Goldfund

Gold in byzantinischem Schiffswrack vor Kroatien gefunden

 Dennis Lenz

Gold in byzantinischem Schiffswrack vor Kroatien gefunden
(Symbolbild). Vor der Insel Mljet in der südlichen Adria liegt ein Schiffswrack aus dem 7. oder 8. Jahrhundert in 32 bis 40 Metern Tiefe. Neun Grabungskampagnen haben dort Goldschmuck, Kaisermünzen und einen Siegelring zutage gefördert. Der Fund gilt als der goldreichste Wrackfund des gesamten Mittelmeerraums und wirft die Frage auf, wer an Bord dieses Handelsschiffs reiste. (Foto: © Forschung und Wissen)

Vor der kroatischen Insel Mljet liegt in 32 bis 40 Metern Tiefe ein Schiffswrack aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, das Taucher seit einem Jahrzehnt Stück für Stück freilegen. Nach Reinigung und Restaurierung wiegen die geborgenen Goldobjekte zusammen mehr als 600 Gramm. Dazu gehören vier goldene Gürtelgarnituren mit Smaragden, Rubinen und Perlen sowie ein Siegelring mit dem Bildnis eines Kaisers. Ringe dieser Art blieben einem sehr kleinen Kreis vorbehalten, und daraus ergibt sich die eigentliche Frage dieses Fundes.

Die Adria war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem östlichen und dem westlichen Mittelmeer, und jedes Schiffswrack auf dieser Route ist ein Datenpunkt in einer sonst schlecht dokumentierten Epoche. Das 7. und 8. Jahrhundert gilt in der Mittelmeerforschung als besonders quellenarm, weil schriftliche Zeugnisse über Handel, Verwaltung und Reisebewegungen weitgehend fehlen. Das Byzantinische Reich beherrschte damals große Teile des östlichen Mittelmeers, geriet an seinen Rändern aber massiv unter Druck, und wie zuverlässig der Seeverkehr in dieser Umbruchphase noch funktionierte, war lange offen. Die Unterwasserarchäologie arbeitet dabei mit einer besonderen Datenlage. Ein gesunkenes Schiff konserviert einen einzigen Moment und nicht, wie eine Siedlung, viele Jahrhunderte übereinander. Ladung, Ausrüstung und persönliche Gegenstände liegen im günstigen Fall noch so beieinander, wie sie beim Untergang verstaut waren, und lassen sich deshalb als geschlossener Zusammenhang lesen.

Vor Mljet wird seit 19 Jahren systematisch gesucht. In diesem Zeitraum wurden 20 bislang unbekannte Fundstellen dokumentiert, deren Datierungen vom 2. Jahrhundert vor Christus bis ins 16. Jahrhundert reichen. Die Fundstelle mit dem Namen Tatinica wurde 2014 entdeckt, die eigentlichen Grabungen begannen 2015, und bis heute sind neun Kampagnen abgeschlossen. Gearbeitet wird an einem sandigen Hang zwischen Felsen, in einer Tiefe zwischen 32 und 40 Metern, was pro Tauchgang nur eine begrenzte Arbeitszeit erlaubt. Vom Rumpf selbst ist wenig übrig geblieben, erhalten sind wassergesättigte Reste von Kiel, Spanten und Beplankung. Aus diesen Resten und aus der Verteilung der Ladung am Meeresboden lässt sich ein mittelgroßes Handelsschiff von rund 18 Metern Länge mit einer Tragfähigkeit um 60 Tonnen rekonstruieren. Wie gut sich Holz unter günstigen Bedingungen halten kann, zeigt das nahezu vollständig erhaltene Wrack im Schwarzen Meer, dessen Zustand allerdings auf sauerstoffarmes Tiefenwasser zurückgeht.

Warum dieses Schiffswrack vor Mljet als Ausnahmefund gilt

Den Kern der Funde bilden vier goldene Gürtelgarnituren mit Schnallen und Riemenzungen, die mit Smaragden, Rubinen und Perlen besetzt sind. Solche Beschläge schmückten die Ledergürtel hoher Würdenträger und markierten Rang und Amt, wie die zuständige Denkmalbehörde in ihrer Mitteilung zu den Grabungsergebnissen ausführt, in dieser Zusammenstellung waren sie im Mittelmeerraum bislang nicht belegt. Hinzu kommen Goldmünzen von vier Kaisern der Heraklios-Dynastie, die eine ungewöhnlich enge zeitliche Eingrenzung des Untergangs erlauben. Zusammengenommen ergibt der Goldschatz nach der Restaurierung ein Gewicht von mehr als 600 Gramm, und das ist nach Angaben der Grabungsleitung die größte Goldmenge, die bisher aus einem Wrack im gesamten Mittelmeer geborgen wurde. Zum Vergleich fehlt schlicht ein zweiter Fall, denn das einzige weitere bekannte byzantinische Wrack der Adria stammt erst aus dem 11. Jahrhundert.

Ein Siegelring als Spur zum Passagier

Besondere Aufmerksamkeit zieht ein goldener Siegelring mit dem Bildnis eines Kaisers auf sich. Ringe dieser Bauart waren keine Zierstücke, sondern Werkzeuge der Verwaltung. Mit ihnen wurden Urkunden und Schreiben versiegelt, und die Befugnis dazu lag bei einem eng begrenzten Kreis hochrangiger ziviler oder militärischer Amtsträger. Aus der bloßen Anwesenheit des Rings an Bord folgt deshalb entweder, dass ein solcher Amtsträger selbst mitreiste, oder dass der Ring als diplomatisches Geschenk transportiert wurde. Beide Deutungen verändern den Charakter des Fundes grundlegend, weil sie aus einem gewöhnlichen Frachter ein Fahrzeug offizieller Mobilität machen. Die Heraklios-Dynastie, deren Begründer zwischen 610 und 641 regierte, fällt genau in eine Phase, in der das Byzantinische Reich seine Verwaltung unter militärischem Druck neu ordnen musste. Ein Beamter mit Siegelbefugnis auf einem Schiff in der Adria wäre damit ein direkter Beleg dafür, dass die Verbindungen zwischen Zentrum und Peripherie weiter bespielt wurden.

Fracht Route und der Weg in die Bucht von Polace

Neben den Luxusobjekten führte das Schiff eine ausgesprochen gemischte Ladung mit sich. Dokumentiert sind Amphoren, Feinwaagen für Edelmetall, große Handelswaagen, Gewichte für Fischernetze, Spielsteine aus Elfenbein, Würfel sowie Geschirr in Formen, die auf eine Besatzung aus verschiedenen Regionen des Mittelmeers hindeuten. Diese Kombination aus Handelsgut, Bordalltag und Repräsentationsgold ist der eigentliche Grund für die Einordnung als Ausnahmefund. Mljet liegt an einer der zentralen Seerouten zwischen Ost und West, und die vorgelagerte Bucht diente über Jahrhunderte als geschützter Nothafen, an dem sich zusätzlich eine spätantike Palastanlage befand. Die Fachleute gehen davon aus, dass das Schiff bei schlechtem Wetter genau diesen Ankerplatz ansteuerte und ihn nicht mehr erreichte. Wie stark moderne Tauchtechnik den Blick auf lange bekannte Fundstellen verändert, zeigte die erneute Untersuchung des Antikythera-Wracks, bei der sich der Umfang der Ladung deutlich nach oben korrigierte.

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