24.000 Arbeitsplätze gefährdet

Coronavirus trifft Messe- und Eventbranche besonders stark

von Robert Klatt

In Deutschland wurden aufgrund des Coronavirus bereits 162 Messen und Großveranstaltungen abgesagt. Dem Staat entgehen dadurch Steuereinnahmen von mindestens 470 Millionen Euro und in der Messe- und Eventbranche sind 24.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Sollte das Virus sich weiter ausbreiten, könnte dies das Ende der für viele Unternehmen bedeuten.

Frankfurt am Main (Deutschland). Laut dem Center for Systems Science and Engineering (CSSE) der Universität in Baltimore gibt in inzwischen fast 137.000 (Stand 13.02. 2020) nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Menschen. Während die Neuinfektionen in China bereits zurückgehen, gibt es in Italien, Deutschland und anderen Ländern der Europäischen Union (EU) derzeit noch eine exponentielle Verbreitung der Viruskrankheit. Neben den bereits mehr als 5.000 Todesfällen und den zahllosen Menschen mit bleibenden Gesundheitsschäden, hat das Virus auch verheerende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die durch die Globalisierung so eng verknüpft ist, wie noch nie zuvor.

Besonders stark betroffen ist laut dem Fachmagazin m+a Internationale Messemedien vom Coronavirus die Messe- und Eventbranche, die um die weitere Verbreitung der Krankheit einzudämmen bereits 773 Messen und Ausstellungen (Stand 13. März 2020) absagen musste. Ein Großteil dieser Absagen entfällt dabei auf Asien (322) sowie Europa (438) und dort speziell auf Deutschland (162).

Messe- und Eventbranche in Deutschland volkswirtschaftlich bedeutend

Laut einer Studie des ifo Institut leiden bereits 56,2 Prozent aller Unternehmen in Deutschland unter den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat außerdem ermittelt, dass Messen und andere Großevents volkswirtschaftliche Effekte von 28 Milliarden Euro in der Bundesrepublik generieren. Eine ähnliche hohe Wichtigkeit bestätigt auch der Branchenverband Auma, laut dem die Branche für 4,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen pro Jahr sorgt und 231.000 Arbeitsplätze bietet.

Der bisherige Schaden durch den Coronavirus liegt laut Auma bereits bei etwa drei Milliarden Euro. Aufgrund der komplexen Wertschöpfungskette sind von den Folgen des Coronavirus nicht nur Betreiber von Messe- und Veranstaltungshallen, die Standbauer, die Gastronomie und Hotellerie sowie die Logistikbranche betroffen, sondern auch Unternehmen, die gebrauchte Veranstaltungstechnik vermieten und verkaufen und zu deren Hauptkunden Unternehmen gehörten, die Ausstattung für ihren Messeauftritt brauchten.

24.000 Arbeitsplätze durch den Coronavirus in Gefahr

Der reale Schaden liegt laut dem Branchenverband Auma allerdings noch wesentlich höher, weil Umsätze, die den Unternehmen nun aufgrund den nicht stattfindenden Messen entgehen dort noch nicht miteinbezogen sind. Die Situation für die Messe- und Veranstaltungsbranche ist deshalb laut dem Auma-Vorsitzenden Philip Harting besorgniserregend, weil Veranstalter, Aussteller, Besucher und Dienstleister jede Planungssicherheit verlieren, hohe Vorlaufkosten ohne jeden Nutzen hatten und unter hohen akuten Umsatzeinbußen leiden. Schätzungen des Verbands gehen deshalb davon aus, dass bereits die derzeitigen Folgen des Coronavirus 24.000 Arbeitsplätze gefährden.

Staatliche Hilfe für Messe- und Veranstaltungsbranche

Das Research Institute for Exhibition and Live-Communication (RIFEL) hat ermittelt, dass kleine und mittelständische Unternehmen, die einen Großteil des Messebaus in Deutschland betreiben, bereits jetzt einen Schaden von 426 Millionen Euro erlitten haben. Insgesamt beschäftigen diese etwa 5.000 Unternehmen 150.000 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze laut Philip Harting ohne staatliche Hilfe zu großen Teilen wegfallen könnten.

Derzeit können laut Jörn Huber, Vorsitzender des FAMAB Kommunikationsverband e. V., der den Schaden für die  Deutsche Messebaubranche auf 870 Millionen Euro schätzt, viele Unternehmen die entgangenen Aufträge durch Kurzarbeit oder Zwangsurlaub kompensieren. Huber betont jedoch, dass „ein längeres Anhalten der Situation weite Teile der Branche vor existenzielle Herausforderungen stellen wird.“ Neben den entgangenen Einnahmen machen den Messebauern und ihren Zulieferern auch die hohen Investitionen für Vorarbeiten zu schaffen.

Uta Goretzky, Direktorin des europäischen Branchenverbandes Ifes befürchtet, dass die Dienstleister auf den Kosten sitzen bleiben oder ihre Bezahlung durch um Monate verschobene Messen erst deutlich später erhalten. Sie warnt davor, dass „nicht jeder Betrieb so lange auf sein Geld warten kann.“ In Folge des Coronavirus wird die Messebranche laut Goretzky daher „ein völlig neues Gesicht bekommen.“ Verhindern können laut ihr die Insolvenz vieler Unternehmen und den Wegfall von Arbeitsplätzen nur zeitnahe staatliche Hilfen, die zwar nicht die entgangenen Gewinne kompensieren, können aber zumindest den größten Schaden abwenden.

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