Schädliches Klimagas

Riesige Mengen Methan strömen aus alten Bohrlöchern in der Nordsee

Dennis L.

Die Förderung von Erdöl und Erdgas aus Lagerstätten am Meeresboden erweist sich als große Klimagefahr. Forscher stellten fest, dass aus aufgegebenen Bohrlöchern das klimaschädliche Gas Methan entweicht, welches rund 28 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.

Kiel (Deutschland). Die Förderung von Erdöl und Erdgas aus der Nordsee erweist sich nicht nur aus energiepolitischer Sicht als klimaschädlich. Neben dem geförderten fossilen Energieträgern Erdöl und Erdgas, zeigt jetzt eine Untersuchung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung an der Universität Kiel einen besorgniserregenden Nebeneffekt. Aus aufgegebenen Bohrlöchern strömt Methan in großen Mengen aus unterirdischen Lagerstätten. Das Gas befindet sich in sogenannten Gastaschen in einer Tiefe von ungefähr 1.000 Metern.

Methaneintrag in Atmosphäre aus Meereslagerstätten als unterschätzter Faktor

Die Kieler Forscher werteten für ihre Studie, die in der aktuellen Ausgabe des International Journal of Greenhouse Gas Control veröffentlicht wurde, Daten von insgesamt 1.700 Bohrlöchern im deutschen Hoheitsgebiet aus. Dabei kamen besorgniserregende Ergebnisse zutage: Aus den ehemaligen Förderstätten entwichen zwischen 900 und 3.700 Tonnen des Klimagases pro Jahr. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Ausschnitt, in der Nordsee existieren etwa 15.000 solcher Bohrlöcher. Wir müssen also die festgestellte Menge mit dem Faktor 10 multiplizieren, stellt Matthias Haeckel, Leiter der Kieler Studie fest.

Methanemission erreichen ein globales Allzeithoch

Die Studienergebnisse des Instituts für Ozeanforschung bestätigen für die deutsche Nordseeküste ein globales Phänomen. Im Jahr 2017 wurden weltweit etwa 600 Millionen Tonnen des Klimagases Methan in die Atmosphäre eingebracht, wie eine Untersuchung des Umweltforschers Rob Jackson, der an der Stanford University in Kalifornien lehrt, nachweist. Von der Gesamtmenge schreiben die Wissenschaftler über 50 Prozent humaner Einwirkung zu. Damit hat sich Methanausstoß seit der Jahrtausendwende um über 50 Millionen Tonnen pro Jahr erhöht. Die globale Erdölförderung vom Meeresboden spielt dabei eine große Rolle, ebenso wie die weiter zunehmende Nutztierhaltung. Beide Effekte erreichen fast gleichrangige Werte, erklärt Pep Canadell, von der australischen Forschungseinrichtung CSIRO Oceans and Atmosphere. Den Anteil von Methan an der Erderwärmung beziffert der australische Forscher auf 21 Prozent.

Umweltorganisationen fordern Konsequenzen für Erdöl- und Erdgasförderung

Greenpeace plädiert für einen baldmöglichen Ausstieg aus der Förderung fossiler Energieträger in der Nordsee. Anlässlich des Jahrestages der Brent Spar-Katastrophe vor 25 Jahren, betonten die Umweltschützer die negativen Folgen des Abbaus von Erdöl und Erdgas. Allein die Förderanlagen im Nordostatlantik emittieren pro Jahr über 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Greenpeace verweist auf die immensen Folgekosten der Förderung, die neben der Kohlendioxidbelastung durch Freisetzung von Rohöl und die Verwendung von Chemikalien zu einer Belastung des Ozeans führen. Die Umweltorganisation geht von einem Eintrag von 9.200 Tonnen Rohöl und 182.000 Tonnen Chemikalien aus.

International Journal of Greenhouse Gas Control, doi: 10.1016/j.ijggc.2020.103119

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