In einer bronzezeitlichen Hausruine in der Westtürkei haben Archäologen rund 4.000 Jahre alte Hundepfotenabdrücke entdeckt. Die Spuren befinden sich auf einem Lehmziegel, der einst in einer Hauswand verbaut war. Ein Hund hatte die noch weiche Oberfläche betreten, bevor das Baumaterial trocknete. Ein späterer Brand zerstörte das Gebäude, doch die Abdrücke blieben im Schutt erhalten.
Der Fund stammt aus Tavşanlı Höyük in der türkischen Provinz Kütahya. Die Grabungen werden seit 2021 von einem Team unter Leitung von Erkan Fidan von der Bilecik Şeyh Edebali Universität durchgeführt. Der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy machte den Fund öffentlich. Die Angaben des türkischen Kulturministeriums beschreiben den Fundzusammenhang und die Herstellung des Ziegels.
Während große Ruinen vor allem von Gebäuden, Herrschaft und Zerstörung erzählen, dokumentiert der Lehmziegel einen kurzen, zufälligen Moment. Ein Tier lief über noch feuchtes Baumaterial. Was damals kaum jemand beachtet haben dürfte, lässt sich heute anhand der eingedrückten Oberfläche nachvollziehen.
Die Hundepfoten wurden nicht in Stein gemeißelt. Sie entstanden in einem Material, das vor dem Trocknen formbar war. Für Lehmziegel mischten die damaligen Bauleute Erde, Wasser und pflanzliche Bestandteile wie Stroh. Die Masse wurde geformt und anschließend in der Sonne getrocknet. Erst nach dem Aushärten eigneten sich die Ziegel für den Mauerbau.
Genau in dieser empfindlichen Phase muss das Tier den Ziegel betreten haben. Sein Gewicht drückte die Pfoten in die noch nachgiebige Oberfläche. Anschließend trocknete der Lehm und konservierte die Vertiefungen. Der Fund zeigt damit nicht nur die Anwesenheit eines Hundes, sondern auch eine kleine Begebenheit aus dem Arbeitsalltag einer bronzezeitlichen Siedlung.
Der gezeichnete Ziegel wurde später in einer Hauswand verwendet. Das Gebäude brannte während der Bronzezeit ab und stürzte ein. Zwischen den Trümmern blieb der Ziegel über Jahrtausende verborgen, bis ihn das Grabungsteam freilegte. Die Abdrücke überstanden damit mehrere Veränderungen: das Trocknen, den Einbau, die Zerstörung des Hauses und die lange Lagerung im Boden.
Wie stark der Brand das Material selbst veränderte, ist in der bisherigen Bekanntgabe nicht detailliert beschrieben. Auch eine genaue Datierungsmethode speziell für den einzelnen Ziegel wurde dort nicht genannt. Die Altersangabe von rund 4.000 Jahren beruht auf seiner Einordnung in den bronzezeitlichen Fundzusammenhang. Deshalb lässt sich aus den Pfotenabdrücken kein genauer Tag und kein einzelnes Jahr ableiten.
Der Fundort liegt in Westanatolien und zählt zu den bedeutenden bronzezeitlichen Siedlungsplätzen der Region. Tavşanlı Höyük umfasst nach Angaben zur Ausgrabung etwa 45 Hektar. Solche Siedlungshügel entstehen, wenn Menschen über lange Zeit an derselben Stelle bauen, wohnen und ältere Gebäudereste überdecken. Dadurch lagern sich mehrere Siedlungsphasen übereinander.
Die Untersuchungen konzentrieren sich nicht nur auf einzelne Gegenstände. Hausgrundrisse, Mauern, Brandschichten und Keramik können zeigen, wie eine Siedlung organisiert war und welche Veränderungen sie erlebte. Auch andere archäologische Fundplätze liefern mit alltäglichen Materialien überraschende Einblicke: So sind in Bielefeld Reste eines rund 2.000 Jahre alten Hofes unter einer Baugrube zum Vorschein gekommen.
Hunde lebten schon lange vor der Bronzezeit mit Menschen zusammen. Die Pfotenabdrücke in Tavşanlı Höyük belegen aber zunächst nur, dass ein Hund über das weiche Baumaterial lief. Ob das Tier zu einer bestimmten Familie gehörte, eine Herde bewachte, bei der Jagd half oder frei durch die Siedlung streifte, geht daraus nicht hervor. Auch Größe, Rasse und Alter lassen sich ohne veröffentlichte Messdaten nicht seriös bestimmen.
Gerade diese Grenze macht den Unterschied zwischen einem archäologischen Beleg und einer ausgeschmückten Geschichte deutlich. Die Vertiefungen sind eine unmittelbare Spur tierischer Bewegung. Aussagen über den Alltag des Tieres erfordern zusätzliche Befunde, etwa Knochen, weitere Fußspuren oder Hinweise auf die Nutzung von Gebäuden. Vergleichbar unscheinbare Zeugnisse können auch ganz andere Aspekte früherer Lebenswelten erschließen: Fingerabdrücke auf Figuren der Terrakottaarmee geben Hinweise auf Menschen, die an ihrer Herstellung beteiligt waren.
Der Lehmziegel macht sichtbar, wie zufällig archäologische Zeugnisse entstehen können. Niemand musste die Abdrücke absichtlich anbringen oder eine Botschaft für spätere Generationen hinterlassen. Die Kombination aus weichem Material, einem vorbeilaufenden Hund, anschließender Trocknung und späterer Überdeckung reichte aus, um den Moment zu bewahren.
Für die Ausgrabung ist der Fund deshalb eine Ergänzung zu den großen Fragen nach Siedlungsentwicklung, Bauweise und Zerstörung. Er verknüpft die Architektur der Bronzezeit mit einer alltäglichen Bewegung, die sich bis heute erkennen lässt. Ausgerechnet ein Ziegel aus dem Schutt eines zerstörten Hauses hält eine der unmittelbarsten Spuren früheren Lebens fest.
Republik Türkiye, Ministerium für Kultur und Tourismus, Bekanntgabe der Pfotenabdrücke von Tavşanlı Höyük
Mit KI-Unterstützung erstellt
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