Subsidenz

Landabsenkung bedroht 19 Prozent der Weltbevölkerung

Robert Klatt

Die Entnahme von Grundwasser sorgt in vielen Regionen der Erde für eine starke Bodenabsenkung, die Gebäude zerstören kann und Überschwemmungen wahrscheinlicher macht. In einigen Region liegt die Landabsenkung (Subsidenz) bei 30 Zentimeter pro Jahr.

Madrid (Spanien). Viele Regionen der Erde, die in Meeres- und Flussnähe liegen, sind akut von einer zunehmenden Bodenabsenkung bedroht. Dies betrifft unter anderem die Niederlande, die Flussdeltas Asiens und die Küste Kaliforniens. Neben der natürlichen Bodenbeschaffenheit ist für diese schleichende Subsidenz hauptsächlich die Entnahme von unterirdischen Ressourcen und Grundwasser verantwortlich. Die Folgen sind Schäden an Gebäuden und eine hohe Anfälligkeit gegenüber Überschwemmungen und Hochwasser.

Ein Team aus Wissenschaftlern um Gerardo Herrera-Garcia vom Geologischen Dienst Spaniens hat nun im Fachmagazin Science eine Studie publiziert, die detailliert untersucht hat, in welche Regionen und Länder die fallenden Grundwasserpegel am stärksten zu einer Landabsenkung führen. Sie analysierten dafür die Daten zahlreicher Publikationen und Karten der letzten Jahre.

Subsidenz betrifft 34 Länder stark

Laut den Ergebnissen betrifft die grundwasserbedingte Subsidenz 200 Regionen in 34 Ländern stark. Dazu gehören Tokio, wo im Verlauf des 20. Jahrhunderts der Boden um vier Meter sank sowie viele chinesische Städte, die im großen Sedimentbecken des Landes liegen.

Gerardo Herrera-Garcia: „In Indonesien ist die Küstenabsenkung in Jakarta so schwerwiegend, dass die Regierungsbehörden planen, die Hauptstadt auf die Insel Borneo zu verlegen.“

30 Zentimeter Landabsenkung pro Jahr

Gerardo Herrera-Garcia: „Im Iran liegen einige der am schnellsten absinkenden Städte der Welt, sie sinken um 25 Zentimeter pro Jahr.“

Noch stärker ist von der Landabsenkung Mexiko getroffen, wo in einigen Regionen die Subsidenz 30 Zentimeter pro Jahr erreicht. In Europa ist neben den Niederlanden vor allen die Po-Ebene Italiens durch die Landabsenkung bedroht. Derzeit lebt etwa ein Drittel der italienischen Bevölkerung in einem Gebiet.

Ballungsräume von Landabsenkung bedroht

Die Landabsenkung betrifft bereits jetzt vor allen Ballungsräume und Großstädte, die ohnehin stark durch Hochwassern und Sturmfluten gefährdet sind. Ein Modell der Wissenschaftler zeigt, dass das Problem in Zukunft noch zunehmen wird und dass bis zum Jahr 2040 19 Prozent der Weltbevölkerung (1,6 Milliarden Menschen) durch die Subsidenz bedroht sind. 635 Millionen davon wären akut durch Fluss- oder Meereshochwasser gefährdet.

Gerardo Herrera-Garcia: „Angesichts der Tatsache, dass die Subsidenz weltweit 635 Millionen Menschen in flutgefährdeten Gebieten treffen könnte, muss dies verstärkt in Hochwasser-Risikoanalysen und die Planung von Gegenmaßnahmen eingehen.“

1.596 der 7.343 (22 %) der Megastädte der Erde liegen laut dem Modell in aktuell oder künftigen Subsidenzzonen. In einigen Ländern, darunter die Niederlande, Philippinen, Bangladesch und Mexiko könnten laut dem Modell im Jahr 2040 sogar 80 Prozent der Bevölkerung von der Landabsenkung betroffen sein.

Ärmere Länder am stärksten von Subsidenz getroffen

54 Prozent der Menschen, die in Regionen mit starker Subsidenz leben, gehören zur Bevölkerung armer Länder.

Gerardo Herrera-Garcia: „Es ist zu erwarten, dass diese Länder nur eine eingeschränkte Fähigkeit haben, die nötigen politischen, regulatorischen und sozioökonomischen Gegenmaßnahmen umzusetzen.“

In Ländern mit hohen Einkommen bedroht die Landabsenkung hingegen nur elf Prozent der Bevölkerung.

Science, doi: 10.1126/science.abb8549

Spannend & Interessant
VGWortpixel