Waldbrände, Stürme und Co.

Waldschäden in Europa könnten sich bis 2100 verdoppeln

 Robert Klatt

Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer gefährden die Wälder in Europa )moc.sotohptisopedofnileizesier(Foto: © 

Der Klimawandel führt zu mehr Stürmen, Waldbränden und besseren Lebensbedingungen für Borkenkäfer. In Europa könnten sich die Waldschäden deshalb bis 2100 verdoppeln.

München (Deutschland). In gesunden Wäldern sterben regelmäßig alte Bäume ab und junge Bäume wachsen noch. Satellitendaten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben jedoch bereits vor mehreren Jahren gezeigt, dass das Waldsterben in Deutschland deutlich größer ist, als die Forschung bisher angenommen hat. Nun haben Forscher der Technischen Universität München (TUM) eine Studie publiziert, die analysiert hat, wie sich Waldschäden in Europa bis 2100 entwickeln werden.

Sie haben dazu ein Modell auf Basis einer Künstlichen Intelligenz (KI) genutzt, das mit 135 Millionen Datenpunkten aus Simulationen für 13.000 europäische Orte trainiert wurde und die Ergebnisse mit realen Satellitendaten zu Waldschäden kombiniert. Das finale Prognosemodell ermöglicht es, die kommende Waldentwicklung mit einer Auflösung von einem Hektar genau zu berechnen.

Waldbrände, Stürme, Borkenkäfer und Co.

Wie die Wissenschaftler um Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement, erklären, sorgen Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer bereits aktuell für große Waldschäden. Die Auswirkungen nehmen durch den Klimawandel, der laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Waldbrände häufiger und tödlicher macht, kontinuierlich zu.

Das Modell zeigt, dass sich die geschädigten Waldflächen bis 2100 gegenüber dem Mittel der Jahre 1986 bis 2020, also einem Zeitraum, in dem es bereits zu großen Waldschäden gekommen ist, verdoppeln können, wenn die Erderwärmung in dieser Periode auf über vier Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau steigt. Wenn die Erderwärmung bei „nur“ zwei Grad Celsius liegt, kommt es laut dem Modell ebenfalls zu deutlich größeren Waldschäden als im Vergleichszeitraum.

Waldschäden in Süd- und Westeuropa

Die Studie zeigt, dass die Waldschäden in Süd- und Westeuropa überdurchschnittlich stark zunehmend werden. In Nordeuropa nehmen die Waldschäden weniger stark zu, obwohl es auch hier zu einzelnen Hotspots kommen wird.

„Störungen werden zunehmend überregional zum Problem, bringen die Holzmärkte in ganz Europa durcheinander und gefährden die Gemeinwohlleistungen des Waldes.“

Laut den Forschern zeigt die Studie, dass es nötig ist, die zunehmenden Waldschäden frühzeitig in der Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen, unter anderem, weil die Wälder dadurch weniger CO₂ binden werden und es zu Engpässen bei der Produktion von Nutzholz kommen könnte.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden. Das heißt einerseits, dass wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern werden müssen. Andererseits bieten Störungen auch die Chance, einen neuen, Klima-angepassten Wald zu begründen – sie wirken als Katalysatoren der Veränderung. Diesen Risiken und Chancen durch steigende Störungen muss sich die Forstpraxis – unterstützt durch neue Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft – stellen.“

Quellen:

Pressemitteilung der Technischen Universität München (TUM)

Studie im Fachmagazin Science, doi: 10.1126/science.adx6329

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