Letzte Rettung?

Atombomben könnten Asteroideneinschläge verhindern

Robert Klatt

Kleine Asteroiden können laut einer Simulation durch eine Atombombe gesprengt werden, wenn eine Kollision mit der Erde droht.

Baltimore (U.S.A.). Wie das Tunguska-Ereignis zeigt, können bereits kleine Asteroiden bei Kollisionen mit der Erde immense Schäden anrichten. Als am 30. Juni 1908 der etwa 50 bis 80 Meter große Asteroid über Sibirien auf einer flachen Bahn in die Atmosphäre eingedrungen ist, explodierte er in einer Höhe von etwa neun Kilometern. Dabei wurde eine Energie freigesetzt, die etwa 1.000 1.000 Hiroshima-Atombomben entspricht und eine Fläche von etwa 2.000 Quadratkilometern verwüstet.

Um in Zukunft ähnliche Ereignisse, die ganze Städte vernichten könnten, verhindern zu können, sucht die Wissenschaft nach Möglichkeiten zur Bahnänderung oder Zerstörung von Asteroiden. Kürzlich veröffentlichten unter anderem Forscher des chinesischen National Space Science Center Pläne, laut denen ein kleiner Asteroid mit 23 Trägerraketen von seinem Kurs abgebracht werden könnte. Auch die NASA erforscht Optionen, bei denen ein unbemanntes Raumschiff die Flugbahn eines Asteroiden ändern soll. Im Rahmen der Weltraummission Double Asteroid Redirection Test (Dart) wird dies im kommenden Jahr erstmals erprobt.

Atombomben als letzte Rettung?

Sollte ein Asteroid erst wenige Jahre vor seinem Einschlag auf der Erde entdeckt werden, ist es sehr wahrscheinlich zu spät für eine Änderung seiner Flugbahn. Als letzte Rettung könnte in diesem Fall eine Atombombe helfen, mit der der Asteroid gesprengt wird. Wie realistisch diese Option ist, hat nun ein Team unter Leitung des Physikers Patrick King vom Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory untersucht.

Die Forscher führten laut ihrer Publikation im Fachmagazin Acta Astronautica dazu eine Reihe von 3D-Simulationen durch, bei denen Asteroiden mit einer Größe von 30 Metern auf fünf unterschiedliche Umlaufbahnen um die Erde flogen. Diese interplanetaren Eindringlinge wurden dann mit Atombomben, die maximal eine Sprengkraft von einer Megatonne besitzen, gesprengt.

Erfolgreiche Abwehr von Asteroiden mit Atombomben

Laut den Ergebnissen der Simulation lassen sich kleinere Asteroiden tatsächlich mit Atombomben abwehren. Dazu müsste die Detonation aber mindestens zwei Monate vor dem geplanten Einschlagstermin stattfinden, damit die Asteroidenfragmente nicht mit der Erde kollidieren. Außerdem gibt es ein Restrisiko, weil einer falschen Berechnung der benötigen Sprengkraft große Bruchstücke entstehen könnten, die auf der Erde große Schäden verursachen würden.

Acta Astronautica, doi: 10.1016/j.actaastro.2021.07.034

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