Gesundheitsgefahr?

Resistente Bakterien im Fleisch deutscher Discounter entdeckt

Robert Klatt

In Fleischproben deutscher Discounter wurden multiresistente Bakterien gefunden. Der Weltärztebund fordert daher eine strengere Regulierung entsprechender Medikamente durch die EU.

Berlin (Deutschland). Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben bereits im Sommer 2020 nachgewiesen, dass in fast allen fleischverarbeitenden Betrieben Bakterien und Biofilme auf Oberflächen, Wasserschläuchen und an anderen Stellen vorkommen. Wie eine Studie von Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) nun zeigt, enthält auch das im Handel angebotene Fleisch in vielen Fällen Krankheitserreger.

Untersucht wurde dabei Putenfleisch, das die DUH bei zwei deutschen Discount-Ketten erworben hat. Dabei wurden in mehr als einem Viertel der Proben antibiotikaresistente Keime entdeckt. Ein Teil des Fleischs enthielt sogar multiresistente Keime, die gegen Reserve-Antibiotika immun sind.

Schärfere Vorschriften der EU gefordert

Als Reaktion auf den Fund der multiresistenten Bakterien kritisierte Frank Montgomery, Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, während der Präsentation der DUH-Untersuchung die umfassende Verwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Diese muss laut ihm von der Europäischen Union (EU) deutlich strenger reguliert werden.

„Wir brauchen die Beschränkung der Reserve-Antibiotika auf die Heilung bei Menschen“, so Montgomery. Eigentlich sollen Reserve-Antibiotika nur zur Behandlung von Menschen verwendet werden, deren Infektionen mit herkömmlichen Medikamenten aufgrund multiresistenter Bakterien nicht geheilt werden können. Durch die Verwendung in der Viehzucht bilden sich aber immer mehr Resistenzen, die den klinischen Einsatz entsprechender Medikamente erschweren.

Medikamenteneinsatz rückläufig

Wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Ende Juli 2021 mitteilte, ist der umstrittene Medikamenteneinsatz in der Nutztierhaltung in vielen Mitgliedsstaaten der EU inzwischen gesunken. „Der Einsatz von Antibiotika ist zurückgegangen und bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren erstmals geringer als beim Menschen“, so die Efsa. Inzwischen leben multiresistente Bakterien aber schon in fast allen Seen Deutschlands.

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