Bei optimalem Leben

Menschen könnten bis zu 150 Jahre alt werden

Robert Klatt

Die Vor- und Nachteile von Unsterblichkeit sind seit Ewigkeiten ein beliebtes Thema in Philosophie und Literatur. Und in den letzten Jahrzehnten hat auch das ein oder andere Start-up mit ewigem Leben oder Verjüngungskuren geworben. Aber auch für die traditionelle Wissenschaft bleibt das Thema interessant, da längst noch nicht alle Limits des menschlichen Körpers erkundet worden. Nun gibt eine neue Studie einen Ausblick darauf, wie lange ein Mensch durch moderne Technik leben könnten. Und was die Grenzen sind.

Singapur (Singapur). Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Atemwegerkrankungen sind jedes Jahr die häufigsten Todesursachen weltweit. Ausgelöst werden sie meistens durch andere Krankheiten, aber auch Stress, schlechte Lebensweise oder Vererbungen. Manche leben ein sehr gesundes Leben und werden ein Alter von über 100 Jahren erreichen. Die bisher älteste, je lebende Person war die 2017 verstorbene Französin Jeanne Calment. Sie wurde 122 Jahre alt. Doch laut einer neuen Studie ist auch das nicht das Limit des menschlichen Körpers.

Die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentliche Studie ging der Frage nach wie lange Menschen ohne Krankheiten und andere lebensverkürzende Faktoren leben könnten. Wie auch eine Maschine nutzt sich jedes Teil eines Menschen mit der Zeit ab. Laut der Studie ist ein Mensch jedoch in der Lage im Optimalfall bis zu 150 Jahre alt zu werden, bevor die regenerativen Funktionen des Körpers aussetzen.

Wendepunkt bei 35 Jahren

Die Studie benutzte mehrere Statistiken, um einen dynamischen Indikator aufzustellen, mit welchem sie feststellen konnten, wann das theoretische Lebenslimit bei einem konstanten Alterungsprozess eintreten würde. Daraus ergab sich, dass besonders zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr ein körperlicher Verfall einsetzt. Dieser Verfall schwächt zwar den Körper nach und nach immer mehr, allerdings kann ein Mensch theoretisch trotzdem bis zu 150 Jahre alt werden. Krankheiten, welche den geschwächten Körper angreifen und infiltrieren, sind die Hauptursache für ein Sterben vor der theoretisch maximalen Lebensdauer. Aber auch Stress kann dafür sorgen, dass ein Mensch eher stirbt.

Gesundes statt maximal langes Leben

Neue Behandlungsmöglichkeiten können zwar dafür sorgen, dass ein Mensch länger lebt. Es scheint aber ein natürliches Limit zu geben, welches sich scheinbar nicht überschreiten lässt. Doch die Studie scheint nur der erste Schritt bei der Erforschung der menschlichen Altersgrenzen zu sein. Im nächsten Schritt wollen die Forscher einen Weg finden, diese natürliche Alterung zu unterbrechen oder wenigstens zu verlangsamen.

Diesbezüglich scheint es auch schon einige Fortschritte zu geben: Erst kürzlich veröffentlichten Forscher eine Studie in der Onlinedatenbank PMC, welche das Medikament Metformin genauer untersucht. Dieses wurde ursprünglich für Diabetiker entwickelt, scheint aber auch Eigenschaften zur Altersverminderung zu besitzen. Insgesamt strebt ein Großteil der Wissenschaft allerdings kein möglichst langes, sondern ein möglichst gesundes, langes Leben an.

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-021-23014-1

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