Kupferbergbau

Steinhämmer in Spanien führen 8,2 Meter tief in die Bronzezeit

 Dennis Lenz

Steinhämmer in Spanien führen 8,2 Meter tief in die Bronzezeit
(Symbolbild, KI-generiert) Gerillte Steinhämmer gehören zu den auffälligsten Funden aus Las Minillas und machen die harte Arbeit im bronzezeitlichen Kupferbergbau unmittelbar sichtbar. Die Bronzezeit hinterließ dort Abbaugräben, Werkzeuge, Keramik und Holzkohle in demselben Fundzusammenhang. Chemische Analysen deuten darauf hin, dass Kupfer aus Südwestspanien in weitreichende europäische Austauschnetze gelangt sein kann. Die gezeigte Szene ist eine freie, sachlich orientierte Rekonstruktion und kein Foto des Fundplatzes. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Eine ausgegrabene Kupfermine im Südwesten Spaniens bewahrt hunderte steinerne Werkzeuge, tiefe Abbaugräben und Spuren eines saisonalen Bergbaulagers. Die Fundstelle Las Minillas gehört nach neuen Datierungen zu den größten sicher belegten Kupferminen der späten Bronzezeit auf der Iberischen Halbinsel. Chemische Vergleiche verbinden ihr Erz sogar mit einzelnen Bronzeobjekten aus dem hohen Norden Europas. Wie weit das Kupfer aus diesem trockenen Hügel wirklich reiste, ist nun die spannendste offene Spur.

Bei Granja de Torrehermosa in der Provinz Badajoz haben Archäologen eine prähistorische Bergbaulandschaft so detailliert vermessen, dass sich die Arbeitsschritte der Bronzezeit ungewöhnlich klar nachvollziehen lassen. Juan Latorre-Ruiz von der Durham University und ein internationales Team kombinierten Ausgrabungen, Bohrkerne, Magnetometermessungen, Keramik, Holzkohle und Metallanalysen. Im Zentrum liegt Las Minillas, ein unscheinbarer, trockener Geländerücken mit offen liegendem Quarz, Kupfermineralen und verfüllten Abbaugräben. Die jetzt in Antiquity veröffentlichte Untersuchung zu Las Minillas macht aus einzelnen Steinen und Ascheresten ein zusammenhängendes Bild früher Rohstoffgewinnung.

Schon an der Oberfläche fallen schwere, rundliche Hammersteine auf, deren eingearbeitete Rillen einst Seile oder Schäftungen fixierten. Zwischen ihnen liegen handgemachte Keramikscherben, Bruchstücke von Erz und dunkle Holzkohle aus den Arbeitsbereichen. Solche Kombinationen sind für Archäologen weit aussagekräftiger als ein einzelner Fund, weil Werkzeug, Lagerplatz und Abbau direkt miteinander verknüpft werden können. Eine ähnliche Frage nach den ersten Schritten der Metallverarbeitung stellt sich bei der ältesten Kupferwerkstatt Anatoliens, in der Rohmaterial, Zwischenprodukte und fertige Stücke gemeinsam erhalten blieben.

Las Minillas folgt einer 300 Meter langen Erzader

Der prähistorische Abbau orientierte sich an einem schmalen Vorkommen aus kupferhaltigem Gestein, Quarz und Calcit, das sich geradlinig durch den Hügel zieht. Statt große unterirdische Hallen zu schaffen, öffneten die Bergleute längliche Gräben direkt über der Erzader und arbeiteten sich von dort in den Fels. Geophysikalische Messungen und Bohrungen zeigen, dass diese alten Einschnitte heute vielfach wieder mit Schutt gefüllt sind und deshalb an der Oberfläche nur als leichte Geländeformen erscheinen. In einzelnen Bereichen erreichten die Arbeitszonen Breiten zwischen zwei und vier Metern, genug für mehrere Menschen, Werkzeug und abgetragenes Material.

Die Grabungen trennten drei funktionale Bereiche voneinander: den eigentlichen Abbau, eine Aufenthaltszone und einen Platz mit metallurgischen Resten. In der Siedlungszone fanden sich die Spuren einer runden Hütte mit Pfostenlöchern und Feuerstellen, deren Aufbau zu einem zeitweilig genutzten Lager passt. Das spricht für Arbeiter, die nicht dauerhaft am Erzvorkommen lebten, sondern für bestimmte Phasen anreisten und dort schliefen, kochten und ihre Geräte pflegten. Gerade dieser Alltag macht den Fund greifbar, denn neben dem harten Schlag auf Gestein gehörten Feuer, Keramikgefäße und einfache Unterkünfte zum Bergbau.

17 Datierungen setzen den Abbau in die späte Bronzezeit

Holzkohle aus den Abbaugräben und der benachbarten Aufenthaltszone liefert den zeitlichen Rahmen, der dem Fund seine besondere Bedeutung gibt. Die Radiokarbondatierung ordnet die sicher zugehörigen Proben in einen Zeitraum ungefähr zwischen 1350 und 750 vor Christus ein. Damit lässt sich der Bergbau nicht nur typologisch über Werkzeuge oder Keramik vermuten, sondern unmittelbar an organischem Material aus den Arbeitsbereichen festmachen. Mehrere Proben stammen aus verschiedenen Tiefen und Zonen, wodurch ein einzelnes zufällig verlagertes Stück Holzkohle als Erklärung zunehmend unwahrscheinlich wird.

Besonders anschaulich ist ein Bohrkern, der am Grund eines verfüllten Abbaugrabens verkohltes Material traf. In einem weiteren Bereich konzentrierte sich Holzkohle direkt an der Basis des Einschnitts. Das Team hält deshalb den Einsatz von Feuersetzen für plausibel: Holz wurde am Fels verbrannt, die Hitze erzeugte Spannungen im Gestein, anschließend ließ sich das spröde Material leichter zerschlagen. Diese Technik wäre für Menschen ohne moderne Sprengstoffe ein wirkungsvoller Weg gewesen, eine harte Erzader systematisch zu öffnen.

735 Steinhämmer machen die Arbeit im Gestein sichtbar

Unter den insgesamt 892 dokumentierten Steingeräten dominieren gerillte Hammersteine, deren Form aus anderen prähistorischen Bergwerken bekannt ist. Viele Stücke tragen deutliche Schlagspuren und abgerundete Flächen, die erst durch wiederholten Kontakt mit Fels entstehen. Ihre umlaufenden Rillen sind kein Schmuck, sondern eine technische Lösung, damit ein schwerer Stein beim Schlagen gehalten oder an einem Griff befestigt werden konnte. Zusammen mit den verfüllten Gräben entsteht so ein direktes Arbeitsbild: Erz wurde freigelegt, zerschlagen, herausgetragen und anschließend sortiert.

Die Menge dieser Werkzeuge erklärt, warum Las Minillas im Vergleich zu kleineren Fundstellen hervorsticht. Schon früher waren im Südwesten der Iberischen Halbinsel prähistorische Bergwerke bekannt, doch viele besitzen nur Oberflächenfunde oder unsichere Datierungen. Hier liegen Geräte, Arbeitsstrukturen und datierbare Holzkohle im selben archäologischen Zusammenhang. Der Fundplatz zeigt damit nicht bloß, dass Menschen Kupfer suchten, sondern wie intensiv sie einen bestimmten Erzgang erschlossen und welche Infrastruktur dafür nötig war.

Skandinavien liefert 11 passende Metallspuren

Für die größte Reichweite des Fundes sind weder Hammersteine noch Keramik entscheidend, sondern die chemische Signatur des Kupfers. Die Forscher verglichen Bleiisotope und Spurenelemente aus Erz, Schlacken und Metalltröpfchen von Las Minillas mit Daten von mehr als dreihundert skandinavischen Bronzeobjekten. Bei einer kleinen Gruppe passen die Messwerte zu den Proben aus dem spanischen Bergbaugebiet. Solche Übereinstimmungen können eine Herkunft eingrenzen, sie beweisen aber keinen direkten Transport eines einzelnen Barrens vom Bergwerk bis in den Norden.

Metall konnte eingeschmolzen, mit Kupfer anderer Herkunft vermischt, weiterverkauft und über viele Zwischenstationen verteilt werden. Genau deshalb sprechen die Autoren von einer möglichen Verbindung innerhalb eines weit verzweigten Austauschsystems. Bronze bestand aus Rohstoffen, die oft aus unterschiedlichen Regionen stammten, und Händler bewegten Barren, Fertigprodukte oder Altmetall über große Entfernungen. Wie selbstverständlich Kupfer bereits in der Bronzezeit Gegenstand von Qualitätsstreit und Fernhandel war, zeigt auch eine altbabylonische Beschwerde über gelieferte Kupferbarren aus Mesopotamien.

84 Fundplätze verändern das Bild des Kupferhandels

Las Minillas steht in einer Landschaft, in der zahlreiche weitere Orte mit alten Abbauspuren, Hammersteinen, Schlacken oder bronzezeitlicher Keramik bekannt sind. Nur ein kleiner Teil davon ist bisher so zuverlässig datiert, dass sich der Betrieb eindeutig der späten Bronzezeit zuweisen lässt. Die Autoren fassen deshalb mehrere südiberische Reviere vorsichtig als mögliches größeres Bergbaugebiet zusammen, dessen Bedeutung bisher unterschätzt worden sein könnte. Sollte ein größerer Teil dieser Fundstellen gleichzeitig aktiv gewesen sein, wäre der Südwesten der Halbinsel ein gewichtiger Lieferant im europäischen Metallnetz gewesen.

Die Größenordnung lässt sich nur mit breiten Unsicherheiten abschätzen. Frühere Berechnungen für Las Minillas reichen von einem Mindestwert von 49 Tonnen Kupfer über eine vorsichtigere Schätzung von 197 Tonnen bis zu einem optimistischen Szenario von 738 Tonnen. Zum Vergleich produzierte das prähistorische Revier Great Orme in Wales nach publizierten Modellen eine ähnliche Größenordnung, während der österreichische Mitterberg mit ungefähr 23.000 Tonnen weit darüber lag. Solche Vergleiche zeigen, dass Las Minillas kein isolierter Gigant Europas war, innerhalb Iberiens aber eine außergewöhnlich gut dokumentierte Stellung einnimmt.

Las Minillas bleibt bei der Verhüttung offen

Ein Bereich mit Schlacken und einer runden, stark erhitzten Struktur wirkt zunächst wie der passende Ort, um das gewonnene Erz direkt zu verhütten. Dort sammelte das Team etwa 300 Kilogramm knollige Schlacke ein, doch die Datierung brachte eine Überraschung: Mehrere Holzkohleproben gehören in die römische Zeit, eine weitere stammt aus dem islamischen Mittelalter. Nagetiere, Pflügen und die spätere Nutzung des Geländes haben die Schichten zusätzlich vermischt. Deshalb lässt sich die sichtbare Feuerstruktur derzeit nicht sicher mit dem bronzezeitlichen Bergbau verbinden.

Gerade diese Trennung schützt den Fund vor einer zu glatten Geschichte. Sicher belegt sind der prähistorische Abbau, die Werkzeuge und das zeitweilige Lager; offen bleibt, wo das Erz damals geröstet, aufbereitet oder zu Metall verarbeitet wurde. Künftige Analysen sollen deshalb weitere südiberische Minen datieren und ihre chemischen Fingerabdrücke mit Bronzeobjekten aus Europa vergleichen. Neue Proben aus bislang nur oberflächlich bekannten Revieren könnten entscheiden, ob Las Minillas ein außergewöhnlicher Einzelstandort war oder sichtbarer Mittelpunkt eines viel größeren Kupfernetzes.

Antiquity, Iberian copper and Bronze Age Europe: Late Bronze Age mining and supply at Las Minillas (Badajoz, Spain); doi:10.15184/aqy.2026.10438

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