Schutz vor Krankheiten

Deutschland - Vertrauen in Impfungen ist gestiegen

Robert Klatt

Im europäischen Vergleich sind Impfgegnern in Deutschland stark vertreten. Insgesamt ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Wichtigkeit, Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen aber gestiegen.

London (England). Obwohl zahlreiche Argumente von Impfgegner, wie ein vermeintlich höheres Allergie-Risiko, durch eine Reihe von Studien widerlegt wurden, gibt es so viele Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, dass dies laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine globale Bedrohung ist. Kürzlich zeigte eine französische Studie, dass trotz des guten Gesundheitssystems auch in Deutschland viele Eltern Impfgegner sind. Im europäischen Vergleich liegt die Bundesrepublik damit auf einem der vorderen Plätze.

Nun hat eine globale Untersuchung der London School of Hygiene & Tropical Medicine gezeigt, dass das Vertrauen in Impfungen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Laut der Publikation im Fachmagazin The Lancet untersuchten die Wissenschaftler Daten aus 149 Ländern aus 290 Befragungen. Insgesamt konnten sie so die Einstellung von 284.000 Menschen gegenüber Impfungen auswerten. Befragt wurden die Probanden unter anderem zu ihrer persönlichen Meinung zur Wichtigkeit, Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen.

Vertrauen um drei Prozent gestiegen

Die Studienergebnisse zeigen, dass das Vertrauen in Impfungen in Deutschland von 66 Prozent im Jahr 2015 auf 69 Prozent im Jahr 2019 angestiegen ist. 59 Prozent der Probanden gaben außerdem an, dass Impfungen ihrer Meinung nach wirksam sind. 2015 waren es nur 53 Prozent. Für sicher halten Impfungen in Deutschland mehr als 50 Prozent der Bevölkerung, gegenüber 43 Prozent im Jahr 2015. Deutschland liegt damit etwa auf dem Niveau anderer mitteleuropäischer Länder wie Österreich.

Im globalen Vergleich ist das Vertrauen im Impfungen in Europa aber nur gering. Auffallend ist zum Beispiel Frankreich, wo nur 30 Prozent der Bevölkerung Impfstoffe für sicher halten. 2015 waren es in Frankreich allerdings nur neun Prozent.

Desinformationskampagnen von Impfgegnern

Wie die Studiendaten zeigen ist das Vertrauen in Impfungen in vielen Ländern in den letzten Jahren deutlich gesunken. Als Hauptgrund dafür nennen die Wissenschaftler Desinformationskampagnen von Impfgegnern wie zum Beispiel in Indonesien, wo muslimische Geistliche es zur Sünde erklärten eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu erhalten. Innerhalb von vier Jahren ist das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung deshalb dort von 64 Prozent auf 50 Prozent gesunken.

Ein weiteres Ereignis, dass zu einem deutlichen Rückgang in das Vertrauen in Impfmittel geführt hat, waren Probleme mit einer Impfung gegen das Dengue-Virus, die 2017 850.000 Kinder auf den Philippinen erhielten. Wie sich später herausstellte, war dieser Impfstoff potenziell gefährlich für Personen, die zuvor nicht am Dengue-Virus erkrankt waren.

Solche Vorfälle sind laut einem Begleitkommentar von Daniel Salmon und Matthew Dudley von der Johns Hopkins Universität allerdings sehr selten. Die Wissenschaftler erklären außerdem, dass „die meisten Sicherheitsbedenken gegen Impfstoffe nicht durch wissenschaftliche Belege bekräftigt werden.“

The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(20)31558-0

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