Andock-Apparatur

Antikörper könnte universellen Grippeimpfstoff ermöglichen

Robert Klatt

Hemagglutinin mit den Antikörpern gebunden (blau) )ta.ca.kbiu.esserporetniuQ-zednanreF acinoM(ualb) nednubeg nreprökitnA ned tim ninitulggameH(Foto: © 

Ein Antikörper, der die Andock-Apparatur des Influenzavirus angreift, könnte einen universellen Grippeimpfstoff mit lebenslangem Schutz ermöglichen.

Chicago (U.S.A.). Die Forschung versucht seit Langem einen universellen Grippeimpfstoff zu entwickeln, der einen lebenslangen Schutz vor Influenzaviren ermöglicht. Aktuell müssen die Impfstoffe vor jeder Wintersaison an die neuen Viren angepasst werden. Dazu muss die Medizin prognostizieren, welcher Grippestamm auftreten wird. Weil dies nicht immer ausreichend gut funktioniert, ist die Wirksamkeit Grippeimpfstoffen starken saisonalen Schwankungen unterworfen. Im Mittel liegt sie bei etwa 50 Prozent.

Wissenschaftler der Universität Chicago haben im Fachmagazin Nature nun eine Studie publiziert, deren Erkenntnisse die Basis für einen universellen Grippeimpfstoff bilden könnten. Wie das Team um Jenna Guthmiller entdeckt hat, gibt es Antikörper, die sich nicht gegen die variablen Köpfchen der Influenzaviren, sondern gegen die einheitliche Andock-Apparatur richten. Weil diese sich bei den Grippestämmen nicht unterscheidet, könnte ein Impfstoff, der diese Antikörper verwendet, auch vor neuen Varianten schützen.

Antikörper im Blut analysiert

Im Rahmen der Studie analysierten die Wissenschaftler das Blut von 49 Probanden, die entweder gegen Influenzaviren geimpft waren oder natürlich infiziert worden sind. Dabei fanden sie neben den bereits bekannten Antikörpern, die sich gegen den variablen Kopf und den Stiel der Influenzaviren-Andock-Apparatur (Hämagglutinin – HA) richte, bei 21 Probanden Antikörper, die den untersten Teil von Hämagglutinin angreifen.

Neuer Impfstoff

Nun wollen die Forscher einen neuen Impfstoff entwickeln, der direkt auf den HA-Anker verschiedener Grippestämme abzielt. Laut der ebenfalls beteiligten Universität Innsbruck soll so die Bildung der neuen Antikörperklasse ausgelöst werden. Überdies könnten laut den Forschern aus den Antikörpern „Arzneimittel mit breiter therapeutischer Anwendung“ hergestellt werden.

Nature, doi: 10.1038/s41586-021-04356-8

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