Stammzellforschung

Gentechnik soll ausgestorbenen Tasmanischen Tiger wiederbeleben

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • Der Beutelwolf, auch bekannt als Tasmanischer Tiger, ist vor 86 Jahren ausgestorben
  • Wissenschaftler wollen das größte räuberische Beuteltier nun mithilfe neuer gentechnischer Methoden und Fortschritte in der Stammzellforschung wiederbeleben
  • Die ersten Jungtiere sollen in zehn Jahren geboren werden

Der Tasmanische Tiger ist vor 86 Jahren ausgestorben. Nun soll das größte räuberische Beuteltier mit neuen gentechnischen Methoden wiederbelebt und in der Wildnis ansiedelt werden.

Melbourne (Australien). Der Beutelwolf, auch bekannt als Tasmanischer Tiger, war in Australien bis vor etwa 3.000 Jahren weit verbreitet. Auf der Insel Tasmanien lebte das größte räuberische Beuteltier ebenfalls in großen Zahlen. Nach der Besiedlung der Insel durch die Europäer wurde das Raubtier aber stark gejagt, sodass im 20. Jahrhundert nur noch wenige Tasmanische Tiger in Zoos überlebten.

Der letzte Tasmanische Tiger starb im Zoo von Hobart auf Tasmanien vor 86 Jahren. Das hundeähnliche Raubtier gilt in der Wissenschaft seitdem endgültig als ausgestorben, auch wenn Augenzeugen immer wieder angeblich Tasmanische Tiger in freier Wildbahn sehen.

Wiederbelebung des Tasmanischen Tigers

Wie der Guardian berichtet, möchten Wissenschaftler den Tasmanischen Tiger nun mit gentechnische Methoden wiederbeleben und auf seiner einstigen Heimatinsel ansiedeln. Ein ähnlicher Versuch im Jahr 2005 scheiterte. Laut dem Genetik-Pionier George Church von der Harvard University stehen sind die Erfolgschancen dank neuer gentechnischer Methoden und deutlicher Fortschritte in der Stammzellforschung inzwischen jedoch deutlich besser.

Die Universität von Melbourne erhielt zur Wiedererweckung des Tasmanischen Tigers kürzlich eine Spende von fünf Millionen Dollar. Zudem ist am Projekt das von Church gegründete Unternehmen Colossal, das ebenfalls das Wollhaarmammut wiederbeleben möchte, beteiligt.

Genom eines Tasmanischen Tiger sequenziert

Das Genom eines konservierten Tasmanischen Tigers vom Museum von Victoria konnte das 30-köpfige Team bereits vollständig sequenzieren. Wie der Projektleiter Andrew Pask erklärt, verfügen sie damit über eine „vollständige Blaupause“ des ausgestorbenen Tiers. Im Jahr 2005 scheiterte dieser erste Schritt noch.

Im zweiten Schritt wollen die Forscher nun Stammzellen der Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus, deren DNA, der des Tasmanischen Tigers stark ähnelt, mit einem Gen-Editierverfahren in Beutelwolf-Zellen umbauen. Anschließend soll im dritten Schritt aus diesen Stammzellen ein Embryo eines Beutelwolfs entstehen, der dann entweder in eine Schmalfußbeutelmaus als Leihmutter oder in eine künstliche Gebärmutter übertragen wird.

Zucht ohne Leihmutter

Wie Pask erklärt, wollen die Wissenschaftler im Optimalfall Tasmanische Tiger von der Empfängnis bis zur Geburt im Reagenzglas züchten. Angesichts der sehr kurzen Tragezeit und der minimalen Größe der Tiere könnte es sein, dass auf eine Leihmutter verzichtet werden kann. Ähnliche Zuchtversuche mit Mäusen verliefen bisher jedoch nicht erfolgreich. Auch die Forscher erklären, dass noch wissenschaftliche Durchbrüche nötig sind, um Beutelwölfe ohne Leihmutter züchten zu können. Trotz der noch ungelösten Probleme ist Pask optimistisch. Laut ihm ist es realistisch, dass schon in zehn Jahren die ersten Jungtiere geboren werden.

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