Robert Klatt
In Deutschland kommt es durch Flüchtlinge zu zusätzlichen Unternehmensgründungen, durch die sowohl in den neuen Unternehmen als auch in bereits bestehenden Unternehmen Arbeitsplätze entstehen.
München (Deutschland). In Deutschland werden Flüchtlinge oft kritisch gesehen, weil sie nur schlecht in den Arbeitsmarkt integriert sein sollen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat dies bereits widerlegt und gezeigt, dass ein Großteil der Flüchtlinge nach wenigen Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgeht und daher Steuern und Sozialabgaben entrichtet. Laut einer Berechnung des Wirtschaftsprofessors Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entlastet die Migration den deutschen Sozialstaat sogar.
Wissenschaftler des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung) haben nun eine Studie publiziert, laut der durch Flüchtlinge die Anzahl der Gewerbeanmeldungen steigt und in den neuen Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Die meisten der Unternehmen werden jedoch nicht durch Flüchtlinge oder andere Migranten gegründet, sondern hauptsächlich von Deutschen. Die neuen Unternehmen werden vor allem in den Bereichen Verkehr, Gesundheit, Finanzen und verarbeitendes Gewerbe gegründet.
„Durch den Zuzug von Geflüchteten entsteht vielerorts Bedarf für neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel im Bereich Gesundheit oder Finanzdienstleistungen.“
Die Studienautoren erklären, dass die Neugründungen zumindest teilweise durch steuerfinanzierte Transferleistungen ausgelöst werden. Den genauen Umfang hat die Studie aber nicht untersucht.
Laut der Studie, die auf einer Sonderauswertung der Gewerbeanzeigenstatistik auf Kreisebene aus dem Zeitraum 2007 bis 2021 und der Anzahl der Flüchtlinge auf Landkreisebene aus den Daten des Ausländerzentralregisters basiert, kommt es durch einen Anstieg von Flüchtlingen pro 10.000 Einwohner im Mittel zu sieben zusätzlichen Unternehmensgründungen, durch die 27 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Dies entspricht einer Zunahme der Unternehmensgründungen um 7,9 Prozent. Zudem entstehen durch die neuen Gewerbeanmeldungen bei einem Zuzug von 100 Flüchtlingen pro 10.000 Einwohner 82 zusätzliche Arbeitsstellen in bereits bestehenden Unternehmen, von denen die meisten Vollzeitstellen sind.
Quellen:
Pressemitteilung des ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung)