Robert Klatt
Megakonstellationen aus vielen Satelliten führen zu immer mehr Raketenstarts. Die Emissionen der Raketen und der verglühenden Satelliten verursachen einen Effekt, der das Klima abkühlt und ähnlich wirkt wie geplante Geoengineeringmaßnahmen.
London (England). Die Zahl der Satelliten hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, von etwa 2.000 aktiven Satelliten im Jahr 1990 auf aktuell rund 15.000 Satelliten. Ein Großteil davon entfällt auf das Satelliteninternet-System Starlink von SpaceX, das derzeit aus fast 12.000 Satelliten in einem niedrigen Erdorbit besteht. Forscher des University College London (UCL) haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, welche Emissionen durch Raketenstarts und ausgediente Raketenstufen und Satelliten, die zurück in die Erdatmosphäre fallen, entstehen.
Sie haben dazu Daten zu Raketenstarts und Satellitenstarts aus dem Zeitraum 2020 bis 2022 analysiert und eine Prognose bis 2029 erstellt. Die Studie zeigt, dass auf Megakonstellationen wie Starlink 2022 mehr als ein Drittel (35 %) der gesamten Klimaauswirkungen des Raumfahrtsektors entfielen. Der Anteil wird bis 2029 auf etwa 42 Prozent steigen.
Laut der Analyse betrifft die Luftverschmutzung durch Raketenstarts für Megakonstellationen und den Wiedereintritt der Satelliten zunehmend die oberen Atmosphärenschichten. Dort sammelt sich Schwarzkohlenstoff (Ruß) an, der dort deutlich länger verbleibt als ähnliche Schadstoffe in bodennahen Luftschichten. Die Klimawirkung ist deshalb rund 500-mal stärker.
Weil die Rußpartikel in den oberen Atmosphärenschichten Sonnenlicht reflektieren, wirken sie ähnlich wie geplante Geoengineeringmaßnahmen, etwa Diamantstaub in der Atmosphäre, der den Klimawandel verlangsamen soll. Wie die Forscher erklären, könnten die bei den Raketenstarts freigesetzten Partikel deshalb einen leicht kühlenden Effekt auslösen, der die Erderwärmung minimal bremst. Der Effekt ist aber deutlich zu gering, um den Klimawandel signifikant zu beeinflussen.
„Die Verschmutzung durch die Raumfahrtindustrie ist wie ein kleines, unreguliertes Geoengineering-Experiment, das viele unbeabsichtigte und schwerwiegende Umweltfolgen haben könnte. Derzeit sind die Auswirkungen auf die Atmosphäre noch gering, sodass wir noch die Möglichkeit haben, frühzeitig zu handeln, bevor daraus ein ernsthafteres Problem wird, das schwieriger rückgängig zu machen oder zu beheben ist. Bislang gab es nur begrenzte Bemühungen, diese Art von Verschmutzung wirksam zu regulieren.“
Laut den Forschern ist die Prognose, dass 2029 rund 42 Prozent der Emissionen der Raumfahrt auf Megakonstellationen entfallen, wahrscheinlich noch zu gering. Die Studie hat lediglich den Beginn der Megakonstellationen untersucht und auf Basis dieser Ergebnisse eine Hochrechnung erstellt. Die tatsächliche Anzahl der Raketenstarts für SpaceX und ähnliche Systeme lag im Zeitraum von 2023 bis 2025 aber bereits deutlich über den Erwartungen und wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch deutlich zunehmen.
„Der kühlende Effekt durch die Verringerung des Sonnenlichts, den wir mit unseren Modellen berechnen, mag vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung wie eine willkommene Veränderung erscheinen, aber wir müssen äußerst vorsichtig sein.“
Quellen:
Pressemitteilung des University College London (UCL)
Studie im Fachmagazin Earth's Future, doi: 10.1029/2025EF007229