Kiffen im Jugendalter

Cannabiskonsum schadet dem Gehirn und beeinflusst das Verhalten

Robert Klatt

Cannabiskonsum im Jugendalter kann zu einem impulsiven Verhalten, einer schlechteren Konzentrationsfähigkeit und sogar bleibenden Gehirnschäden führen.

Burlington (U.S.A.). In der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis nutzen Gegner häufig mögliche Gefahren wie das verdoppelte Herzinfarktrisiko und das hohe Psychoserisiko als Kontraargumente. Eine nun publizierte Studie zeigt überdies, dass die Droge bei Jugendlichen die Gehirnstruktur verändern kann. Neben einem impulsiven Verhalten und einer schlechteren Konzentrationsfähigkeit kann dies zu bleibenden Schäden am Gehirn führen.

Laut der Publikation im Fachmagazin JAMA Psychiatry nahmen an der bisher größten Langzeitstudie 800 Probanden im Alter von etwa 14 Jahren teil, die zuvor noch kein Cannabis konsumiert hatten. Zu Beginn untersuchten die Wissenschaftler, die Gehirne mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Sie stellten dabei keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gehirnen der Jugendlichen fest.

Kiffen verändert Gehirnstruktur

Nach weiteren fünf Jahren untersuchten die Forscher die Gehirne erneut. Außerdem wurde abgefragt, ob und wie häufig die nun jungen Erwachsenen Cannabis konsumierten. In den neuen MRT-Aufnahmen konnten die Mediziner deutliche Unterschiede zwischen Probanden, die nicht, die gelegentlich und die sehr häufig Cannabis konsumieren feststellen.

Besonders stark waren die Veränderungen im präfrontalen Kortex, wo viele Andockstellen für die Droge liegen. Diese Hirnregion ist unter anderem wichtig für die Planung von Handlungen, das Lösen von Problemen und die Kontrolle von Impulsen.

Verhaltensänderungen durch Cannabis

Zudem konnten weitere Tests belegen, dass Probanden mit auffälligen Hirnscans, also Menschen, die Cannabis konsumierten, im Vergleich zur Kontrollgruppe impulsiver reagieren. Auch das Lösen komplexer Aufgaben war für sie schwieriger, weil sie sich schlechter konzentrieren konnten als die Kontrollgruppe.

Wie stark sich die Gehirnstruktur und das Verhalten ändert, hängt laut der Studie unmittelbar mit der konsumierten Menge der Droge zusammen. Die Folgen nehmen demnach fast linear mit der Konsummenge zu.

Schwächen der Studie

In ihrer Studie nennen die Wissenschaftler die Angaben der Jugendlichen als mögliche Schwäche. Weil der Cannabiskonsum nicht überprüft werden kann, beruhen diese Daten einzig auf den Angaben der Probanden. Es ist demnach möglich, dass zumindest teilweise falsche Informationen gegeben wurden. Außerdem wurde nicht erfasst, in welcher Form Cannabis konsumiert wurde. Ob das Rauchen oder Essen unterschiedlich hohe Risiken haben, kann die Studie somit nicht beantworten.

Trotz der Einschränkungen bewerten Experten die Studie als aussagekräftig. Zu ihnen gehört unter anderem Professor Maximilian Gahr, Psychiater an der Uniklinik Ulm, der die Untersuchung als „qualitativ hochwertig“ einstuft. Gahr erklärt, dass die Entwicklung des Gehirns erst mit Mitte 20 vollständig abgeschlossen ist. Besonders bei Jugendlichen reagiert das Gehirn deshalb empfindlich auf Cannabis und andere Drogen.

JAMA Psychiatry, doi: 10.1001/jamapsychiatry.2021.1258

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