Alterungsprozess

mRNA-Therapie könnte das Immunsystem des Menschen verjüngen

 Robert Klatt

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Das Immunsystem des Menschen verliert durch Alterungsprozesse zunehmend seine Leistungsfähigkeit. Eine neue mRNA-Therapie, die bereits an Mäusen erprobt wurde, soll in Zukunft die Immunzellen verjüngen. Senioren würden dadurch seltener erkranken und Impfungen sowie Krebstherapien wären bei ihnen wirksamer.

Heidelberg (Deutschland). T-Zellen (T-Lymphozyten) sind weiße Blutkörperchen und ein zentraler Bestandteil des Immunsystems des Menschen. Im zunehmenden Alter produziert der Körper immer weniger T-Zellen und die vorhandenen T-Zellen verlieren zunehmend ihre Leistungsfähigkeit. Senioren erkranken deshalb öfter an typischen Alterskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Problemen und chronischen Entzündungen. Außerdem wirken bei ihnen Krebstherapien, durch die das Immunsystem Tumore besser bekämpfen kann, sowie viele Impfstoffe deutlich schlechter als bei jungen Erwachsenen.

Die T-Lymphozyten des Menschen entstehen im Thymus, einer kleinen Drüse, in der sie auch lernen, Bakterien und Viren zu erkennen und diese von gesunden Körperzellen zu unterscheiden. Alterungsprozesse sorgen jedoch dafür, dass der Thymus schrumpft und immer mehr durch Fettgewebe ersetzt wird. Um die Leistungsfähigkeit des Immunsystems aufrechtzuerhalten, hat die Medizin versucht, diesen Prozess mit Medikamenten und Hormonen zu stoppen, aber bislang ohne Erfolg.

T-Zellen der Leber

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun eine Studie publiziert, in deren Rahmen sie nicht den Thymus direkt angesprochen haben, sondern mit einer mRNA-Therapie die T-Zellen in der Leber verändert haben.

„Die meisten T-Zellen befinden sich im Blut. Und durch die Leber strömt das gesamte Blut des Körpers.“

Die Forscher haben zunächst analysiert, wie sich die Immunzellen während der Alterung verändern. Dazu haben sie unter anderem Unterschiede in den Signalwegen und der Genaktivität von der Geburt bis ins hohe Alter bestimmt. Anschließend haben sie drei Schlüsselrollen identifiziert, die entscheidend für das Altern der T-Zellen sind.

mRNA-Therapie gegen Alterung der T-Zellen

Um den Alterungsprozess der T-Zellen zu stoppen, hat das Team um Mirco Friedrich mRNA, die die drei Proteine codiert, in winzige Fettbläschen verpackt. Diese Fettpartikel, die sich vor allem in der Leber sammeln, haben sie Mäusen im Alter von 16 Monaten zweimal wöchentlich injiziert. Das Alter entspricht bei Menschen etwa 50 Jahren.

Die Tiere haben kurz nach der mRNA-Therapie deutlich mehr T-Zellen gebildet als gleichalte, nicht behandelte Mäuse. Bei ihnen wirkten zudem Impfungen sowie Therapien gegen Krebs stärker. Wenn die mRNA-Therapie beendet wurde, hat die Wirkung jedoch wieder schnell nachgelassen.

Einsatz bei älteren Menschen

Laut den Wissenschaftlern sind noch weitere Versuche nötig, bevor klinische Studien stattfinden können. Es muss noch untersucht werden, ob die drei Proteine beim Menschen identische Aufgaben besitzen oder die mRNA mit anderen Proteinen codiert werden muss. Die bisher erzielten Ergebnisse sind jedoch vielversprechend und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Immunsystem des Menschen in Zukunft mit regelmäßigen mRNA-Injektionen verjüngt werden kann.

„Es ist denkbar, die Biologie der T-Zellen so zu verändern, dass sich die Gesundheit im Alter deutlich verbessert.“

Quellen:

Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)

Studie im Fachmagazin Nature, doi: 10.1038/s41586-025-09873-4

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