Artenvielfalt und Co.

Wie beeinflussen Solarparks ihre lokalen Ökosysteme?

 Robert Klatt

Solarpark auf einer landwirtschaftlichen Fläche )kcotS ebodAnain gnoy iug(Foto: © 

Solarparks werden global stark ausgebaut, stehen aber oft in der Kritik, weil sie der Umwelt schaden sollen. Eine umfassende Metastudie hat nun ihre Auswirkungen analysiert.

Lancaster (England). Solarparks stehen in Deutschland oft in der Kritik, weil sie der Artenvielfalt schaden sollen, obwohl kürzlich Wissenschaftler um den Biologen Dr. Tim Peschel eine im Auftrag des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft e.V. (bne) erstelle Studie publiziert haben, laut der Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen die Artenvielfalt erhöhen und nicht reduzieren. Während die Studie sich ausschließlich auf Deutschland bezogen hat, haben nun Forscher der Lancaster University eine weitere Metastudie veröffentlicht, die die Auswirkungen von Solarparks auf Ökosysteme in unterschiedlichen Ländern untersucht hat.

Laut der Publikation im Fachmagazin Environmental Research Letters hat die Metastudie anhand ihrer 194 Studien analysierten Studien 306 positive und 316 negative Einflüsse großflächiger Solarparks identifiziert. Die untersuchten Solaranlagen stammen vor allem aus den U.S.A., China, Italien und Frankreich und lagen überwiegend in gemäßigten Klimazonen. Es ist somit denkbar, dass noch weitere positive und negative Einflüsse bestehen, die aber eher in trockenen oder kontinentalen Klimazonen auftreten.

Artenvielfalt und Bodenerosion

Die Metaanalyse zeigt, dass ein Großteil der Solarparks die Artenvielfalt und den Erhalt von natürlichen Lebensräumen beeinträchtigt. Ein Großteil der Solarparks hat aber auch positive Einflüsse auf die Umwelt, darunter eine reduzierte Bodenerosion, einen verbesserten Wasserhaushalt und eine höhere Anzahl an bestäubenden Insekten.

Ob ein Solarpark der Umwelt überwiegend schadet oder nützt, hängt vor allem von seinem Standort ab. Wenn es dabei um eine ehemals landwirtschaftliche Fläche handelt, sinkt in gemäßigten Klimazonen die Nahrungsmittelproduktion und die Früchte haben ein geringeres Wachstum sowie eine geringere Nährstoffdichte. Solarparks auf Weideflächen in trockenen Gebieten reduzieren hingegen die Bodentemperatur und fördern dadurch das Pflanzenwachstum. Zudem profitieren von Anlagen in diesen Regionen auch die Tiere, weil der Schatten der Solaranlagen sie von der Sonne schützt. Solaranlagen in Wüsten verursachen jedoch einen gegenteiligen Effekt und erhöhen die Oberflächentemperatur in ihrer Umgebung.

Solaranlagen auf minderwertigen Flächen

Die Metastudie zeigt zusammenfassend, dass große Solaranlagen vor allem auf minderwertigen Flächen installiert werden sollten, weil diese davon profitieren. Sinnvoll ist zudem die Installation auf stark genutzten landwirtschaftlichen Flächen, weil Solaranlagen dort dazu führen, dass diese mehr Nährstoffe und Wasser einspeichern. Großflächige Solaranlagen über gesunden, landwirtschaftlichen Flächen sind hingegen eher negativ, weil sie deren Produktivität reduzieren.

Die Forscher erklären jedoch, dass trotz des großen Umfangs der Metaanalyse noch immer Wissenslücken bestehen, etwa zu den Auswirkungen bei der Installation und der Demontage der Solaranlagen. Es sind deshalb weitere Langzeitstudien nötig, um die Gesamtauswirkungen der Solaranlagen auf die Umwelt besser verstehen zu können.

Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/ada45b

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