Robert Klatt
In Deutschland befürwortet die Mehrheit der Bevölkerung trotz der höheren Energiepreise die CO₂-Steuer. Die meisten Befragten sind der Meinung, dass die Einnahmen für die Entlastung einkommensschwacher Haushalte verwendet werden sollten.
Bochum (Deutschland). Eine Studie der Universität Heidelberg hat kürzlich gezeigt, dass klimapolitische Maßnahmen jährlich so viel CO₂-Emissionen einsparen, wie alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) gemeinsam ausstoßen. Besonders wirksam sind demnach ökonomische Maßnahmen wie die CO₂-Steuer, durch die unter anderem fossile Brennstoffe wie Benzin, Gas und Kohle deutlich teurer werden. Forscher der Hochschule Bochum haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie dieses klimapolitische Instrument von der Bevölkerung in Deutschland akzeptiert wird.
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Umfrage aus dem Zeitraum von 2019 bis 2022, also einem Abschnitt, in dem die nationale CO₂-Steuer im Wärme- und Verkehrssektor eingeführt und erhöht wurde. Die Teilnehmer wurden in diesem Zeitraum dreimal zu ihrer Einstellung zu CO₂-Bepreisung befragt und dazu, wie der Staat die daraus resultierenden Einnahmen ihrer Ansicht nach nutzen sollte.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Unterstützung für die CO₂-Bepreisung deutlich stabiler ist, als häufig angenommen wird – sie bricht auch unter stark gestiegenen Energiepreisen nicht ein.“
In den drei Befragungszeiträumen hat ein Großteil der Teilnehmer niedrige CO₂-Preise von maximal 30 Euro pro Tonne befürwortet (60 %). Die Zustimmung bei höheren CO₂-Preisen von 50 Euro und 100 Euro pro Tonne war ebenfalls hoch (40 %). Im Untersuchungszeitraum hat die Akzeptanz der CO₂-Steuer trotz der deutlich höheren Energiekosten, die nicht nur auf den CO₂‑Preis zurückgehen, sondern auch durch den Ukrainekrieg gestiegen sind, kaum verändert.
Im Studienzeitraum haben nur bei wenigen Teilnehmern ihre Zustimmung zur CO₂-Steuer geändert, weil sich ihre Ansicht zum Klimawandel oder ihre politische Position geändert hat. In Haushalten mit sehr hohen Energiekosten, die durch die CO₂-Steuer eine reale Mehrbelastung empfinden, ist die Akzeptanz aber signifikant gesunken.
Die Befragten gaben im gesamten Untersuchungszeitraum an, dass die Mehreinnahmen durch die CO₂-Steuer in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden sollten. Der soziale Ausgleich, etwa durch eine gezielte Entlastung für einkommensschwache Haushalte, wurde im Verlauf aber immer wichtiger. Besonders Haushalte mit hohen Energiekosten sind der Ansicht, dass Deutschland weniger in Klimaschutzmaßnahmen investieren und die Einnahmen stattdessen als direkte Entlastungen wieder an die Bevölkerung ausschütten sollte.
Die Ergebnisse zeigen laut den Autoren, dass die Akzeptanz der CO₂-Bepreisung grundsätzlich stabil ist, aber nicht automatisch zunimmt. Damit der Akzeptant nicht sinkt, ist es demnach entscheidend, die Einnahmen so zu verwenden, dass dies von der Bevölkerung als fair und sozial ausgleichend angesehen wird.
„Es ist aus politischer Sicht entscheidend, Unterstützung für eine umweltpolitische Maßnahme bereits vor ihrer Umsetzung zu erzeugen, da diese Unterstützung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch danach bestehen bleibt.“
Quellen:
Pressemitteilung der Hochschule Bochum
Studie im Fachmagazin Ecological Economics, doi: 10.1016/j.ecolecon.2026.108970