Umweltverschmutzung

Waldsterben durch Mikroplastik?

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • Bäume absorbieren über ihre Wurzeln aus dem Boden Mikroplastik
  • Die Partikel werden über die Wasserleitungsbahnen der Pflanzen (Xylem) bis in die Blätter verteilt 
  • Dies könnte die Energie- und Zuckerversorgung  oder die Photosynthese stören und damit das Waldsterben fördern

Mikroplastik ist in allen Ökosystemen der Erde zu finden. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass die Partikel auch das Waldsterben fördern könnten.

Birmensdorf (Schweiz). In den letzten Jahren hat die Forschung Mikroplastik in praktisch allen Ökosystemen der Erde entdeckt. Auch im Blut des Menschen und in seinen Organen wurden die kleinen Plastikpartikel inzwischen nachgewiesen. Welche Auswirkungen Mikroplastik auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen und die Nahrungsketten hat, ist bisher noch kaum bekannt. Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) belegt nun, dass sogar Bäume über ihre Wurzeln Mikroplastik aus dem Boden aufnehmen und weiter in ihre oberirdischen Pflanzenteile transportieren.

Laut der Publikation im Fachmagazin iForest sind die dabei aufgenommenen Mengen gering. „Wenn Bäume aber diesen Konzentrationen über Jahre ausgesetzt sind, ist auf jeden Fall mit einem deutlichen Transport und folglich Anreicherungen in den Blättern, dem Stamm und den Ästen zu rechnen“, erklärt Studienleiter Arthur Gessler.

Mikroplastik mit schweren Kohlenstoffisotop 13C markiert

Um zu ermitteln, wie Waldbäume mit Mikroplastik umgehen, markierten die Wissenschaftler diese kleinsten Plastikteilchen mit dem schweren Kohlenstoffisotop 13C. Anschließend wurden die Plastikpartikel in Töpfen mit Birken, Fichten und Traubeneichen eingebracht, um zu prüfen, ob und wie die Bäume die Fremdkörper absorbieren.

Bereits nach ein bis vier Tagen konnten die Wissenschaftler 13C im Pflanzengewebe nachweisen. Am höchsten war die Konzentration in Wurzeln, die unmittelbar in dem Wasser mit Mikroplastik standen. In den höher gelegenen Wurzeln und die Blätter konnten die Forscher jedoch auch Plastikpartikel finden.

Mikroplastik im Stamm

Am meisten Mikroplastik nahm die Birke auf. Bei diesem Baum lagerten sich sogar signifikante Mengen Plastik im Stamm ab. Dies liegt laut den Forscher sehr wahrscheinlich daran, dass das Mikroplastik über die Wasserleitungsbahnen der Pflanzen (Xylem) erfolgt. Dafür spricht auch, dass die Birke einen höheren Wasserbedarf hat als die anderen Bäume des Experiments.

Die Ergebnisse sprechen laut den Wissenschaftlern dafür, dass Mikroplastik die Gesundheit der Bäume negativ beeinflusst. Es wäre demnach sogar möglich, dass das Sterben der Wälder durch die stetig zunehmende Mikroplastikbelastung der Umwelt begünstigt wird. Weitere Studien soll nun untersuchen, ob das aufgenommene Plastik die Energie- und Zuckerversorgung der Pflanzen beeinträchtigt oder die Photosynthese stört.

iForest, doi: 10.3832/ifor4021-015

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