Genvergleich

Milben als blinde Passagiere im Flugzeug

D. Lenz

Auf Geschäfts- oder Urlaubsreisen mit dem Flugzeug befinden sich neben dem Menschen auch jede Menge blinder Passagiere mit an Board. Wissenschaftler haben mit Hilfe einer Genstudie herausgefunden, dass sich Milben mit Hilfe moderner Verkehrsmittel über die ganze Welt verteilen.

Ann Arbor (U.S.A.). Milben gehören zu den Spinnentieren und haben nahezu jeden Lebensraum der Erde besiedelt. Sie leben auch in unsere Wohnung, hier vor allem im Schlafzimmer in den Matratzen, in Sofas und Kissen, in unserer Kleidung und sogar auf unserer Haut. Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu 1.500 Milben in nur einem Gramm Hausstaub leben. Milben sind besonders bei Allergikern unbeliebt, da ihr Kot allergische Reaktionen wie Schnupfen, Husten, entzündete Augen und sogar Asthma hervorrufen kann. Dabei spielt es für die Milben der Gattung Dermatophagoides keine Rolle, ob die Wohnung regelmäßig geputzt wird, denn sie überleben auch in der saubersten Umgebung.

Ein Genvergleich zeigt die weltweite Verbreitung der Milben

Da Milben auch auf unserer Kleidung und selbst auf unserer Haut leben, ist es naheliegend, dass die kleinen Spinnentiere einen Vorteil durch die modernen Verkehrswege des Menschen ziehen. Eine aktuelle Studie von Pavel Klimov und seinen Kollegen von der University of Michigan in Ann Arbour zeigt, wie sich Milben mit Hilfe von Verkehrsflugzeugen auf der ganzen Welt verbreiten und neue Lebensräume erobern.

Die Wissenschaftler richteten ihre Aufmerksamkeit bei ihrer Studie besonders auf die Gene für Allergene der sogenannten Gruppe 1. Diese Proteine können allergische Reaktionen auslösen und sind elementarer Bestandteil bei dem klassischen Test auf eine Hausstauballergie. "Polymorphismen in den Gruppe 1 Allergenen in verschiedenen geografischen Regionen könnten die Effizienz von Allergietests und –therapien beeinträchtigen", erläutert Klimov. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese möglichen Unterschiede genau zu kennen.

Genetische Verbreitung auf allen Kontinenten nachweisbar

Die Wissenschaftler haben im Erbgut zahlreicher Milbenarten verschiedene Mutationen ausfindig machen können. Allerdings waren die meisten dieser genetischen Mutationen inaktiv. Klimov und seine Kollegen machten aber auch eine überraschende Entdeckung: Bei zwei Milbenarten, von denen man weiß, dass sie sich komplett unabhängig von einander entwickelt haben, konnten sie den genetischen Mutationscode der anderen Art nachweisen. Für die Wissenschaftler ist dies ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Arten trotz der weiten Entfernung zueinander, in Kontakt standen oder immer noch stehen.

"Was wir gefunden haben deutet darauf hin, dass Milbenpopulationen durch Migration über Kontinente hinweg miteinander verbunden sind", beton Koautor Rubaba Hamid von der Universität Rawalpindi in Pakistan. "Jedes Mal wenn eine Milbe erfolgreich an einen neuen Ort gelangt, bringt sie ihre eigene genetische Signatur mit, die dann noch lange danach in der dortigen Milbenpopulation nachgewiesen werden kann."

Milben gelangen mit Flugzeugen auf alle Kontinente

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Flugzeuge die Milben auf alle Kontinente transportierten und immer noch transportieren. "Den meisten Menschen ist nicht klar, dass sie das Flugzeug mit Myriaden von mikroskopisch kleinen Mitreisenden teilen", sagt Klimov. "Die winzigen Passagiere, darunter auch Milben, nutzen den technologischen Fortschritt des Menschen zu ihrem eigenen Vorteil."

Die Milben sitzen dabei auf der Haut, der Kleidung und am Gepäck der Passagiere und gelangen so als blinde Passagiere an fast jeden Ort der Welt. Die Studie zeigt, dass der kommerzielle Luftverkehr der letzten Jahrzehnte ausgereicht hat, um nicht nur Milben auf der ganzen Welt zu verteilen, sondern auch, dass die Evolution mit ihren genetischen Mutationen nicht lange braucht, um sich klimatischen Bedingungen ideal anzupassen.

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