Robert Klatt
In Deutschland ist ein pauschales Tempolimit auf Autobahnen, aber auch in Innenstädten, seit Langem in der Diskussion. Nun wurde eine Studie veröffentlicht, laut der ein Tempolimit von 30 km/h in Städten zu deutlich weniger Unfällen führt, die Fahrzeiten aber nur minimal erhöht.
Winnenden (Deutschland). In Deutschland wird ein pauschales Tempolimit auf Autobahnen seit Langem diskutiert, unter anderem, weil dieses laut Studien die Verkehrstoten deutlich senken würde und die CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs reduzieren kann. Laut einer kürzlichen Umfrage der TARGOBANK ist inzwischen auch die Mehrheit der Autofahrer für eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung, die laut ihnen bei 133 km/h liegen soll.
Forscher der Björn-Steiger-Stiftung haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie sich ein pauschales Tempolimit von 30 km/h in Städten auf den Verkehrsfluss und die Unfallhäufigkeit auswirken würde. Die Studie basiert auf Daten von 14 Städten, in deren Innenstädten es bereits ein entsprechendes Tempolimit gibt, darunter Berlin, Belfast, Graz, Helsinki, London und Toronto. Die Daten zeigen, dass es bei einer Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h zu deutlich weniger Unfällen kommt und Fahrten mit dem Auto trotzdem nur minimal länger dauern. Die Wissenschaftler kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung Innenstädte in Deutschland deutlich sicherer, lebenswerter und gesünder machen würde.
„Insgesamt erweist sich die Einführung von Tempo 30 als wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung. Sie verbessert die Verkehrssicherheit, reduziert Emissionen und Lärmbelastung und steigert gleichzeitig die Lebensqualität.“
Das Umweltbundesamt (UBA) hat 2023 bereits eine ähnliche Studie publiziert, laut der ein pauschales Tempolimit in Städten die Verkehrssicherheit erhöht und die Lärmbelästigung, die das das Risiko für Angststörungen und Depressionen erhöhen kann, reduziert.
Laut den Wissenschaftlern hat ein pauschales Tempolimit von 30 km/h einen positiven Einfluss auf die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern. Die Wahrscheinlichkeit für die tödliche Verletzung liegt bei einer Kollision zwischen einem Auto und einem Fußgänger bei 50 km/h / (37 %) deutlich höher als bei 24 km/h (3,5 %).
In Graz, wo bereits 1992 auf einem Großteil der Straßen (80 %) eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h eingeführt wurde, ist die Zahl der Verkehrsunfälle merklich gesunken (- 12 %). Ähnliche Effekte wurden auch in Bologna (- 13 %) und in Edinburgh (- 43 %) dokumentiert, nachdem die Städte entsprechende Tempolimits eingeführt hatten.
Die Studie hat zudem untersucht, wie stark eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h die Fahrzeiten innerhalb der Städte beeinflusst. Laut GPS-Daten aus unterschiedlichen Städten nehmen diese im Stadtzentrum (+ 5 %) und in Wohngebieten (+ 3 %) nur minimal zu. Bei einer acht Kilometer langen Strecke entspricht dies weniger als einer Minute.