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Die 10 aktivsten Vulkane der Welt: Einer schweigt seit 1918

Die 10 aktivsten Vulkane der Welt: Einer schweigt seit 1918
(Symbolbild) Die aktivsten Vulkane der Welt lassen sich nicht am Bekanntheitsgrad messen, sondern an der Zahl belegter Ausbrüche im Katalog des Smithsonian Global Volcanism Program. Zehn von ihnen kommen dort auf mehr als hundert Eruptionen, verteilt von Japan über Kamtschatka bis nach Chile. Wie kurz die Abstände zwischen zwei Eruptionen ausfallen, hängt am Bau des Schlots und am Nachschub aus der Tiefe. Ein Name in dieser Zehnergruppe fällt selbst Kennern zuerst als Widerspruch auf. (Foto: © Forschung und Wissen)

Auf einer französischen Insel im Indischen Ozean steht ein Berg, der seit dem 17. Jahrhundert fast 200 Mal ausgebrochen ist. Er führt die Rangliste der aktivsten Vulkane der Welt an, obwohl ihn außerhalb der Fachwelt kaum jemand kennt. Nur zehn Vulkane überhaupt kommen im Katalog des Smithsonian Global Volcanism Program auf mehr als hundert belegte Ausbrüche. Einer von ihnen hat seit 1918 nicht mehr die Eisdecke über seinem Krater durchbrochen und steht trotzdem weit oben in dieser Liste.

Rund 1.350 Vulkane auf der Erde gelten als potenziell aktiv, weil sie in den vergangenen etwa 11.700 Jahren mindestens einmal ausgebrochen sind. Etwa 500 davon haben in historischer Zeit eine Eruption geliefert, 50 bis 70 brechen in einem durchschnittlichen Jahr aus, und zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind ungefähr 20 gleichzeitig tätig. Aus dieser Masse sticht eine kleine Gruppe hervor, deren Mitglieder nicht alle paar Jahrhunderte, sondern alle paar Monate oder Jahre Material fördern. Wer wissen will, wie oft ein Vulkanausbruch an einem bestimmten Berg zu erwarten ist, kommt an dieser Gruppe nicht vorbei. Ihre Namen tauchen in Schlagzeilen trotzdem selten auf, weil ihre Eruptionen meist klein bleiben und weil mehrere von ihnen weit entfernt von größeren Städten liegen.

Die Zählung selbst ist heikel, denn Aktivität lässt sich auf mindestens drei Arten messen. Man kann die Zahl einzelner Ausbrüche zählen, die Dauer ununterbrochener Tätigkeit oder das geförderte Volumen. Je nach Maßstab gewinnen andere Berge. Die verbreitetste Grundlage liefert die Datenbank Volcanoes of the World des Smithsonian Global Volcanism Program, die für jeden Vulkan alle belegten Eruptionen des Holozäns führt und deren Stand von 2025 diesem Text zugrunde liegt. Nach dieser Zählung überschreiten genau zehn Vulkane die Marke von hundert belegten Ausbrüchen, alle übrigen bleiben darunter. Die Zehnergruppe verteilt sich über vier Kontinente und enthält berühmte Namen ebenso wie Berge, die in Berichten über Vulkane praktisch nie auftauchen.

Die aktivsten Vulkane der Welt kommen auf mehr als 100 Ausbrüche

Zehn Vulkane überschreiten hundert belegte Ausbrüche: Piton de la Fournaise (197), Asosan (172), Villarrica (152), Ätna (147), Asamayama (129), Katla (128), Klyuchevskoy (111), Mauna Loa (110), Merapi (106) und Sheveluch (102). Damit sind sie die aktivsten Vulkane der Welt, gemessen an der Zahl einzelner Eruptionen.

Diese Zahlen stammen aus einem Katalog, der jede belegte Eruption der vergangenen rund 11.700 Jahre erfasst, also auch solche, die erst aus Ascheschichten im Boden erschlossen wurden. Dadurch entstehen Verzerrungen, die man kennen muss. Vulkane in dicht besiedelten Regionen mit langer Schriftkultur wie Sizilien oder Kyushu erscheinen häufiger, weil dort seit Jahrhunderten jemand mitschreibt. Berge in Alaska, auf dem Meeresboden oder im Inneren Kamtschatkas waren womöglich ebenso rege, hinterließen aber keine Aufzeichnungen. Umgekehrt zählt eine Eruption, die 35 Jahre am Stück dauert, genauso wie eine, die nach zwei Tagen endet. Die Rangliste misst also die Häufigkeit einzelner Ereignisse und weder die Menge der Lava noch die Zerstörungskraft.

Piton de la Fournaise bricht im Schnitt alle acht bis neun Monate aus

Der Spitzenreiter liegt weit abseits des pazifischen Feuerrings. Piton de la Fournaise erhebt sich im Südosten der französischen Insel Réunion, ist über 530.000 Jahre alt und hat seit dem 17. Jahrhundert mehr als 150 Ausbrüche geliefert, fast alle mit dünnflüssiger Basaltlava. Über die vergangenen Jahrzehnte lag der Abstand zwischen zwei Eruptionen im Mittel bei acht bis neun Monaten, gelegentlich meldete sich der Berg zweimal im selben Jahr. Nahezu alles Material bleibt innerhalb einer nach Osten offenen Senke, weshalb die Ausbrüche für Anwohner selten gefährlich werden. Im April 2007 sackte der Gipfelkrater Dolomieu bei einer Eruption um mehrere hundert Meter ab, ein Vorgang, den das Observatorium auf der Insel in Echtzeit aufzeichnete.

Deutlich seltener, dafür in ganz anderer Größenordnung, meldet sich der Mauna Loa auf Hawaii, der größte aktive Vulkan der Erde. Seit dem ersten gut dokumentierten Ausbruch im Jahr 1843 wurden 34 Eruptionen gezählt, im Mittel eine alle fünf Jahre, vor 1950 sogar eine alle dreieinhalb Jahre. Dann folgte die längste bekannte Ruhephase des Berges, denn zwischen 1984 und 2022 geschah nichts. Beim Ausbruch von 1984 war ein Lavastrom bis auf gut sieben Kilometer an die Stadt Hilo herangekommen. Die Eruption vom November 2022 blieb dagegen im Gipfelbereich und an der Nordostflanke und erreichte keine Siedlung.

Asosan und Asamayama stehen seit dem Jahr 553 in den Chroniken

Der japanische Asosan besitzt die längste geschriebene Ausbruchsgeschichte der Welt. Der Kegel Nakadake in der 24 Kilometer weiten Caldera auf Kyushu war im Jahr 553 Schauplatz der ersten in Japan schriftlich festgehaltenen Eruption, und seither wurden mehr als 150 Ausbrüche notiert. In den vergangenen Jahrzehnten lagen zwischen zwei Eruptionsphasen einige Jahre bis rund zwei Jahrzehnte, dazwischen stößt der Krater immer wieder Asche aus. Im Oktober 2016 stieg eine Aschesäule fast zwölf Kilometer hoch. Der Kraterrand ist über eine Mautstraße und eine Seilbahn erreichbar und gehört zu den meistbesuchten Zielen der Insel, was 1953 sechs Besuchern das Leben kostete, als eine Explosion Gesteinsbrocken über den Rand schleuderte.

Der Asamayama nordwestlich von Tokio kommt auf 129 belegte Ausbrüche und raucht beinahe ständig, doch seine folgenschwerste Eruption liegt lange zurück. Von Mai bis August 1783 förderte er Lava und Glutwolken und schließlich einen Schlammstrom, der das Dorf Kanbara begrub. Etwa 1.500 Menschen starben, viele davon in den Massen, die über den Agatsuma bis in den Tone-Fluss liefen und dessen Flussbett auf 200 Kilometern anhoben. Die Asche verdunkelte über Monate den Himmel im Norden Japans und verschärfte eine Hungersnot, die als Tenmei-Hungersnot in die Geschichte einging. Die japanische Wetterbehörde registriert am Asamayama bis heute regelmäßig kleine Explosionen, die den Kraterbereich kaum verlassen.

Der Ätna schleuderte 2021 in sechs Wochen 17 Lavafontänen aus

Der Ätna auf Sizilien steht mit 147 belegten Ausbrüchen an vierter Stelle, und seine Schriftquellen reichen bis 1500 vor Christus zurück. Seit 1986 haben Fachleute mehr als 240 sogenannte Paroxysmen gezählt, also kurze, heftige Episoden mit Lavafontänen und hohen Aschesäulen. Besonders dicht folgten sie zwischen dem 16. Februar und dem 1. April 2021 aufeinander: 17 solcher Episoden in gut sechs Wochen, im Mittel alle zweieinhalb Tage eine. Die Fontänen erreichten bis zu 1.000 Meter Höhe, die Aschewolken stiegen zehn bis elf Kilometer hoch, und der Flughafen von Catania musste mehrfach schließen. Rund um den Berg leben etwa eine Million Menschen.

Auf der Südhalbkugel hält der Villarrica in Chile mit 152 belegten Ausbrüchen den Spitzenplatz, der erste schriftlich festgehaltene Ausbruch datiert auf das Jahr 1558. Der Berg gehört zu den wenigen Vulkanen der Erde, in deren Krater zeitweise ein offener Lavasee steht, dessen Pegel über Monate steigt und wieder fällt. Der chilenische Geologiedienst stuft ihn als den Vulkan mit dem höchsten Ausbruchsrisiko des Landes ein, weil der Ferienort Pucón nur wenige Kilometer entfernt liegt und weil Gletschereis am Gipfel bei einer Eruption zu Schlammströmen führt. Im März 2015 schoss eine Aschewolke gut neun Kilometer hoch, mehr als 3.000 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Klyuchevskoy, Sheveluch und Merapi brechen in kurzen Abständen aus

Mit 4.754 Metern ist der Klyuchevskoy der höchste aktive Vulkan Eurasiens, und er kennt kaum längere Pausen. Der Katalog führt 111 belegte Ausbrüche, allein seit dem Jahr 2000 waren es über ein Dutzend, was im Schnitt etwa alle ein bis zwei Jahre eine Eruption ergibt. In den vergangenen 3.000 Jahren öffneten sich zusätzlich mehr als 100 Schlote an den Flanken zwischen 500 und 3.600 Metern Höhe. Der Berg fördert nach Schätzungen etwa die Hälfte des gesamten frischen Magmas, das die rund 70 Vulkane des Kurilen-Kamtschatka-Bogens zusammen liefern. Seine Aschewolken sind vor allem für den Flugverkehr über dem Nordpazifik ein Problem.

Etwa 80 Kilometer nördlich liegt der Sheveluch mit 102 belegten Ausbrüchen, und er arbeitet nach einem anderen Muster. Sein zähflüssiger Andesit staut sich zu einem Dom auf, der wächst, instabil wird und schließlich zusammenbricht. Seit 1999 wächst dieser Dom nahezu ununterbrochen, unterbrochen von Kollapsen, die heiße Block- und Aschenströme durch die Täler jagen. Beim Ausbruch im November 1964 rutschte ein großer Teil des Doms ab, und eine Aschesäule stieg 15 Kilometer hoch. Weil in der Umgebung kaum jemand wohnt, bleiben die Folgen meist auf Ascheregen in den Siedlungen Kljutschi und Kosyrewsk beschränkt.

Der Merapi auf Java bringt es auf 106 belegte Ausbrüche und ist der gefährlichste Berg dieser Zehnergruppe. Im 20. Jahrhundert folgten seine Eruptionen im Abstand von vier bis sechs Jahren, meist als Wachstum eines Lavadoms mit anschließendem Kollaps und Glutwolken, die selten weiter als acht bis zehn Kilometer reichen. An seinen Hängen leben etwa 1,6 Millionen Menschen, die Millionenstadt Yogyakarta liegt 25 bis 30 Kilometer entfernt. Der Ausbruch vom Oktober und November 2010 war der stärkste seit über einem Jahrhundert, forderte mehr als 340 Todesopfer und zwang fast 350.000 Menschen zur Flucht. Rechtzeitige Warnungen der indonesischen Behörde retteten nach Einschätzung des US-amerikanischen Geologiedienstes 10.000 bis 20.000 Leben.

Katla schweigt seit 1918 und steht trotzdem in der Liste

Der auffälligste Eintrag ist die Katla unter dem isländischen Gletscher Mýrdalsjökull. Der Katalog führt 128 belegte Ausbrüche, doch der letzte, der die bis zu 700 Meter dicke Eisdecke durchschlug, ereignete sich im Oktober 1918. Der Widerspruch löst sich in der Zählweise auf, denn die hohe Zahl umfasst auch prähistorische Eruptionen des gesamten, rund 80 Kilometer langen Spaltensystems, die aus Ascheschichten rekonstruiert wurden. Seit der Besiedlung Islands sind dagegen mindestens 21 Ausbrüche belegt, im Mittel einer alle 50 Jahre. Die Ruhephase seit 1918 ist damit die längste, die für diesen Vulkan dokumentiert ist. Die Flut aus geschmolzenem Eis schob die Südküste damals stellenweise fünf Kilometer ins Meer hinaus.

Am Ende steht ein Muster, das sich durch die gesamte Zehnergruppe zieht: Wer oft ausbricht, bricht selten groß aus. Ein offener Schlot lässt Gas und Magma laufend entweichen, sodass sich kein extremer Druck aufbaut. Die verheerendsten Eruptionen der Erdgeschichte stammen deshalb von Systemen mit langen Ruhephasen, etwa von einem Supervulkan wie dem unter dem Yellowstone-Nationalpark. Wer die Rangliste anders zusammenstellt, erhält andere Sieger: Der Stromboli explodiert seit rund 2.000 Jahren im Abstand von Minuten, der Yasur auf Vanuatu seit etwa 800 Jahren, und der Kilauea auf Hawaii war von 1983 bis 2018 durchgehend tätig. In der Zählung nach einzelnen Ereignissen taucht keiner von ihnen unter den ersten zehn auf.

Smithsonian Institution, Global Volcanism Program, Volcanoes of the World; doi:10.5479/si.GVP.VOTW5-2025.5.3
Remote Sensing, Mt. Etna Paroxysms of February-April 2021 Monitored and Quantified through a Multi-Platform Satellite Observing System; doi:10.3390/rs13163074

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