Nördliche Hemisphäre

Mögliche Wasserquellen auf dem Mars entdeckt

Robert Klatt

Neue Analysen zeigen, dass auf dem Mars für Astronauten zugängliches Eis existiert. In Zukunft könnte eine permanente Kolonie dieses Eis als Wasserquelle nutzen.

Tucson (U.S.A.). Das kürzlich vorgestellte Konzept einer Fusionsrakete könnte in Zukunft bemannte Missionen zum Mars ermöglichen. Um auf dem roten Planeten eine permanente Kolonie betreiben zu können, muss aber zwingend Wasser gefunden werden. Am Südpols des Mars wurde zwar bereits ein großer See aus flüssigem Wasser entdeckt, dieser wird aber von einer etwa 1,5 Kilometer dicken Eisschicht blockiert und kann von einer extraterrestrischen Kolonie aufgrund des dort nur schwachen Sonnenlichts, das die Stromversorgung erschwert, nicht genutzt werden.

Die Astronomie ist deshalb auf niedrigeren Breitengraden auf der Suche nach Eis unter der Marsoberfläche. Dieses könnte dort ausgegraben werden und Astronauten als Wasserquelle dienen. Forscher des Planetary Science Institute (PSI) haben im Rahmen des Mars Subsurface Water Ice Mapping (SWIM) Projekts laut einer Publikation im Fachmagazin Nature Astronomy nun mehrere Standorte entdeckt, an denen Wasser gewonnen werden könnte.

Daten aus 20 Jahren Mars-Missionen

Das Team um Gareth Morgan hat dazu Datensammlungen der Orbiter Mars Odyssey und Mars Reconnaisance sowie der Sonde Mars Global Surveyor verwendet. Zur Analyse erstellten die Wissenschaftler thermische und geomorphologische Karten des Planeten und suchten nach geologischen Oberflächenauffälligkeiten, die durch Eis ausgelöst sein könnten. Es soll so möglich sein, Eis zu finden, das maximal fünf Meter unter der Planetenoberfläche liegt.

Gareth Morgan, Planetary Science Institute: „Jede unserer fünf Techniken nutzt eine andere Annäherung oder Methode, um zu versuchen, Anzeichen für Wassereis zu finden.“

Nördliche Mars-Hemisphäre bietet perfekte Bedingungen

Die erste Eis-Analyse des Mars fokussierte sich auf Wunsch der NASA auf die nördlichen Hemisphäre des Planeten. Morgan vermutet als Grund dafür die dortigen Tiefebenen, die gute Landemöglichkeiten für Raumschiffe bietet.

Laut den Ergebnissen existiert Eis in den Regionen Arcadia Planitia und Deuteronilus Mensae. Arcadia Planitia ist eine Tiefebene aus alten Vulkanflüssen, in der es wahrscheinlich vor Millionen von Jahren starken Schnellfall gab. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Niederschläge nur langsam versickert sind und deshalb noch heute in Tiefen liegen müssen, in denen Astronauten sie herausbohren könnten.

Die Deuteronilus Mensae liegt zwischen zwei Hochebenen im Westen und Osten sowie Kratern im Süden und einer Tiefebene im Norden. Es befinden sich dort junge Gletscher, die aus dem Rest ehemals großer Gletscher-Strukturen entstanden sind. Die Wissenschaftler gehen anhand ihrer Analyse davon aus, dass das dortige Eis entweder in sehr porösem Material maximal fünf Meter unter der Oberfläche liegt oder dass es sich zwei Meter unter der Oberfläche unter eine Schicht aus regulären Marsboden befindet.

Genauere Kartierung durch neue Daten

In Zukunft möchten die Wissenschaftler auch die Eisvorkommen unter der Oberfläche der südlichen Mars-Hemisphäre im Detail untersuchen. Neue Daten der aktueller und zukünftiger Mars-Missionen sollen außerdem eine präzisere Kartierung der Eisvorkommen ermöglichen.

Gareth Morgan: „Die Knappheit an hinreichend detaillierten unterirdischen Informationen ist das, was Rohstoff-Abbau stets zu einem Glücksspiel macht, selbst auf der Erde. Aber damit die Menschheit anderswo überleben kann, können wir darauf nicht verzichten.“

Nature Astronomy, doi: 10.1038/s41550-020-01290-z

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