Robert Klatt
Vegetarier und Veganer haben ein höheres Risiko für Speiseröhrenkrebs als Menschen, deren Ernährung auch Fleisch enthält. Veganer erkranken zudem öfter an Darmkrebs. Dafür haben Menschen, die auf Fleisch verzichten, ein geringeres Risiko für viele andere Krebsarten.
Oxford (England). Es ist bekannt, dass neben der Genetik auch Lebensstil- und Umweltfaktoren das Krebsrisiko des Menschen deutlich beeinflussen können. Eine Studie der Harvard Medical School (HMS) zeigt etwa, dass nicht nur der Körperfettanteil, sondern auch die Art des konsumierten Fetts entscheidend ist und Fette aus tierischen Quellen Menschen anfälliger für Krebs machen. Forscher der University of Oxford haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie sich die Ernährung auf das Risiko für 17 Krebsarten auswirkt.
Zu den untersuchten Krebsarten zählen Leukämie, das multiple Myelom (eine Krebserkrankung des Knochenmarks) sowie das Non-Hodgkin-Lymphom. Darüber hinaus gehören dazu Tumoren der Lunge, der Harnblase, der Niere und der Prostata. Ebenfalls aufgeführt sind Krebserkrankungen der Eierstöcke, des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) und der Brust. Hinzu kommen Tumoren der Bauchspeicheldrüse, der Leber, des Darms und des Magens sowie Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens. Außerdem werden das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom der Speiseröhre genannt, deren Bezeichnungen auf die jeweiligen Zelltypen verweisen, aus denen sich der Tumor entwickelt.
„Es gibt etwa 3 Millionen Vegetarier im Vereinigten Königreich, und das Interesse am Vegetarismus wächst in vielen Teilen der Welt. Krebs ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen und verursacht nahezu jeden sechsten Todesfall. Ernährungsweisen, die Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Lebensmittel in den Mittelpunkt stellen und verarbeitetes Fleisch vermeiden, werden empfohlen, um das Krebsrisiko zu senken. Unsere Studie hilft dabei, mehr Klarheit über die Vorteile und Risiken vegetarischer Ernährungsweisen zu schaffen.“
Die Studie basiert auf Daten von rund 1,8 Millionen Menschen, darunter 1,64 Millionen Menschen, die alle Fleischsorten essen, 57.016 Menschen, die nur Geflügel, aber kein rotes Fleisch essen, 42.910 Pescetarier, also Menschen, die nur Fisch, aber kein Fleisch essen, 63.147 Vegetarier und 8849 Veganer. Die Probanden wurden im Rahmen unterschiedlicher Ernährungs- und Gesundheitsstudien im Mittel für einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet. Im Beobachtungszeitraum sind 220.387 Probanden an Krebs erkrankt. Am häufigsten waren dies Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs.
Laut den analysierten Daten haben Vegetarier ein geringeres Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nierenkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs und multiples Myelom, aber ein leicht erhöhtes Risiko für Darmkrebs und ein deutlich erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs (Hazard Ratio 1,93). Dies trifft auch auf Veganer zu. Bei ihnen ist jedoch das Risiko für Darmkrebs deutlich höher (Hazard Ratio 1,4) als bei Menschen, deren Ernährung neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Fleisch enthält.
Die Forscher gehen davon aus, dass Vegetarier und Veganer ein höheres Risiko haben könnten, Speiseröhrenkrebs zu bekommen, weil ihre Ernährung kaum bzw. gar keine tierischen Proteine enthält und ihnen dadurch bestimmte Nährstoffe fehlen könnten. Die Medizin hat kürzlich entdeckt, dass vor allem das fehlende Riboflavin und Zink, die beide vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommen, für das höhere Krebsrisiko verantwortlich sein könnten.
„Vegetarier konsumieren typischerweise mehr Obst, Gemüse und Ballaststoffe als Fleischesser und kein verarbeitetes Fleisch, was zu einem geringeren Risiko für einige Krebsarten beitragen kann. Das höhere Risiko für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre bei Vegetariern und für Darmkrebs bei Veganern könnte mit einer geringeren Aufnahme bestimmter Nährstoffe zusammenhängen, die in tierischen Lebensmitteln häufiger vorkommen. Weitere Forschung ist erforderlich, um zu verstehen, was die in unserer Studie festgestellten Unterschiede im Krebsrisiko verursacht.
Menschen, die nur Geflügel, aber kein rotes Fleisch essen, haben ein leicht geringes Risiko für Darmkrebs als Personen, die alle Fleischsorten konsumieren (Hazard Ratio 0,93). Personen, die kein Fleisch, aber Fisch, essen, haben ein noch geringeres Darmkrebsrisiko (Hazard Ratio 0,85).
Quellen:
Pressemitteilung der University of Oxford
Studie im Fachmagazin British Journal of Cancer, doi: 10.1038/s41416-025-03327-4