Gießkannenprinzip

Ausbau von E-Ladesäulen in Deutschland ineffizient

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Der Ausbau von E-Ladesäulen ist in Deutschland sehr ineffizient 
  • In ländlichen Regionen gibt es zu viele Lädesäulen, in den Städten zu wenige Ladesäulen
  • Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist ein Kaufhindernis für Elektroautos und gefährdet die Klimaziele des Verkehrssektor 

Der Ausbau von E-Ladesäulen verläuft in Deutschland nachdem „Gießkannenprinzip“. Dies gefährdet die Klimaziele des Verkehrssektors.

Frankfurt am Main (Deutschland). Laut dem aktuellen Energiewendebarometer der staatlichen Förderbank KfW verläuft der Ausbau von E-Ladesäulen in Deutschland aktuell sehr ineffizient. Die Autoren bezeichnen die Planung als „Gießkannenprinzip“, bei dem die Ladesäulen im Bundesgebiet „tendenziell gleichmäßig“ verteilt werden. In Gebieten mit einer sehr geringen Bevölkerungsdichte werden demnach etwa genauso viele Ladesäulen installiert wie in Ballungsgebieten und Großstädten. Die Analysten der Förderbank KfW fordern deshalb, dass der weitere Ausbau auf Ballungsräume konzentriert wird.

Der aktuelle Ausbau sorgt laut dem Energiewendebarometer für ein Überangebot im ländlichen Raum, das dafür sorgt, dass viele Ladesäulen nicht kostendeckend arbeiten. Neben der geringen Bevölkerungsdichte entsteht dieses Problem auch dadurch, dass auf dem Land viele Menschen ein Eigenheim mit eigener Lademöglichkeit besitzen. In den Ballungsgebieten verfügen hingegen nur wenigen Menschen über einen eigenen Parkplatz oder eine Garage mit Ladeoption. Trotzdem werden im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte in vielen Großstädten nur wenige Ladesäulen ausgebaut. Dies führt laut der Studie dazu, dass das Angebot an Ladesäulen nicht mehr ausreichend mit der steigenden Anzahl an Elektroautos mithalten kann.

Ladesäulen in Großstädten reichen nicht

In den letzten zwei Jahren ist demnach die Anzahl der Elektroautos dreimal stärker gewachsen als die Anzahl der Ladesäulen. Auf eine öffentliche Ladesäule kommen inzwischen 23 Elektroautos. Vor zwei Jahren lag das Verhältnis noch bei acht Elektroautos pro öffentlichen Ladepunkt. Die Zielgröße der Europäischen Union (EU) liegt bei einem öffentlichen Ladepunkt für zehn Elektroautos.

„Setzt sich dieser Trend fort, könnte dies für die Praxistauglichkeit der Elektromobilität zum Problem werden“, erklärt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Stärkere Anreize zum Umstieg auf ein Auto mit elektrischem Antrieb sind demnach nur gegeben, wenn auch die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut wird. Sollte dies nicht im ausreichenden Umfang erfolgen, können die Klimaziele im Verkehrssektor sehr wahrscheinlich nicht erreicht werden.

Ladeinfrastruktur als Kaufhindernis

Mehr als die Hälfte der 4.000 befragten Haushalte gab an, sich aktuell den Kauf eines Elektroautos aufgrund der laut ihnen zu schlechten Ladeinfrastruktur nicht vorstellen zu können. In den kreisfreien Großstädten ist der Anteil (56 %) sogar noch größer.

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