Klimawandel

Atlantikströmung wird wohl noch in diesem Jahrhundert instabil

 Robert Klatt

Atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC) wird schwächer )moc.sotohptisopednairuF(Foto: © 

Die atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC) ist entscheidend für das milde Klima in Deutschland. Nun wurde ermittelt, dass die Meeresströmung durch den Klimawandel wohl noch in diesem Jahrhundert instabil wird. In Europa würden Wetterextreme dadurch stark zunehmen.

Bordeaux (Frankreich). Die atlantische meridionale Umwälzströmung (AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört, transportiert warmes Wasser aus der Karibik nach Europa und sorgt damit in Ländern wie Deutschland für ein milderes Klima, als es auf gleicher geografischer Breite eigentlich wäre. Wenn die AMOC zusammenbrechen würde, würde die Temperatur vor allem im Winter deutlich sinken und es käme öfter zu Wetterextremen. Die Forschung untersucht deshalb seit Langem, ob die AMOC durch den Klimawandel bereits schwächer wurde und wie sich die Meeresströmung in den zukünftigen Jahrzehnten entwickeln wird.

Laut einer Studie der Universität Bern und der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) hat sich der Golfstrom in den letzten 60 Jahren nicht verlangsamt. Studien zur kommenden Entwicklung der Meeresströmung kamen jedoch teilweise zu deutlich unterschiedlichen Prognosen. Es ist deshalb noch immer umstritten, ob und unter welchen Bedingungen die AMOC zusammenbricht.

Deutlicher Rückgang der Atlantikströmung 

Forscher der Universität Bordeaux haben in Anbetracht der widersprüchlichen Ergebnisse analysiert, welches der zuvor verwendeten Modelle die verlässlichsten Informationen liefert. Sie konnten so die Spannbreite der möglichen Entwicklung der Atlantikströmung stark eingrenzen.

„Wir haben festgestellt, dass die AMOC stärker als erwartet zurückgehen wird, verglichen mit dem Durchschnitt aller Klimamodelle. Das bedeutet, dass sich die AMOC näher an einem Kipppunkt befindet.“

Laut der Studie nimmt die AMOC bis 2100 zwischen 42 und 58 Prozent ab, also etwa so stark, wie die pessimistischen Modelle zuvor ermittelt haben.

„Es zeigt, dass die 'pessimistischen' Modelle, die bis zum Jahr 2100 eine starke Abschwächung der AMOC vorhersagen, leider die realistischeren sind, da sie besser mit den Beobachtungsdaten übereinstimmen.“

Dass die AMOC bis 2100 gänzlich ausfällt, ist aber nahezu ausgeschlossen. Sollte die Entwicklung weiterhin anhalten, kann schon bald ein Kipppunkt erreicht werden, der dazu führt, dass die Meeresströmung in den kommenden Jahrhunderten komplett zusammenbricht.

„Ich mache mir mittlerweile zunehmend Sorgen, dass wir diesen Wendepunkt, an dem der Zusammenbruch der AMOC unvermeidlich wird, noch in diesem Jahrhundert erreichen könnten.“

Höhere Temperaturen in der Arktis

Wie die Forscher erklären, sorgen vor allem die höheren Temperaturen in der Arktis für den kommenden Rückgang der AMOC. Die Temperaturen führen dazu, dass das Oberflächenwasser im Norden nicht mehr so stark abkühlt und langsamer in tiefe Wasserschichten absinkt. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass sich bei einer langsameren Meeresströmung mehr Regenwasser an der Oberfläche sammelt und den dortigen Salzgehalt reduziert. Das Oberflächenwasser wird somit leichter und sinkt langsamer ab.

„Die dramatischsten und einschneidendsten Klimaveränderungen, die wir in den letzten 100.000 Jahren der Erdgeschichte feststellen können, fanden statt, als die AMOC in einen anderen Zustand überging.“

Die Forscher erklären zudem, dass die aktuellen Modelle das zusätzliche Schmelzwasser der Arktis kaum berücksichtigten. Wenn dieses ebenfalls in größeren Mengen in das Meer fließt, nimmt der dortige Salzgehalt weiter ab.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.adx4298

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