Radiowellen durch Magnetfeld?

Neuentdeckter Stern ist kälter als eine Feuerzeugflamme

Robert Klatt

Illustration eines Braunen Zwerges )LPJ/ASE/ASAN(Foto: © 

Ein neuentdeckter Brauner Zwergstern ist der kühlste bekannte Stern des Universums. Ein handelsübliches Feuerzeug ist heißer als seine Oberflächentemperatur.

Sydney (Australien). Die Oberflächentemperatur der meisten Sterne liegt zwischen 1.700 und 20.000 Grad Celsius. Die Photosphäre der Sonne ist etwa 5.725 Grad Celsius heiß. Forscher der University of Sydney um Kovi Rose haben laut einer Publikation in den Astrophysical Journal Letters nun den bisher kühlsten Stern, der Radiowellen emittiert, entdeckt. Der Braune Zwergstern WISE J062309.94-045624.6 hat lediglich eine Temperatur von 420 Grad Celsius. Er ist damit kühler aus die Flamme eines handelsüblichen Feuerzeugs.

„In einigen Fällen sind Sterne kühler als der Rauch, der von unserem Lagerfeuer aufsteigt – ich meine, das ist inspirierend. Es ist inspirierend und demütigend, unseren Platz im Universum zu verstehen.“

Beobachtungen mit Radioteleskopen

Braune Zwerge bestehen primär aus Wasserstoffgas aufgebaut, möglicherweise mit wabernden Bandmustern in den Wolken. Im Unterschied zur Sonne mangelt es ihnen an inneren Energiequellen, wodurch sie kaum sichtbares Licht abgeben. Daher sind sie für das menschliche Auge praktisch unsichtbar.

Die Wissenschaftler haben deshalb für ihre Beobachtungen die Radioteleskope ASKAP, MeerKAT und das Australia Telescope Compact Array verwendet, um Radiowellen aufzuspüren, die von den elektromagnetischen Feldern der Sterne ausgehen. In ihrer Untersuchung stellten sie fest, dass die Masse des Sterns höchstens 44-mal die des Jupiters beträgt und er eine Radiostrahlung abgibt, die innerhalb eines Zyklus von ungefähr 1,9 Stunden an Intensität variiert.

Radiowellen durch starkes Magnetfeld?

In der Astronomie werden Braune Zwerge, die deutlich kleiner als andere Sterne sind, oft als „gescheiterter Stern“ bezeichnet. Aufgrund seiner geringen Größe, sogar kleiner als der Jupiter, mangelt es ihm an ausreichender Gravitationskraft, die für die Auslösung von Kernfusionen notwendig wäre. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Emission von Radiostrahlung des Brauen Zwergsternes WISE J062309.94−045624.6 auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes hinweist, was als einzigartiges Phänomen gilt.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Braune Zwerg innerhalb des beobachteten Zyklus von 1,9 Stunden eine vollständige Umdrehung um seine eigene Achse vollzieht. Eine solche rasche Rotation resultiert in der Generierung eines Magnetfeldes und der daraus resultierenden Emission von Radiostrahlen durch den Stern.

Astrophysical Journal Letters, doi: 10.3847/2041-8213/ace188

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