Scheck-System

CO2-Steuer könnte einkommensschwache Haushalte entlasten

Robert Klatt

Eine alternative Verwendung der CO2-Steuer könnte dazu führen, dass Haushalte mit geringen Einkommen finanziell profitieren. Wohlhabende würden hingegen stärker belastet werden als aktuell.

Laxenburg (Österreich). In den meisten Ländern fließen die Zusatzeinnahmen durch die CO2-Steuer in den allgemeinen Staatshaushalt. Sie können die CO2-Emissionen zwar langfristig reduzieren und damit den Klimawandel verlangsamen, belasten aber Haushalte mit geringen Einkommen stark.

„Im derzeitigen System werden die unteren Einkommensschichten proportional mehr besteuert, weil sie einen größeren Teil ihres Einkommens für klimarelevante Aktivitäten ausgeben. Das führt zu einer verstärkten Ungleichverteilung der Einkommen bzw. eben auch der Vermögen in der Zukunft“, erklärt Fabian Wagner.

Gleichmäßige Verteilung der Einnahmen

Wissenschaftler des Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) haben deshalb untersucht, ob alternative Möglichkeiten existieren, die einkommensschwache Haushalte entlasten. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Nature Climate Change haben sie dabei einen simplen Lösungsansatz gefunden, bei dem die Einnahmen durch die CO2-Steuer nicht in staatliche Projekte investiert werden, sondern am Ende des Jahres auf alle Menschen gleichmäßig verteilt werden.

„Die Idee dabei ist, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft unabhängig vom Einkommen einen Scheck zugeschickt bekommt. Und zwar bekommt jeder den gleichen Betrag“, erklärt Wagner. Geringverdiener, die durch ihren Lebensstil relativ wenig CO2 emittieren, würden dadurch am Ende mehr Geld erhalten als sie an CO2-Steuer gezahlt haben.

Wohlhabende Haushalte stärker belasten

Wohlhabende und reiche Haushalte, die einen Großteil der klimaschädlichen CO2-Emissionen verursachen, würden hingegen deutlich weniger Geld erhalten, als sie an CO2-Steuer zuvor gezahlt haben. „Umgekehrt, wenn man relativ wohlhabend ist und relativ viel emittiert, würde der Scheck die Kosten eben nicht decken. Netto würde man als jemand mit einem höheren Einkommen und mit einem höheren Verbrauch dann eben auch mehr bezahlen“, so Wagner.

Laut der Modellrechnung würde dieses System dazu führen, dass die Treibhausgasemissionen signifikant sinken, weil sich mehr Menschen klimafreundlicher verhalten. Überdies könnten Haushalte mit geringen Einkommen davon sogar finanziell profitieren.

Wirtschaftliche Situation des Landes irrelevant

Der positive Zusammenhang von Klimaschutz und Umverteilung des Reichtums existiert laut den Autoren unabhängig von den wirtschaftlichen Voraussetzungen in allen Ländern. Überprüft würde dies mit Modellen von den U.S.A., China und Indien. „Ich versprechen mir sehr viel davon. Es ist alles sehr einfach, transparent, für jeden einsehbar und für jeden eben auch fühlbar. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Faktor in unserer Welt, die komplex ist“, erklärt Wagner.

Gestoppt werden kann die Erwärmung der Erde aber nur, wenn der CO2-Preis ausreichend hoch ist. Eine Begrenzung der Klimaerwärmung bei unter zwei Grad Celsius benötigt laut den Wissenschaftlern einen CO2-Preis von mindestens 100 Euro pro Tonne. „Es ist auch völlig klar, dass sich dieser Wert über die Zeit steigern wird. Das hängt unter anderem mit dem Wirtschaftswachstum wie auch mit der Inflation zusammen“, so Wagner.

Überdies ist es entscheidend, dass nicht nur im Industrie- und Verkehrssektor, sondern in allen Lebensbereichen die Emissionen des Treibhausgases reduziert werden. „Wir müssen CO2 grundsätzlich über die ganze Wirtschaft hinweg und unser ganzes Leben hinweg besteuern. Und das passiert eigentlich am einfachsten, wenn man sozusagen die fossilen Energieträger ganz am Anfang in der Prozesskette, also wenn sie aus der Erde kommen oder wenn man sie importiert, besteuert“, konstatiert der Wissenschaftler.

Nature Climate Change, doi: 10.1038/s41558-021-01217-0

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