Gaia BH1

Erdnächstes Schwarze Loch entdeckt

Robert Klatt

Schwarze Loch Gaia BH1 )inamaZ .M/enigneecapS/avliS ad .J/ARUA/FSN/baLRION/yrotavresbO inimeG lanoitanretnI(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • In unserer Galaxie sollen mindestens 100 Millionen stellarer Schwarzer Löcher vorkommen. Bekannt sind der Astronomie bisher aber nur wenige Duzent
  • Nun wurde das erdnächste Schwarze Loch Gaia BH1 in nur 1.560 Lichtjahren Entfernung zu unserem Planeten entdeckt
  • Es handelt sich dabei um ein ruhendes Schwarzes Loch, das keine Materie verschlingt. Das muss aber nicht so bleiben

Astronomen haben ein Schwarzes Loch in der unmittelbaren Nachbarschaft der Erde entdeckt. Aktuell verschlingt das Schwarze Loch keine Materie, das muss aber nicht so bleiben.

Heidelberg (Deutschland). Im gesamten Universum existieren laut einem Modell der Scuola Internazionale Superiore di Studi Avanzati (SISSA) etwa 40 Trillionen Schwarze Löcher. In der Milchstraße gibt laut Schätzungen der Astronomie mindestens 100 Millionen stellarer Schwarzer Löcher. Nachgewiesen wurden bisher aber nur wenige Dutzend.

Ein internationales Team aus Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) des Harvard–Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) und des NOIRLab haben in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society die Entdeckung eines weiteren Schwarzen Lochs in der Nähe der Erde gemeldet. Das Schwarze Loch wurde laut einem Preprint, der von arXiv publiziert wurde, bereits im September mit dem Gaia-Weltraumteleskop entdeckt. Nun haben Nachbeobachtungen mit dem Nördlichen Gemini-Teleskop die Existenz des Schwarzen Lochs bestätigt.

1.560 Lichtjahre Entfernung zur Erde

Mit einer Entfernung von „nur“ 1.560 Lichtjahren ist das Schwarze Loch Gaia BH1 das erdnächste, bekannte Schwarze Loch. Bei dem in astronomischen Maßstäben in unserer unmittelbaren Nachbarschaft gelegenen Schwarzen Loch handelt es sich um ein sogenanntes ruhendes Schwarzes Loch, das keine Masse verschlingt. Aktive Schwarze Löcher, die Masse verschlingen, besitzen eine heiße Akkretionsscheibe, von der Röntgenstrahlung ausgeht. Weil diese bei ruhenden Schwarzen Löchern nicht vorhanden ist, können Astronomen diese deutlich schwerer entdecken.

Hoher gravitativer Einfluss

Laut Kareem El-Badry vom CfA ist es sehr wahrscheinlich, dass in unserer Galaxie neben den bekannten aktiven Schwarzen Löchern noch deutlich mehr ruhende Schwarze Löcher existieren.

„Aber diese stellen nur die Spitze des Eisbergs dar: Eine weitaus größere Population von Schwarzen Löchern könnte sich in Doppelsystemen verstecken, deren Partner einander in großem Abstand umkreisen.“

Entdeckt werden können diese stillen Schwarzen Löcher durch ihren enormen gravitativen Einfluss. El-Badry sucht mit dem Weltraumteleskops Gaia deshalb seit Jahren nach entsprechenden Vorkommnissen im Weltraum. Mit der Entdeckung des ruhenden Schwarzen Lochs Gaia BH1 konnte das Projekt nun seinen ersten Erfolg vermelden.

„Unsere Gemini-Nachbeobachtungen haben zweifelsfrei bestätigt, dass das Doppelsternsystem einen normalen Stern und mindestens ein ruhendes Schwarzes Loch enthält. Wir konnten kein plausibles astrophysikalisches Szenario finden, das die beobachtete Umlaufbahn des Systems erklären kann, ohne dass mindestens ein Schwarzes Loch beteiligt ist.“

Das Schwarze Loch Gaia BH1 hat eine Masse von etwa zehn Sonnenmassen. Obwohl es sich um ein ruhendes Schwarzes Loch handelt, ist es möglich, dass Gaia BH1 wieder aktiv wird, wenn in seine Nähe neue Materie gelangt.

Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, doi: 10.1093/mnras/stac3140

arXiv, doi: 10.48550/arXiv.2209.06833

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