Ammoniak in der Atmosphäre

Indizien für außerirdisches Leben auf der Venus

Robert Klatt

Das in der Atmosphäre der Venus vorkommende Ammoniak deutet auf simple außerirdische Lebensformen hin, die die Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff durch biologische Prozesse erzeugen.

Cambridge (U.S.A.). Laut Messdaten aus den 1970er-Jahren könnte die Atmosphäre der Venus Ammoniak enthalten. Die Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff dürfte auf dem Planeten jedoch eigentlich nicht vorkommen, weil nicht ausreichend Wasserstoff für die dafür notwendigen chemischen Prozess auf der Venus existiert. Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben nun die Hypothese aufgestellt, dass die Anomalie durch simple Lebensformen in den Wolken der lebensfeindlichen Welt erklärbar ist.

Diese Außerirdischen könnten laut der Veröffentlichung im Fachmagazin PNAS das Gas herstellen, um den Säuregehalt der Atmosphäre lokal zu verringern. Dies könnte kleine Teile der lebensfeindlichen Atmosphäre habitabel machen. Lebensformen, die den Säuregehalt extrem saurer Umgebungen mit Ammoniak senken, sind von der Erde bereits bekannt.

pH-Wert von 0 statt -11

Sollten die Forscher mit Hypothese richtig liegen, könnte das Gas sich in Tropfen von Schwefelsäure lösen. Dies könnte den extremen Säuregehalt der Atmosphäre vom pH-Wert -11 auf den pH-Wert 0 anheben. Die Umgebung wäre damit zwar noch immer sehr sauer, könnte aber unter Umständen Leben ermöglichen.

Sauerstoff, Wasser und Schwefeldioxid der Venus

„Ammoniak sollte es auf der Venus nicht geben“, erklärt Sara Saeger. Die plausibelste Erklärung für das Gas, das nicht in den Kontext der Umgebung passt, ist laut den Wissenschaftlern deshalb die Existenz von Leben. Bei den effizientesten biologischen Prozessen entsteht außerdem molekularer Sauerstoff, der auf der Venus ebenfalls vorkommt.

Die Hypothese der Wissenschaftler um William Bains könnte somit auch die weiteren Anomalien der Venus, darunter die ungewöhnliche Verteilung von Schwefeldioxid und Wasser sowie das Vorhandensein von molekularem Sauerstoff, erklären. Ob dies tatsächlich der Realität entspricht, könnten die Sonden Venera 8 und Pioneer Venus sowie die Missionen Veritas und Davinci+ womöglich klären.

PNAS, doi: 10.1073/pnas.2110889118

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