Robert Klatt
Die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre nimmt kontinuierlich zu. Blutuntersuchungen zeigen, dass es dadurch im menschlichen Körper zu Veränderungen kommt. Sollte der Trend anhalten, könnte ein wichtiger Blutwert bald einen kritischen Bereich erreichen.
Perth (Australien). Die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre hat seit 2004 um mehr als zehn Prozent zugenommen und kürzlich mit 424 parts per million (ppm) den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht. Der Mensch hat sich ursprünglich bei einer CO₂-Konzentration von etwa 280 bis 300 ppm entwickelt. 2000 lag die CO₂-Konzentration noch bei 369 ppm. Angesichts dieser rapiden Zunahme haben Forscher des The Kids Research Institute Australia untersucht, ob und wie die CO₂-Konzentration den Körper des Menschen beeinflusst.
Sie haben dazu Blutproben von 7.000 Personen aus der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), die im Zeitraum von 1999 bis 2020 alle zwei Jahre entnommen wurden, analysiert. Die Blutproben offenbaren, dass auch die CO₂-Konzentration im menschlichen Organismus zunimmt, etwa mit der Rate, mit der auch die CO₂-Konzentration in der Luft ansteigt.
„Was wir beobachten, ist eine allmähliche Veränderung der Blutchemie, die den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre widerspiegelt, der den Klimawandel antreibt.“
Wie die Forscher erklären, nimmt durch die höhere CO₂-Konzentration im Körper der Bicarbonatwert im Blut ebenfalls zu. Dieser ist seit 1999 im Mittel um sieben Prozent gestiegen, während die durchschnittlichen Calcium- und Phosphorwerte abgenommen haben. Sollte diese Entwicklung anhalten, wird der Bicarbonatwert in den kommenden fünf Jahrzehnten einen kritischen Bereich erreichen.
„Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, zeigen Modellrechnungen, dass die durchschnittlichen Bicarbonatwerte innerhalb von 50 Jahren die obere Grenze des heute als gesund geltenden Bereichs erreichen könnten. Auch die Calcium- und Phosphorwerte könnten im Laufe dieses Jahrhunderts an die untere Grenze ihrer gesunden Bereiche sinken.“
Im Körper ist Bicarbonat entscheidend an der Stabilisierung des Säure-Basen-Haushalts beteiligt. Wenn der CO₂-Gehalt zunimmt, speichert der Körper mehr Bicarbonat, um den pH-Wert des Blutes konstant zu halten. Dadurch könnte es langfristig zu einer dauerhaften Anpassung kommen, die signifikante physiologische Folgen hat. Dies ist vor allem für Kinder und Jugendliche, deren sich entwickelnder Körper der zunehmenden CO₂-Belastung am längsten ausgesetzt ist, kritisch.
Angesichts der Ergebnisse und der noch unklaren gesundheitlichen Auswirkungen der kontinuierlich zunehmenden CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre sprechen sich die Forscher dafür aus, die CO₂-Emissionen signifikant zu reduzieren.
„Da der CO2-Gehalt in der Luft jetzt höher ist, als Menschen ihn je erlebt haben, scheint er sich in unseren Körpern anzusammeln. Vielleicht können wir uns niemals anpassen, sodass es von entscheidender Bedeutung ist, die CO2-Werte in der Atmosphäre zu begrenzen.“
Die Autoren erklären, dass die Studie eine neue Dimension von Klimarisiken eröffnet, die stark über Hitzewellen, Extremwetter und ähnliche Auswirkungen des Klimawandels hinausgeht. Die zunehmende CO₂-Konzentration sollte deshalb nicht mehr ausschließlich als Umweltproblem verstanden werden, sondern auch als potenzielles Gesundheitsrisiko, das permanent überwacht werden muss.
„Wir sagen nicht, dass Menschen plötzlich krank werden, sobald ein bestimmter Grenzwert überschritten wird. Aber das deutet darauf hin, dass sich auf Bevölkerungsebene schleichende physiologische Veränderungen ergeben könnten, und das ist etwas, das wir im Rahmen zukünftiger Klimapolitik beobachten sollten.“
Quellen:
Pressemitteilung des The Kids Research Institute Australia
Studie im Fachmagazin Air Quality, Atmosphere & Health, doi: 10.1007/s11869-026-01918-5