Robert Klatt
Männer mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 sind seltener konservativ als normalintelligente Männer. Extreme politische Positionen sind bei hochbegabten und normalbegabten Personen ähnlich oft vertreten.
Saarbrücken (Deutschland). Die Wissenschaft untersucht seit Langem, ob bestimmte Eigenschaften des Menschen seine politische Einstellung beeinflussen. Forscher der Brown University haben etwa kürzlich eine Studie publiziert, laut der sich die Denkmuster von radikalen Linken und radikalen Rechten deutlich von Menschen aus der politischen Mitte unterscheiden. Nun haben Wissenschaftler der Universität des Saarlandes eine Studie veröffentlicht, die untersucht hat, ob hochbegabte Menschen politisch zu einer bestimmten Position tendieren.
Die Studie basiert auf Daten des Marburger Hochbegabtenprojekts, für das rund 7.000 Grundschulkinder aus Westdeutschland im Schuljahr 1987/1988 Intelligenztests absolviert haben. 150 der Probanden haben dabei einen Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 erreicht und gelten somit als hochbegabt. 107 dieser Personen mit besonders hoher Intelligenz wurden in den Folgejahren zu unterschiedlichen Themen befragt. Als Kontrollgruppe dienten durchschnittlich intelligente Personen mit einem IQ von etwa 100.
„Da Hochbegabte häufig einflussreiche Positionen innehaben, ist es von Interesse zu verstehen, welchen Blick diese auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben.“
Die Forscher der Universität des Saarlandes haben die beiden Gruppen kürzlich nach ihren politischen Ansichten befragt. Es haben 87 hochbegabte und 71 durchschnittlich begabte Probanden geantwortet, also etwa drei Viertel der ursprünglichen Stichprobe.
„Nun, mehr als 35 Jahre später, konnten wir diesen Personengruppen Fragen zu ihren politischen Ansichten stellen.“
Diese haben sich auf einer Skala von politisch links bis rechts eingeordnet und einen Fragebogen zur politischen Orientierung beantwortet. Die Fragen, zu denen die Teilnehmer ihre Zustimmung oder Ablehnung geäußert haben, waren unter anderem „Vor allem unsere gemeinsame Kultur hält unser Land zusammen“ und „Man führt vor allem ein erfülltes Leben, wenn man sich unseren Traditionen verpflichtet, fühlt“.
Die umfassenden Fragen zeigen, dass hochbegabte Männer deutlich seltener konservative politische Ansichten besitzen als durchschnittlich intelligente Männer. Bei Frauen wurde dieser Zusammenhang nicht festgestellt.
„Hier zeigte sich, dass die Gruppe der durchschnittlich begabten Männer dazu neigte, Werte zu befürworten, die mit Tradition und strenger sozialer Ordnung verbunden sind. Die Männer mit hohem Intelligenzquotienten vertraten diese traditionellen konservativen Ansichten seltener.“
Bei der Selbsteinschätzung der politischen Position auf der Skala von eins (sehr links) bis zehn (sehr rechts) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den hochbegabten und den normalbegabten Personen und den Geschlechtern. Im Mittel landeten die Teilnehmer bei Werten zwischen vier und fünf. Die Studie zeigt somit, dass eine herausragende Intelligenz nicht dazu führt, dass Menschen öfter eine radikale Position einnehmen, sondern dass solche Personen meistens ebenfalls zur politischen Mitte gehören.
„Hier gibt es aber noch weiteren Forschungsbedarf, etwa zu der Frage, ob sich die konservativeren Einstellungen auch im politischen Handeln niederschlagen.“
Quellen:
Studie im Fachmagazin Intelligence, doi: 10.1016/j.intell.2025.101986