christine Müller
Guter Artikel! Er zeigt auf Basis einer Befragung von 1000 Millennials zw. 18 - 26 Jahren das weniger Konsum entlastet. Kurz: je weniger du hast, umso geringer der Stress für den Erwerb und für die Absicherung zum Erhalt des "Eigentum". Verzicht macht frei, nicht arm!
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