Handel der Bronzezeit

4.500 Jahre alte Krüge verraten ein Geheimnis vor Kekova

 Dennis Lenz

4.500 Jahre alte Krüge verraten ein Geheimnis vor Kekova
(Symbolbild) Reste der versunkenen lykischen Stadt an der Küste von Kekova. Vor dieser Küste lagen die Keramikgefäße eines mutmaßlich 4.400 bis 4.700 Jahre alten Schiffswracks. (Foto: © Gisela s, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Vor der türkischen Insel Kekova liegen Keramikgefäße, die nach vorläufiger Datierung rund 4.400 bis 4.700 Jahre alt sind. Sie gehörten vermutlich zur Ladung eines Handelsschiffes, dessen Holz längst vergangen ist. Einige Krüge enthalten noch sichtbare Rückstände ihrer einstigen Fracht. Was die Gefäße über eine Seereise aus der Zeit der ägyptischen Pyramiden verraten, wird nun Stück für Stück untersucht.

In den Gewässern vor Kekova an der türkischen Mittelmeerküste haben Unterwasserarchäologen die Ladung eines mutmaßlich rund 4.500 Jahre alten Schiffswracks geborgen. Das Besondere liegt in den großen Tonkrügen, deren Formen bis in die frühe Bronzezeit zurückreichen und deren Inhalt teilweise Spuren hinterlassen hat. Ein Team unter Leitung des Archäologen Hakan Öniz von der Akdeniz-Universität untersucht die Fundstelle, die bereits 2024 entdeckt wurde.

Zwischen Felsen liegt die Keramik an einem unterseeischen Hang; Taucher mussten die Gefäße behutsam von Bewuchs und festhaftenden Ablagerungen befreien. Die Archäologin Karin Sowada von der Macquarie University half bei der zeitlichen Einordnung der Tongefäße. In einem Bericht aus dem beteiligten Forschungsteam erläutert sie, warum gerade diese Fracht die Handelsgeschichte des östlichen Mittelmeers verändern könnte.

Vor Kekova liegen Krüge aus bis zu 4.700 Jahren Vergangenheit

An den großen Gefäßen fallen der ovale Körper, zwei Henkel und teilweise ein umlaufender Wulst aus Ton auf. Solche Formen sind für Archäologen wertvolle Vergleichsstücke, weil sie in mehreren Regionen der frühen Bronzezeit nachgewiesen wurden. Die vorläufige Datierung der Ladung reicht ungefähr von 2700 bis 2400 vor Christus; die genaue Einordnung bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Nach Angaben des Grabungsteams dürfte das verschwundene Handelsschiff ungefähr zehn Meter lang gewesen sein. Sein hölzerner Rumpf hat die Jahrtausende im Meer nicht überstanden, während gebrannter Ton am felsigen Meeresgrund erhalten blieb. Für die Geschichte der Seefahrt ist diese Kombination besonders aufschlussreich: Die Fracht markiert eine Reise, deren Route und Ziel sich bislang nur anhand einzelner Hinweise rekonstruieren lassen.

Ein Tonwulst führt die Spur ins Jordantal

Ein Teil der sogenannten Gürtelgefäße ähnelt Keramik, die aus dem zentralen Jordantal bekannt ist. Daraus ergibt sich eine mögliche Verbindung zwischen der Levante und der südlichen Küste Anatoliens, die über das Meer Waren austauschten. Ob die Krüge selbst dort hergestellt wurden oder lediglich Ton aus dieser Region verwendet wurde, müssen weitere Analysen klären.

Vergleichbare Gefäßformen sind auch aus Ägypten, Kreta und dem Gebiet des antiken Troja bekannt. Damit zeichnet sich ein Netz von Kontakten ab, das bereits während der Bauzeit der großen ägyptischen Pyramiden unterschiedliche Küsten miteinander verband. Der Fund ergänzt andere frühe Belege für Seeverbindungen, darunter die Entdeckung eines außergewöhnlich gut erhaltenen Schiffswracks im Schwarzen Meer, dessen Erhaltungsbedingungen allerdings ganz anders waren.

Rückstände in den Krügen bewahren eine 4.500 Jahre alte Fracht

Besonders bemerkenswert sind Rückstände, die in einigen geborgenen Gefäßen noch mit bloßem Auge erkennbar waren. Als mögliche Handelswaren kommen Olivenöl, Wein oder Baumharz infrage, doch ihre genaue Zusammensetzung muss erst naturwissenschaftlich untersucht werden. Solche Analysen könnten klären, welche Produkte das Schiff transportierte und ob die Ladung aus mehreren Häfen stammte.

Ein Gefäß fällt durch neun Markierungen und zwei Öffnungen im Körper auf. Türkische Fachleute erwägen, ob es zur Verarbeitung von Milchprodukten verwendet wurde, etwa zum Schlagen von Butter. Diese Deutung ist vorläufig; entscheidend wären passende Gebrauchsspuren und chemische Rückstände an der Innenseite des Gefäßes.

Zwischen zwei Inseln rekonstruieren Archäologen die letzte Fahrt

Die Fundstelle liegt zwischen Inseln an einem felsigen Abschnitt der Küste. Nach Einschätzung der beteiligten Archäologen könnte das Schiff während schlechten Wetters Schutz gesucht haben und dabei gegen Felsen geraten sein. Für einen solchen Ablauf sprechen Lage und Verteilung der Fracht, während Augenzeugenberichte oder erhaltene Schiffsteile fehlen.

Schon ältere Schiffswracks verdeutlichen, wie unterschiedlich die Spuren einer Seereise erhalten bleiben können. Ein römisches Wrack vor Sizilien liefert beispielsweise Zeugnisse einer wesentlich späteren Handelswelt. Bei Kekova reicht die Spur dagegen in eine Epoche, aus der bislang nur wenige unmittelbare Zeugnisse des mediterranen Schiffsverkehrs bekannt sind.

Eine Prüfung entscheidet über den Rekord von Kekova

Das Team hält die Fundstelle für einen Kandidaten auf das älteste bekannte Schiffswrack der Welt. Bisher galt unter anderem das etwa 4.200 Jahre alte Wrack von Dokos vor Griechenland als besonders früher Nachweis. Für Kekova sind die Datierung und die Deutung der Keramikladung bislang vorläufig; eine begutachtete wissenschaftliche Gesamtpublikation der neuen Ergebnisse steht noch aus.

Am Meeresgrund bleiben vor allem die bauchigen Tongefäße und ihre auffälligen Wülste als greifbare Spuren zurück. Sobald die Analysen der Rückstände und des Tons abgeschlossen sind, lässt sich genauer sagen, was in diesen Krügen steckte und welchen Weg ihre letzte Reise nahm.

Akdeniz University und Macquarie University, Archaeologists may have just found the world’s oldest shipwreck

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