Klimawandel

Kollaps der Atlantikströmung würde die Erde zusätzlich aufheizen

 Robert Klatt

Atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC) stabilisiert das Klima )moc.sotohptisopedveerugylisav(Foto: © 

Die atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC) stabilisiert das Klima und den CO₂-Kreislauf. Wenn die Meeresströmung zusammenbricht, würden große Mengen CO₂ aus den Ozeanen freigesetzt werden und die Erderwärmung würde um zusätzliche 0,2 Grad Celsius steigen.

Potsdam (Deutschland). Die atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC) sorgt in Europa für ein mildes Klima, weil sie kaltes Wasser nach Süden und warmes Wasser nach Norden transportiert. Derzeit ist die Meeresströmung trotz des zunehmenden Klimawandels noch stabil. Eine Studie der Universität Bordeaux hat jedoch kürzlich gezeigt, dass sie bis 2100 um 42 bis 56 Prozent einbrechen wird. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun untersucht, wie sich ein vollständiger Zusammenbruch der AMOC auf die globalen Temperaturen und den CO₂-Kreislauf auswirken würde. 

Dazu haben sie ein Modell mit einem stabilen Klima und unterschiedlich hohen CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre erstellt und anschließend simuliert, welche Auswirkungen ein Zusammenbruch der AMOC durch einen Süßwasserzufluss in das Oberflächenwasser hätte. Die komplexe Simulation zeigt, dass sich die starke Meeresströmung bei einer CO₂-Konzentration von 280 parts per million (ppm), also dem vorindustriellen Niveau, wieder erholen würde, wenn der Süßwasserzufluss ebenfalls stoppt. Wenn die CO₂-Konzentration bei 350 ppm, also noch unter dem aktuellen Level von 424 ppm, der höchsten CO₂-Konzentration seit zwei Millionen Jahren, liegt, erholt sich der AMOC hingegen nicht, auch wenn der Zufluss des Süßwassers stoppt.

„Höhere CO₂-Konzentrationen verändern die AMOC-Stabilität grundlegend und treiben das System in einen bistabilen Zustand, in dem die AMOC über Hunderte von Jahren schwächer werden und dann dauerhaft zusammenbrechen könnte. Ist sie einmal zum Erliegen gekommen, sehen wir, dass sie sich langfristig nicht wieder erholt.“

Zusätzliche Erderwärmung um 0,2 Grad Celsius

Die Simulation zeigt zudem, dass ein Zusammenbruch der AMOC in allen Szenarien zu einer zusätzlichen Erderwärmung von 0,17 bis 0,27 Grad Celius führen würde.

„Diese Temperaturänderung wird durch das freigesetzte CO₂ aus dem Südlichen Ozean angetrieben, denn durch die verstärkte Durchmischung gelangt CO₂-reiches Tiefenwasser an die Oberfläche.“

Wie die Forscher erklären, wären die lokalen Temperaturänderungen bei einem Zusammenbruch der AMOC noch deutlich höher als der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur. Sollte die AMOC zusammenbrechen und die CO₂-Konzentrationen 450 ppm erreichen, würde die Antarktis sich um 6 Grad Celsius aufheizen, während die Arktis um 7 Grad Celsius kälter wäre.

„Der Ozean war bislang unser größter Verbündeter. Er hat ein Viertel der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen aufgenommen. Ein Zusammenbruch der AMOC könnte den Südlichen Ozean von einer CO₂-Senke in eine CO₂-Quelle verwandeln, wodurch große Mengen an CO₂ freigesetzt und die globale Erwärmung weiter angeheizt würde. Je mehr CO₂ sich zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs in unserer Atmosphäre befindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Erwärmung. Das heißt: Je mehr Emissionen wir heute ausstoßen, desto größer wird das Risiko für stärkere Klimafolgen in der Zukunft.“

Quellen:

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

Studie im Fachmagazin Communications Earth & Environment, doi: 10.1038/s43247-026-03427-w

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