Antikörper

Herdenimmunität bei SARS-CoV-2 niedriger als angenommen

Robert Klatt

Die Herdenimmunität wird bei SARS-CoV-2 bereits bei einem deutlich kleineren Bevölkerungsanteil mit Antikörpern erreicht, als bisher angenommen wurde.

Nottingham (England). Epidemiologen sind bisher davon ausgegangen, dass eine Herdenimmunität gegen SARS-CoV-2 erreicht wird, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus besitzen. Diese Schätzung basiert auf der Annahme, dass zum Erreichen einer Herdenimmunität alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen immun sein müssen.

In Zukunft könnte dies durch einen Impfstoff erreicht werden, aktuell bilden sich Antikörper aber nur bei infizierten Menschen. Wie eine Studie kürzlich zeigte, ist eine Immunität nach asymptomatischen SARS-CoV-2-Verläufen allerdings unwahrscheinlich.

Alter & Aktivität wichtig für Herdenimmunität

Wissenschaftler Universität Nottingham im Fachmagazin Science ein neues Berechnungsmodell vorgestellt, das auch das Alter und Aktivitätslevel verschiedener Bevölkerungsgruppe berücksichtigt. Die ursprünglich Schätzung beruht ausschließlich auf der Immunität nach einer überstandenen Infektion. Diese unterscheidet sich aber zwischen den Altersgruppen deutlich.

Das Team um Frank Ball kommt bei einer angenommenen Reproduktionszahl R0 von 2,5, bei der jeder Infizierte zwischen zwei und drei anderen Menschen ansteckt, zu dem Ergebnis, dass eine Herdenimmunität bereits erreicht wird, wenn statt 60 Prozent der Bevölkerung 43 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2 besitzen.

Herdenimmunität keine feste Größe

Ball erklärt, dass diese Berechnungen eher als Illustration dienen sollen, um zu zeigen, dass Herdenimmunität von vielen Faktoren abhängt und keine feste Größe ist. In einem Gastkommentar erklärt Holden Thorp, der Hauptschriftleiter vom Science Magazin, dass auch eine Herdenimmunität von 43 Prozent bisher in keinem Land erreicht wurde.

Laut einer schwedischen Studie liegt in der Metropolregion Stockholm der Bevölkerungsanteil, der Antikörper gegen SARS-CoV-2 besitzt, bei 26 Prozent. In Madrid wurden Mitte Mai 10 Prozent dokumentiert und in der Gemeinde Gangelt, die die Heinsberg-Studie untersucht, lag der Anteil an Menschen mit Antikörpern gegen SARS-CoV-2 bei 15,5 Prozent.

Science, doi: 10.1126/science.abc6810

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