Rauchentwöhnung

Dampfen statt Rauchen – E-Zigaretten helfen beim Aufhören

von Robert Klatt

E-Zigaretten sind in der Rauch-Entwöhnung im Vergleich zu einer Kombination aus Nikotinpflastern, Sprays und Kaugummis doppelt so effektiv.

London (England). Laut einer Studie des britischen Gesundheitsministeriums sind E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten. Dies liegt daran, dass kein Tabak verbrannt wird, sondern eine in der Regel nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird. Es entstehen dabei deutlich weniger Schadstoffe und kein Teer, der sich bei normalen Zigaretten in der Lunge ablagert. Viele Raucher nutzen deshalb E-Zigaretten als Alternative zu normalen Tabakzigaretten oder als Hilfe, um komplett mit dem Rauchen aufzuhören.

In der Wissenschaft ist der Einsatz von E-Zigaretten in der Rauchentwöhnung hingegen umstritten. Eine in der Cochrane Database of Systematic Reviews publizierte Studie lieferte zwar bereits 2014 erste Indizien für den Nutzen von E-Zigaretten in der Rauchentwöhnung, die Studienergebnisse konnten durch weitere Untersuchungen aber nicht bestätigt werden.

Studie mit aktuellen E-Zigarettenmodellen

Wissenschaftler der Queen Mary University of London haben deshalb eine neue Studie erstellt, die mithilfe von aktuellen E-Zigarettenmodellen erneut den Nutzen für die Rauch-Entwöhnung untersucht. Laut der im New England Journal of Medicine publizierten Studie wurden dabei unter anderem Modelle genutzt, die in Deutschland beim Versandhändler Rauchershop.eu erhältlich sind. Als Probanden dienten dem Team um Peter Hajek 886 Personen, die sich bei einem britischen Rauchentwöhnungszentren gemeldet hatten.

Im Zuge der Studie wurden die Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe erhielt eine E-Zigarette mit einem nikotinhaltigem Liquid, die Kontrollgruppe erhielt Nikotin durch eine Kombination aus Pflastern, Sprays und Kaugummis. Außerdem wurden alle Probanden während der Studie intensiv therapeutisch begleitet.

E-Zigaretten mit doppeltem Erfolg

Laut Hayek „waren die E-Zigaretten doppelt so effektiv wie der bisherige Goldstandard, die Kombination von Nikotinersatzprodukten.“ Konkret bedeutet dies, dass nach einem Jahr aus E-Zigaretten-Gruppe 19 Prozent Nichtraucher waren. In der Kontrollgruppe konnten nur 9,9 Prozent der Personen mit dem Rauchen aufhören.

Eine Befragung unter den Probanden zeigt überdies, dass E-Zigaretten auch subjektiv in der Rauchentwöhnung helfen und das Verlangen nach Zigaretten im Vergleich zur Kontrollgruppe nach vier Wochen deutlich stärker reduzieren. Nebenwirkungen wie Konzentrationsschwäche und eine hohe Reizbarkeit, die in der Rauchentwöhnung typisch sind, traten in der E-Zigaretten-Gruppe ebenfalls seltener und weniger intensiv auf.

Liquids mit hohem Nikotinanteil

Onno van Schayck, Präventionsmediziner von der Universität Maastricht schreibt in einem Begleitkommentar, dass „das eine sehr gute Studie ist, die man als einen Meilenstein bezeichnen kann.“ Laut Schayck ist „dies die erste Publikation, die echte Beweise dafür liefert, dass es einen Mehrwert gibt, E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung zu verwenden.“ Auch Robert West vom University College London kommentiert die Ergebnisse und schreibt, dass „diese Studie die bisher klarsten Belege dafür liefert, dass E-Zigaretten wahrscheinlich effektiver sind als Ersatzprodukte wie Nikotinkaugummis oder -pflaster.“

Die Studienautoren erklären ihre Ergebnisse durch den Einsatz moderner E-Zigaretten, die Nikotin schneller abgeben als alte Modelle, die in Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen genutzt wurden. Außerdem wurde ein Liquid mit einem hohen Nikotinanteil genutzt, der höher liegt als bei den meisten Flüssigkeiten am Markt.

Cochrane Database of Systematic Reviews, doi: 10.1002/14651858.CD010216.pub2

New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1808779

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